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Landkreis Augsburg

18.03.2020

Coronavirus bringt Gastwirte im Augsburger Land in Existenzangst

Leere Gasträume, leere Tische, geschlossene Hotels – das Coronavirus trifft nun auch die Gastrobranche im Landkreis Augsburg massiv.
Bild: Marcus Merk

Plus Auch das Gastronomie- und Hotelgewerbe muss wegen des Coronavirus schließen. Der Umsatz bricht ein, Personal muss teils entlassen werden.

Leere Gasträume, geschlossene Hotels – das Coronavirus trifft nun auch die Gastrobranche massiv. So wie die alte Posthalterei in Zusmarshausen müssen in Bayern Tausende Gastwirtschaften schließen. „Die Existenzangst ist groß“, sagt Wirt Marc Schumacher. Hochzeiten und andere Feiern mussten abgesagt, Hotelübernachtungen storniert werden. Derzeit sei völlig unklar, inwiefern er und seine Kollegen unterstützt werden, kritisiert der Wirt.

Mit dem Ausrufen des Katastrophenfalls will die Bayerische Staatsregierung das öffentliche Leben herunterfahren. Restaurants dürfen nur noch von 6 bis 15 Uhr öffnen, danach gibt es allenfalls noch Essen zum Mitnehmen. In Lokalen gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Gästen. Doch die blieben aus Sorge wegen des Virus ohnehin aus, meint Wirt Marc Schumacher.

Er schließt sein Restaurant und den Hotelbetrieb in den kommenden vier Wochen komplett. Mittags hätte er wegen der geschlossenen Schulen sowieso schließen müssen, erklärt Schumacher. „Bei uns arbeiten viele Eltern, die nun ihre Kinder betreuen müssen.“ Vier seiner insgesamt 34 Mitarbeiter musste Schumacher bereits entlassen. Der Rest arbeitet von nun an in Kurzarbeit.

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Viele Mitarbeiter in der Gastronomie müssen in Kurzarbeit

Das bedeutet, es gibt nur noch etwa 60 Prozent des Gehalts. Schumacher: „Wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten, aber alles ist ungewiss.“ Zwar habe die Staatsregierung finanzielle Unterstützung versprochen, doch wie die aussieht, sei unklar. Nicht einmal auf der Website der Regierung könne man derzeit entsprechende Anträge stellen, kritisiert der Wirt. Auch andere Restaurants und Hotels schließen komplett. Zum Beispiel der Gastrobetrieb im Kloster Holzen. Voraussichtlich Mitte April soll hier wieder geöffnet sein. Im Kreis Augsburg treffen die neuen Corona-Regeln 310 Betriebe mit 2700 Mitarbeitern, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Die Gewerkschaft ruft deshalb den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dazu auf, per Tarifvertrag eine deutliche Aufstockung des Kurzarbeitergelds für die Branche auf den Weg zu bringen. Die Bundesregierung sagte betroffenen Firmen bereits Kredite zu. Davon wird wohl auch der Horgauer Wirt Martin Platzer Gebrauch machen müssen. Er rechnet mit bis zu 90 Prozent Umsatzverlust. Ab Mittwoch hat seine Gastwirtschaft nur noch mittags geöffnet.

Ikea hat schon zu. Der Möbelriese hat alle Filialen auf unbestimmte Zeit geschlossen. Auch die in Gersthofen ist betroffen.
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Folgen von Corona: Schließungen im Augsburger Land
Bild: Marcus Merk

Von den 66 Betten im angeschlossenen Hotel seien nur etwa zehn Prozent belegt. Normalerweise übernachten hier viele Tagungsgäste oder Messebesucher. Doch da alle Veranstaltungen ausfallen, blieben auch die Gäste fern, sagt Platzer. Selbst während der Finanzkrise seien die Folgen für den Wirt weitaus weniger drastisch gewesen.

Wirt Marc Schumacher: "Für uns geht es ums Überleben"

Auch damals fielen viele geschäftliche Übernachtungen flach. Durch private Feiern habe der Wirt den Schaden aber ausgleichen können. Das sei diesmal anders. „Wir hängen in der Luft.“ Einige Mitarbeiter sind bereits im Urlaub, andere müssen Kurzarbeit beantrage. Auch Platzer schließt Kündigungen nicht aus. Schließlich könne er momentan weder absehen, ob es Entschädigungen gibt, noch, wie lange sein Betrieb schließen muss. Zunächst gelten die Regeln bis zum 19. April. Besonders kleinere Gastrobetriebe trifft die Zwangspause hart. Im Gersthofer Wirtshaus zum Strasser arbeitet Pächter Antonio Balzano derzeit nur noch mit einem Mitarbeiter.

Auch in den vergangenen Tagen und Wochen sei bei ihm kaum mehr etwas los gewesen, sagt der Wirt. Am Montag hatte er am Ende des Tages gerade einmal 180 Euro in der Kasse.

„Allein für meine laufenden Kosten brauche ich einem Umsatz von 1800 Euro“, sagt Balzano. Marc Schumacher, der Verbandssprecher der jungen Gastronomen in Schwaben ist, geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller Gastwirte in Deutschland bankrott gehen, sollte es nicht schnelle Hilfe geben. „Die können nicht einfach mal zwei Wochen zumachen“, sagt Schumacher. Neben staatlicher Hilfe hofft er auch auf die Unterstützung der Kunden. Wer jetzt bereits für die Zeit nach Corona eine Feier oder Übernachtung reserviere, helfe den Gastronomen sehr. Das schaffe Planungssicherheit und beruhige die Kreditgeber. Schumacher: „Für uns geht es jetzt ums Überleben – egal ob Fünf-Sterne-Hotel oder Pommesbude.“

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