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Gersthofen

29.04.2015

Dachstuhlbrand: Verdächtige streitet alles ab

Im September 2014 brannte es in diesem Haus – nun stand die vermeintliche Brandstifterin vor Gericht.

Im September 2014 brannte ein Wohnhaus, 20 Menschen waren in Gefahr. Beim Prozess überrascht die Beschuldigte mit ihrer Aussage.

Diesen Sonntag im vergangenen September haben rund 20 Gersthofer noch in unguter Erinnerung: In den frühen Morgenstunden klopfte die Polizei plötzlich an den Wohnungstüren und riss die Bewohner aus dem Schlaf. Der Grund: Der Dachstuhl des Wohnhauses in der Akazienstraße stand in Flammen. Verletzt wurde durch das Feuer niemand, innerhalb von Minuten waren das brennende Haus und ein Nachbargebäude evakuiert. Schnell stand für die Polizei fest, dass es sich um vorsätzliche Brandstiftung handelte. Noch am selben Tag wurde eine junge Gersthoferin von der Polizei festgenommen. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll sie im Dachboden einige Wäschestücke angezündet haben.

Der Hintergrund: Ihr damaliger Lebensgefährte wohnte mit seinen Eltern in diesem Haus, zu dem sie einen Schlüssel besaß. Weil das Paar sich an diesem Abend gestritten hatte, soll die psychisch labile Frau laut Anklage daraufhin das Feuer gelegt haben. Seitdem ist die 24 Jahre alte arbeitslose Mutter zweier Kinder wegen schwerer Brandstiftung in Untersuchungshaft untergebracht. Gestern startete der auf sieben Verhandlungstage angesetzte Prozess. Weil das Leben von rund 20 Menschen in Gefahr war, wird der Fall vor dem Landgericht verhandelt, dies kann höhere Strafen verhängen als das Amtsgericht. Die Gersthoferin wollte zu Prozessbeginn zuerst gar nichts aussagen. Nach einer Unterredung mit ihrem Verteidiger Wolfgang Polster entschied sie sich doch noch, zu sprechen – und überraschte mit ihren Aussagen.

Denn vor Gericht bestritt die Frau, etwas mit dem Feuer zu tun gehabt zu haben. Zwar sei sie an diesem Abend mit ihrem damaligen Freund in einer Augsburger Disko in Streit geraten, weil dieser so eifersüchtig gewesen sei. Dieser sei aber derart eskaliert, dass man für den Rest der Nacht getrennte Wege gegangen sei. In einer wirren Schilderung berichtete sie davon, wie sie sich zuerst mit ihrem Bruder, danach mit ihrem damaligen Freund getroffen hatte. Währenddessen habe sie große Mengen Alkohol getrunken und war laut eigener Aussage „ziemlich betrunken“. Erst am frühen Morgen sei sie dann nach Gersthofen zurück gekommen: „Ich bin dann zu einem Bekannten von mir gegangen, der in der Nähe meines Ex-Freundes wohnt.“ Dort hätte sie noch Cannabis geraucht. „Als ich dann aus dem Fenster geschaut habe, habe ich gesehen wie es nebenan gebrannt hat.“ Dass sie bei dem Brand in der Nähe gewesen sei, sei also nur ein Zufall gewesen. Und ein Feuerzeug, um die Wäschestücke anzuzünden, habe sie – obwohl sie Raucherin ist – ebenfalls nicht bei sich gehabt.

Die Aussage einer Polizistin, die an diesem Morgen im Einsatz war, hörte sich jedoch etwas anders an. Der damalige Freund der Frau habe den Tipp gegeben, dass seine Lebensgefährtin etwas mit dem Feuer zu tun haben könnte. Schon einige Zeit zuvor hatte sie die Jacke ihres Freundes nach einem Streit angezündet. Weil sie das Feuer damals in der Badewanne gemacht hatte, kam damals aber niemand zu Schaden. Bei der Frau habe man in einer Jackentasche auch den Rest eines Feuerzeugs gefunden. Zudem habe diese gegenüber den Beamten geäußert, dass „sie mit der Situation allgemein nicht mehr klar komme“.

Richter Roland Christiani nahm der Beschuldigten ihre Version nicht ab – und riet ihr, bis zum nächsten Sitzungstermin ihre Taktik zu überdenken: „Bis dahin gibt es Gelegenheit, über das Gesprochene noch einmal nachzudenken.“ Die Aussagen der 24-Jährigen bezeichnete er als „abenteuerlich“. Ein Urteil ist für Anfang Juni geplant. Als möglich gilt laut Richter derzeit die Variante, dass die Frau anstatt in einem Gefängnis in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht wird.

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