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Erziehung

27.10.2017

Damit Computer und Fernsehen Ihrem Kind nicht schaden

Es sollte klare Regeln geben, wann und wie lange Kinder den Computer nutzen oder ihre Lieblingsserien anschauen.

 Ein Experte erklärt, warum Grundschüler noch kein Handy brauchen und weshalb auch Eltern regelmäßig „offline“ gehen müssen

Mama muss unterschreiben, Papa auch, die Sprösslinge sowieso, und alle sollen sich dran halten: Der Mediennutzungsvertrag hält Einzug in die Familien und regelt, wer wann was wie lange schauen oder spielen darf. Worum es dabei geht? Smartphone und Co sollen fried- und sinnvoll in den häuslichen Alttag integriert werden.

Viele Eltern kennen das: Sohnemann kommt nicht zum Essen, weil er lieber am Computer daddelt, und die sechsjährige Tochter kann zwar noch nicht richtig lesen, findet im Internet aber spielend ihre Lieblingsserien. Aber was davon ist gut, was schädlich, was zu viel und was im Rahmen? Diese Fragen beschäftigen viele Eltern und Großeltern, die nicht mit der Allgegenwart von Smartphone & Co aufgewachsen sind.

Also konkret: „Braucht mein Kind ein Smartphone?“, „Wie kann ich nachvollziehen, was es im Internet macht?“, „Was können Kinder durch Neue Medien lernen?“ Diese und viele weitere Fragen beschäftigten die rund 100 Eltern und Erzieher aus der Stadt und dem Landkreis Augsburg, die zur Informationsveranstaltung „Wege durch das Labyrinth der Neuen Medien“ ins Landratsamt gekommen waren.

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„Sowohl in den Arbeitskreisen als auch bei Besuchen in den Kindertagesstätten begegneten uns immer wieder Fragen zum verantwortungsvollen Umgang mit den Neuen Medien. So entstand die Idee, gemeinsam mit Marion Lohner und Michaela Zipper vom Medienzentrum eine Veranstaltung für Fachkräfte und Eltern zu organisieren“, so Angelika Steinbrecher und Magdalena Blon von der Fachstelle Kindertagesstätten. In dem Augsburger Kriminalhauptkommissar Klaus Kratzer konnte das vierköpfige Team einen sehr erfahrenen und kompetenten, gleichzeitig aber auch sehr unterhaltsamen Referenten gewinnen, der seine Zuhörer über die Gefahren und Fallstricke der Neuen Medien aufklärte und zahlreiche Fallbeispiele aus der Praxis aufzeigen konnte.

In seinem Beruf hat Kratzer viel mit den Schattenseiten des Internets zu tun und sieht es deshalb sehr kritisch, dass Kinder heute schon früh mit allen möglichen digitalen Geräten ausgestattet sind. Er hat eine klare Meinung: „Ein sechsjähriges Kind braucht noch kein Smartphone, ein Fernseher gehört nicht ins Kinderzimmer, und das Handy soll abends nicht mit ins Bett.“ Seiner Meinung nach ist es die Aufgabe der Eltern, hier „Nein“ zu sagen, klare Grenzen zu setzen und diese auch einzuhalten. Kratzer betont: „Als Eltern müssen wir Vorbilder für unsere Kinder sein und Verantwortung übernehmen. Wir sind schon sehr mitteilungsbedürftig geworden – seien wir doch ehrlich, ständig schauen wir auf unser Handy, und unsere Kinder bekommen das von klein auf vorgelebt.“

Für Kinder sei es wichtig, die Medien auch mal abzuschalten. „Eine handyfreie Zeit für die ganze Familie einzuführen – das täte allen gut“, so der Kriminalhauptkommissar. Denn die ständige Onlinepräsenz spiegle das enorme Bedürfnis der Kinder nach Mitteilung und Aufmerksamkeit wider.

Verbote und Verteufelungen der Neuen Medien seien völlig fehl am Platz und würden schlimmstenfalls das Gegenteil bewirken. „Wir begleiten unsere Kinder bei ihren ersten Schritten, bei der Eingewöhnung in den Kindergarten, bei den ersten Versuchen mit dem Fahrrad und bei vielem mehr – wir dürfen sie auch nicht plötzlich alleine online lassen.“

Diese konkreten Tipps geben Experten

Vertrag: Um Streit oder Diskussionen über die Handy-, Computer-, Fernseh- oder Internetnutzung in Familien zu vermeiden, kann ein gemeinsam und frühzeitig erstellter Mediennutzungsvertrag helfen. Denn dann ist klar, was erlaubt ist und was nicht. Darin können Sie den Umgang mit Medien in Ihrer Familie individuell regulieren und neben Nutzungszeiten die Art der inhaltlichen Nutzung vereinbaren. Auch die Tageszeit der Mediennutzung kann in einer Regel festgehalten werden. Direkt vor den Hausaufgaben oder vor dem Einschlafen können Medien besonders Kinder aufwühlen. Achten Sie bei der Vereinbarung auch auf regelmäßige Bildschirmpausen.

Bis drei Jahre: Wenn Eltern zu Hause einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone nutzen, können auch kleine Kinder erste Erfahrungen im Umgang damit sammeln: Tippen auf der Tastatur/dem Bildschirm, Fotos oder Bildergeschichten anschauen, per Webcam mit Familienangehörigen plaudern oder Musik hören. Fünf Minuten sollten reichen.

Vier bis sechs: Interessant für Kinder in diesem Alter sind einfache Spielangebote oder Seiten mit Bildern und Filmen. Eltern sollten den Zugang ins Internet begleiten und durch Filtermaßnahmen regulieren. Kinder sollten nur auf kindgerechte und vorher ausgewählte Seiten zugreifen können: ca. 20 Minuten, nicht unbedingt täglich.

Sieben bis zehn: Kinder in diesem Alter sind immer noch sehr vertrauensselig. Eltern sollten dem Nachwuchs immer mal wieder über die Schulter schauen oder zumindest „in Hörweite sein“, um ihrem Kind bei Problemen helfen zu können. Eine technische Regulierung der Internetnutzung ist auch in diesem Alter sinnvoll, damit Kinder vor allem positive Erfahrungen im Umgang mit dem Web sammeln können. Ein Handy mit Internetzugang ist bei den 7 bis 10-Jährigen weniger zu empfehlen, da die aufgerufenen Inhalte und Nutzungszeiten von Elternseite kaum überblickt werden können.

10 bis 13: Eltern sollten Internet- und Handynutzung weiter klar regeln und Kindern gleichzeitig erste Freiräume schaffen. Installierte Filter- und Jugendschutzprogramme sollten alters- und erfahrungsgerecht eingestellt werden und dem Jugendlichen immer mehr Freiheiten einräumen. Wollen Eltern das Surfverhalten überprüfen, sollte dies nicht hinter dem Rücken des Kindes geschehen, um einen Vertrauensbruch zu vermeiden. Nutzungsdauer: verhandelbar, ca. 60 Minuten pro Tag, kann auch über ein Wochenbudget geregelt werden.

14 bis 17: Vor allem jugendliche Nutzer sind sehr „freigiebig“ bei der Veröffentlichung privater Daten. Sprechen Sie mit ihnen und prüfen Sie regelmäßig, ob neben der Mediennutzung noch ausreichend Zeit für Schule, Ausbildung und andere Hobbys bleibt.

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