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Meitingen

22.01.2018

Damit allen das „Kunststück Familie“ gelingt

Gemeinsam ließen sie die vergangenen 15 Jahr Revue passieren: Kurt Nießner, der als Regionalleiter Nord in der St.-Gregor-Kinder-, Jugend- und Familienhilfe für die Landkreise Augsburg und Dillingen verantwortlich zeichnet, Doris Zahn, die Leiterin des Familienzentrums in Meitingen, Michael Higl, Meitingens Bürgermeister, und Otto Bachmeier, der Direktor der St.-Gregor-Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (von links nach rechts).
Bild: Steffi Brand

Seit 15 Jahren bereits gibt es die St.-Gregor-Familienstation in Meitingen. Was sich in dieser Zeit alles geändert hat und was gleich geblieben ist.

Familie leben. Familienleben organisieren. Sich als Familie definieren und eine verlässliche Haltung sowie einen erzieherischen roten Faden ausbilden – das sind die großen Herausforderungen, die Familien zu stemmen haben. Allein sind die Familien in Meitingen dabei nicht. Seit 15 Jahren agiert die St.-Gregor-Kinder-, Jugend- und Familienhilfe als Ansprechpartner in genau dieser Rolle. „Kunststück Familie“ heißt das Vor-Ort-Beratungs- und Bildungsangebot, das von der Gemeinde Meitingen finanziert und von St. Gregor umgesetzt wird. Das Themenportfolio beginnt dabei im frühkindlichen Bereich und endet bei der Pubertät noch lange nicht.

Wie alles vor 15 Jahren begann? Mit sehr viel Mut, erklärt der zuständige Regionalleiter von St. Gregor, Kurt Nießner. Die Idee im Jahr 2002: Vor Ort sollte neben Beratung auch Familienbildung angeboten werden. Dabei sollte es um Probleme aus der Praxis gehen. Um Kleinkinder in der Trotzphase, um Scheidung und Trennung der Eltern sowie um Pubertät oder den Schulübertritt. Möglich wurde die Umsetzung des Konzepts dann durch die Initiative von Alfred Sartor, Higls Vorgänger im Rathaus. Er hatte die Idee, ein Angebot für Familien zu schaffen.

Bürgermeister Michael Higl, der damals noch als Gemeinderat agierte, erinnert sich: „Die Jugend taucht auf und macht Probleme. Das war die Wahrnehmung damals.“ Jugendzentren, die Probleme bereiteten, und ein Streetworker-Konzept, das nicht funktionierte, hinterließen einen demoralisierten Gemeinderat, der sich schnell für Sartors Idee begeistern konnte. Die mobile Familienberatung war der erste Ansatzpunkt, der, erweitert um das Bildungsangebot, gleichzeitig die Zielgruppe größer spannte: Im Fokus standen fortan nicht mehr nur die Jugendlichen, sondern ganze Familien und ihre alltäglichen Probleme und Unsicherheiten. Bei kleineren Schwierigkeiten direkt zu reagieren, anstatt sie zu großen Problemen heranwachsen zu lassen – das war der Ansatz. Und diese Grundidee ist bis heute geblieben, auch wenn sich die Inhalte regelmäßig ändern. Ein Beispiel bringt der Direktor von St. Gregor, Otto Bachmeier: Eine Weile war die Drogenthematik in Meitingen ein großes Thema. Nach Rücksprache im Fachbeirat wurde ein Konzept ausgearbeitet. Fortan gab es eine regelmäßige Vor-Ort-Beratung für Eltern. Heute gibt es diese Beratung noch auf Anfrage. Nießner: „Die Nachfrage hat sich geändert.“ Bachmeier nennt drei weitere große Trends der vergangenen 15 Jahre, die eine Anpassung des Angebots forderten: Geänderte Familienkonstellationen, vor allem auch die Rolle der Frau in der Familie. Geänderte Schulformen, Bezeichnungen und Ausrichtungen. Grundschulkinder, die im Besitz eines Handys sind, und damit das komplexe Thema Medienerziehung. Erst kürzlich kam ein weiteres Thema zur Sprache, das eine Lehrerin vorschlug: Das Thema Sitzenbleiben, Klassenstufe wiederholen, Schulwechsel. „Ich bin gerade dabei, einen Vortrag dazu zu gestalten“, erklärt die Leiterin des Familienzentrums Doris Zahn.

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Ein Vortrag ist dabei nur ein Kontaktpunkt, den das Familienzentrum anbietet. „Häufig schließt sich direkt im Anschluss an einen Vortrag ein Gespräch an, oder die Familien vereinbaren einen Beratungstermin“, erklärt Doris Zahn. Es gibt auch Themen auf der Agenda, zu denen die Vorträge nur selten gut besucht sind, allerdings die Nachfrage im Anonymen deutlich größer ist. Das Thema Trennung und Scheidung ist hierfür das beste Beispiel.

Viele Eltern nehmen die Beratungsleistungen oft schon weit im Vorfeld in Anspruch, um die Trennung der Eltern für das Kind oder die Kinder so erträglich wie möglich zu machen. Zu allgemeinen Vorträgen zu diesem Thema kommt indes kaum jemand. Doris Zahn macht die Rolle des Familienzentrums klar. „Wir sind keine Tippgeber und haben keine Patentrezepte auf Lager.“ Vielmehr setzt die Beratung an dem Punkt an, an dem es gilt, Unsicherheiten im Familienalltag zu minimieren, Tabuthemen zu enttabuisieren und den Eltern Möglichkeiten zu zeigen, eine verlässliche Haltung aufzubauen und einen roten erzieherischen Faden zu spannen. Es gehe nicht darum, in der Schublade der „schlechten Eltern“ zu landen, nur weil die Familie ein Betreuungsmodell verfolgt, das aktuell vielleicht nicht mehr „in“ ist. Es gehe vielmehr darum, Eltern bei der Entwicklung einer praktikablen Erziehungskompetenz zu unterstützen und ihnen dabei zu helfen, Vertrauen in ihre eigene Erziehungsarbeit zu entwickeln.

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