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Landkreis Augsburg

03.08.2019

Das Bürgermeister-Beben im Norden des Augsburger Lands

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4 Bilder
Paula Print im Amtszimmer des Bürgermeisters Bernhard Gmehling. Die Amtskette und das Goldene Buch haben ihr besonders gut gefallen. N
Bild: Barbara Feneberg (Symbolbild/Archiv)

Im nördlichen Teil des Augsburger Lands stellen sich einige Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl. Und hinter der Kreisgrenze sieht die Lage noch drastischer aus.

Elmar Schöniger tut es, Manfred Brummer und Manfred Schafnitzel auch. Sie alle hören auf. Die Bürgermeister von Nordendorf, Allmannshofen und Ellgau werden sich am 15. März 2020 nicht mehr zur Wahl stellen.

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Damit steht in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Nordendorf ein großer Umbruch an. Zur VG gehören die sechs Gemeinden Allmannshofen, Ehingen, Ellgau, Kühlenthal, Nordendorf und Westendorf. Die Hälfte der amtierenden Bürgermeister werden nach den Wahlen nicht mehr im Amt sein. Dabei gibt es noch einen Wackelkandidaten. Steffen Richter, Bürgermeister in Westendorf, ist noch unschlüssig, ob er Rathauschef bleiben will.

Eine weitere Veränderung im Führungspersonal ist möglich

Innerhalb der VG könnte die Wahl eine weitere Veränderung im Führungspersonal bedeuten. Der Grund: Der Geschäftsleiter der VG Nordendorf, Michael Funk, ein gebürtiger Ehekirchener, ist CSU-Bürgermeister-Kandidat in Ehekirchen. Dort tritt er gegen den amtierenden Rathauschef Günter Gamisch (Freie Wähler an).

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Doch nicht nur im nördlichen Teil des Augsburger Landes gibt es ein Bürgermeister-Beben. Blickt man noch weiter nördlicher und somit über die Kreisgrenze, zeichnet sich im Donau-Ries ein noch drastischeres Bild ab. Fast die Hälfte der Bürgermeister im gesamten Nachbarlandkreis werden nicht mehr zur Wahl stellen. Exakt 21 von 42 zur Wahl anstehenden Bürgermeistern haben sich entschieden aufzuhören, darunter in den vier den Landkreis Donau-Ries prägenden Städten Donauwörth, Nördlingen, Harburg und Rain.

Ähnlich groß ist der anstehende Wechsel auch im Lechgebiet des Donau-Ries, wo sogar alle Rathauschefs aufhören. Im Dreiländereck wird mit neuen Köpfen in Rögling und Tagmersheim in den Rathäusern ein Neuanfang anstehen.

Ende bereits nach der zweiten Amtszeit

„In dieser Anzahl hatten wir das im Landkreis noch nicht“, sagt der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle. Bei einigen sei aufgrund des Alters zwar klar gewesen, dass sie nicht mehr kandidieren. „Doch da sind schon ein paar darunter, die mich überrascht haben“, gibt Rößle zu. Er denkt dabei an Donauwörths Oberbürgermeister Armin Neudert, der mit 54 Jahren und nach drei Amtsperioden nicht mehr antreten wird. Oder eben seinen Heimatbürgermeister in Oberndorf, Hubert Eberle. Doch unter den scheidenden Mandatsträgern sind auch Politiker dabei, die bereits nach der zweiten Amtszeit aufhören. Dazu gehören Tagmersheim, Rögling oder auch Genderkingen.

Die Gründe dafür sind sehr individuell, liegen im Privaten, aber auch an einem Wandel, dem das Amt unterliegt. „Die Aufgabe eines Bürgermeisters ist sehr anspruchsvoll geworden“, sagt Robert Ruttmann, Gemeindechef von Holzheim. Er selbst wird mit 69 Jahren und nach 22 Jahren ehrenamtlichem Dienst am Bürger nicht mehr antreten – aus Altersgründen. Als Sprecher der Bürgermeister im Landkreis Donau-Ries kennt er die Probleme seiner Amtskollegen.

Der zeitliche Aufwand ist enorm

Zum einen werden die fachlichen Fragen immer schwieriger. Kanalbau, Ausschreibungen, Bauleitplanung – da gebe es viel zu beachten. Auch kleine Kommunen errichten Kitas, Kindergärten oder Bürgerhäuser, stemmen Projekte wie Dorfläden und Dorferneuerung. Hinzu kommt mehr mediale Aufmerksamkeit im Internet und die allgegenwärtigen Beurteilungen in den sozialen Netzwerken. „Der zeitliche Aufwand ist schon in einer Gemeinde ab 1000 Einwohner enorm“, sagt Ruttmann. Deshalb plädiert er ab dieser Dorfgröße für einen hauptamtlichen Bürgermeister. „Das sollte der Gesetzgeber entsprechend anpassen, will er das Amt attraktiv halten.“ Es gehe dabei nicht nur um die finanzielle Absicherung, sondern auch um die Tatsache, dass die Gemeindeaufgaben das einzige Aufgabenfeld des Bürgermeisters ist. „Wer gestalten will, kann eigentlich erst in der dritten Amtsperiode die Früchte seiner Taten ernten. Das fordert die gesamte Aufmerksamkeit des Bürgermeisters.“

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