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Gersthofen

22.02.2016

Das Ende des Gersthofer „Gammelbahnhofs“

Nun rücken in Gersthofen die Bagger an und reißen das heruntergekommene Gebäude endlich ab.

Jahrelang kämpfte die Stadt Gersthofen um den Kauf des Bahnhofsareals. Das im Laufe der Jahrzehnte von der Bahn AG vernachlässigte und völlig heruntergekommene Gebäude erhielt mehrere Spitznamen. Doch am morgigen Dienstag ist seine Zeit endgültig vorbei. Denn um 13 Uhr rücken die Bagger zum Abriss an. Bis Ende März soll es beseitigt sein.

Wegen der Abbrucharbeiten wird von heute bis Samstag, 12. März, die östliche Auffahrt zum Bahnhof für Fahrzeuge aller Art gesperrt. Die Zufahrt zum Park-and-Ride-Platz westlich der Bahnlinie Augsburg-Donauwörth ist von der Sperrung nicht betroffen.

Wie berichtet, hat der Stadtrat beschlossen, das Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1844 abzureißen. An seiner Stelle soll eine bepflanzte und mit Sitzbänken versehene „Reminiszenz“ angelegt werden. Um das Gebäude doch noch zu retten, hatte man zunächst einen Investor gesucht, doch bei der Ausschreibung fand sich kein Interessent. Zeitweise wurde sogar noch ein Umbau zu einem kleinen Kulturzentrum mit Kleinkunstbühne angedacht – ein Vorschlag, den nicht zuletzt das Theater Gersthofen, ein Amateurverein befürwortete. Doch es fand sich niemand für die Umsetzung. Und die Stadt selbst wollte nicht selbst das Risiko eingehen, eine teure Sanierung zu starten für ein Gebäude, bei dem nicht sicher war, ob es wirtschaftlich betrieben werden könnte.

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Wegen seines schlechten Zustands und schlimmen Erscheinungsbilds wurde der Bahnhof in einem Wettbewerb der Grünen zum „gammeligsten Bahnhof Bayerns“ gekürt. Der Volksmund wiederum prägte das Wort vom „Somaliabahnhof“.

Als erster Schritt wurden nun die ersten Bäume gefällt. „Der gesamte Abriss sollte Ende März beendet sein“, erklärt Bürgermeister Michael Wörle. Weil es sich um ein altes Bestandsgebäude handelt, werde dies in Schichten erfolgen. „Die verschiedenen Materialien werden dann möglichst umweltgerecht entsorgt.“ Das Verfahren kostet die Stadt einiges: „Wir liegen laut Ausschreibungen bei rund 50000 Euro, günstiger als zunächst kalkuliert – im Haushaltsplan hatten wir 150000 Euro vorgesehen.“

Parallel gehen die Planungen für das Areal weiter. Derzeit geht es darum, dass die Stadt Baurecht bekommt. Schließlich sollen eine barrierefreie Rampe zu den Gleisen, ein Tunnel für Pendler unter der Bahnlinie hindurch zum Park-and-ride-Platz sowie zwei Aufzüge zu den Bahnsteigen errichtet werden.

Der Tunnel ist auch der Grund dafür, dass es noch einige Zeit dauert, bis das neue Bahnhofsareal fertig ist. Denn das Bauwerk muss erst errichtet und dann unter den Bahndamm eingeschoben werden. „Dafür haben wir schon im September bei der Bahn eine dreitägige Sperrzeit beantragt“, erinnert Wörle. Weil der Zugverkehr zeitweise eingestellt wird, beansprucht das Unternehmen eine dreijährige Frist. „Wir wollten 2018 beginnen und hätten überraschenderweise schon einen Termin Anfang 2018 bekommen.“ Das sei aber wegen der aufwendigen Planungen und Vorbereitungen zu früh. „Daher beantragen wir jetzt die Sperrpause für 2019“, so Wörle. Die Umbaupläne liegen noch bis Mitte März öffentlich aus: „Wir erwarten keine großen Schwierigkeiten im Bebauungsplanverfahren.“ Schließlich gehört zu der Gestaltung ein Kreisverkehr an der Einmündung von Beethovenstraße und Hery-Park in die Bahnhofstraße – auf Höhe der heutigen Ampel und der Tankstelle. Die Planer müssen überdies noch Vorschläge erarbeiten, wie beim Umbau des Bahnhofsareals Kosten gespart werden können. Vor allem die Planungen für das derzeit verwilderte Wäldchen bergen laut Auffassung der Stadträte noch Potenzial.

Denn die Planer sahen, um den Boden zu schonen, Wege auf Stegen durch das Wäldchen vor. Zuvor war festgestellt worden, dass auf dem verwilderten Areal seltene Fledermausarten und geschützte Reptilien und Insekten leben. Diese Tiere hatten schon einen weit gediehenen Bebauungsplanentwurf zu Fall gebracht. Damals war auf dem Bahnhofsgelände sogar ein Hotel geplant.

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