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Neusäß

25.04.2019

Das Frauenprojekt des Ausländeramts wird beendet

Eine Art Frauenhaus für allein reisende Migrantinnen sollte in Neusäß entstehen. Nach zwei Jahren wird das Projekt beendet.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

In Neusäß sollten allein reisende Migrantinnen mit ihren Familien Schutz finden. Doch nach zwei Jahren kommt die Ernüchterung.

Es sollte eine ganz besondere Unterkunft sein. Im Sommer 2016 hatte das Landratsamt eine Unterkunft in der Siemensstraße 1 vorgestellt, die im Landkreis und wohl auch darüber hinaus einzigartig sein sollte. In einer Art Frauenhaus sollten allein reisende Migrantinnen mit ihren Kindern einen sicheren und geschützten Platz finden.

In der ehemaligen Fabrikantenvilla sollten sie zusammen leben, lernen und eventuell sogar eine Kinderbetreuung finden. Sogar die Neusässer Sozialberaterin für Asylfragen, Rebecca Binder, war zunächst dort untergebracht. Doch nach zwei Jahren kam die Ernüchterung: So wie geplant, klappt das nicht. Es lag wohl hauptsächlich an Unstimmigkeiten der Frauen untereinander.

Jede Frau hatte eine besondere Geschichte

Jede der Frauen, die im Juni 2016 in das Haus einziehen konnte, hatte eine besondere Geschichte mitgebracht. Da war die junge Christin aus dem Iran mit ihrem zehnjährigen Sohn, die zuvor in einer anderen Unterkunft im westlichen Landkreis gelebt hatte. Von den anderen Familien dort, alle muslimisch, fühlte sie sich bedrängt, nach deren Lebensstil leben zu müssen: So sollte sie einen Schleier tragen und während des Ramadan nicht tagsüber kochen, hatte sie erzählt. Eine andere junge Frau aus Afghanistan hatte sich ebenfalls in ihrer vorherigen Unterkunft mit syrischen Familien nicht wohlgefühlt. Sie hatte den Eindruck, dass Spielsachen ihrer vier Kinder verschwinden würden. Und dann waren da noch Frauen, die in jedem Frauenhaus Zuflucht suchen: Die sich von ihrem Mann getrennt haben und dann nicht wussten, wohin sie sollten.

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„Die Haushaltsgemeinschaft der untergebrachten Frauen hat nicht dauerhaft funktioniert“, teilt der Pressesprecher des Landratsamts, Jens Reitlinger, mit. Im vergangenen Herbst seien die letzten Frauen ausgezogen. Sie sind nun wieder in gemischten Unterkünften untergebracht, was besser klappe.

Zwischenquartier für Migranten-Familien aus Neusäß

In Zukunft werden in der Villa in der Siemensstraße überhaupt keine Flüchtlinge mehr leben. Wie das Landratsamt mitteilt, läuft der Mietvertrag Ende Mai 2019 aus. Nachdem die Frauen ausgezogen waren, diente die Unterkunft zeitweise als Zwischenquartier für Migranten-Familien aus Neusäß, deren Häuser ebenfalls aufgelöst wurden. Inzwischen lebt in der Siemensstraße 1 niemand mehr.

Einige dieser Familien aus Neusäß mussten deshalb in den vergangenen Monaten mehrmals umziehen. Eine Belastung vor allem für die Kinder, berichtet eine Ehrenamtliche aus dem Helferkreis. Und auch für die Helfer selbst, sagt sie: Man kümmere sich Tag und Nacht und wenn eine Familie umziehen müsse, bekomme man nicht einmal einen Anruf. Sie selbst fühle sich „ausgelutscht“ nach drei Jahren aktiver ehrenamtlicher Hilfe, berichtet die Frau.

Von einer hohen Belastung der Ehrenamtlichen spricht auch die Asylsozialberaterin für den Landkreis Augsburg, Astrid Zimmermann. Sie sagt, dass im Landratsamt viel getan werde, um das Zusammenleben der Migranten untereinander und auch die Einbindung der jeweiligen Helferkreise gut zu gestalten. Dennoch könne nicht jeder Fall zur Zufriedenheit aller aufgelöst werden, weiß sie.

Bis spät in den Abend hinein unterwegs

Das berichtet auch Peter Reidel, der den Kreis der Ehrenamtlichen Helfer in Fischach leitet. In dem Ort lebt eine Reihe von Familien mit Kindern. Die Helfer über Jahre hinweg aktiv zu halten, sei nicht einfach. Er selbst sei oft bis spät in den Abend hinein unterwegs – und das nach der Arbeit. Das Leben der Geflüchteten in Fischach angenehmer zu machen, dafür hätte der Helferkreis auch viel eigenes Geld in die Hand genommen.

Voraussichtlich wird es auch in den kommenden Monaten noch viel Bewegung in dem Bereich geben. Wie auf der Bürgermeisterdienstbesprechung im vergangenen Monat bekannt wurde, laufen für 20 Unterkünfte des Landkreises bis Ende 2020 die Mietverträge aus. Ob sie wirklich alle aufgelöst werden, ist laut Landratsamtssprecher Jens Reitlinger noch nicht endgültig geklärt: Das hänge vor allem davon ab, wie viele neue Flüchtlinge kämen. Im Moment leben rund 1500 Geflüchtete im Landkreis, jede Woche kommen etwa zehn neue hinzu und genauso viele ziehen weg.

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