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Stadtbergen

14.04.2013

Das Kreuz mit dem Handymasten

Wenn sich Horst Hohmann und Hermann Krist ärgern möchten, genügt den beiden Stadtbergern ein Blick aus dem Wohnzimmerfenster.
Bild: Marcus Merk

Beim Aufbau neuer Antennen haben Kommunen kaum Mitspracherecht – zum Ärger der Anwohner.

Wenn sich Horst Hohmann und Hermann Krist ärgern möchten, genügt den beiden Stadtbergern ein Blick aus dem Wohnzimmerfenster. In unmittelbarer Nachbarschaft und gerade mal 120 Meter entfernt steht der Grund für ihren Gram: Ein Mobilfunkmast, auf dem die Antennen von mehreren Betreibern angebaut sind. „Derzeit sind es schon sieben Stück“, sagt Krist. Wie viele es waren, als die beiden vor 35 Jahren in das Wohngebiet am Kleeanger gezogen sind, wissen sie nicht mehr. Was sie aber sicher wissen: Mit jeder Antenne, die dazu kommt, wächst ihr Unmut – denn eine Handhabe, um sich gegen die Errichtung der Antennen zu wehren, gibt es nicht.

Dies wurde auf der jüngsten Sitzung des Stadtberger Verkehrsausschusses deutlich: Auf dem Mobilfunkmast am Fryar Ring möchte der Netzbetreiber einen Funkmasten errichten, mit dem die neue LTE-Technik genutzt werden kann. Eine Handhabe, sich gegen die Errichtung des Masten zu wehren, hat die Stadt aber nicht. „Wir können nur unsere Bedenken äußern, sonst sind uns die Hände gebunden“, sagt Bürgermeister Paul Metz (CSU). Denn für die Netzbetreiber ist die Sache ebenso einfach wie komfortabel: Gibt es an dem in Privatbesitz befindlichen Masten bereits eine Antenne, können weitere ohne Rücksichtnahme auf die Kommune errichtet werden. Die Vodafone-Antenne wird also auf diesem Mast kommen – ob es Stadtbergen passt oder nicht.

Ein Umstand, mit dem nicht nur die Anwohner, sondern auch die Mitglieder des Stadtrates sich nur schwer anfreunden können: Zwar schlug der Stadtrat alternative Standorte vor, die etwas weiter weg von der Wohnbebauung des Fryar Rings entfernt wären. Diese lehnte Vodafone ab. Begründung: Der Betrieb an einem anderen Masten wäre zu teuer. Ein anderes Argument betrifft den Standort: Das neue LTE-Netz soll in einer Art Wabenstruktur quer durch die Republik ausgelegt werden. Weicht einer der Standpunkt davon ab, wird auch die Signalstärke abgeschwächt. Wo eine Antenne steht oder nicht, ist also längst entschieden.

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Um tatsächlich etwas tun zu können, müssten die Grenzwerte für die Strahlenbelastung überschritten sein. „Das ist bei uns aber nicht mal ansatzweise der Fall. Wir liegen meist sogar bei einem Tausendstel der gesetzlichen Maximalwerte“, sagte Metz. Um die Strahlenbelastung berechnen zu lassen, gibt Stadtbergen jedes Jahr Geld für Emissionsgutachten aus. Bislang habe es keinen Grund zum Einspruch gegeben, so Metz. Lediglich bei der wesentlich strenger gehaltenen „Stadtberger Erklärung“, die sich die Kommune selbst gegeben hat, werden die Grenzwerte teils überschritten. Auf Vorschlag von Herbert Woerlein (SPD) setzte der Ausschuss das Thema zwar auf die Liste für eines der nächsten Stadtratssitzungen, die Erfolgsaussichten für einen Einspruch scheinen aber mehr als gering.

Lediglich über den Zeitpunkt, wann die Antennen auf den Masten montiert werden, bekommt die Kommune Bescheid. Etwa zwei Wochen vorher kommt eine kurze Bestätigung, bevor ein Montageteam kommt.

Um über die Gefahren der Strahlenbelastung zu informieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, um sich davor schützen zu können, hat Metz eine Informationsveranstaltung organisiert, bei der ein Mitglied des Münchner Umweltinstituts für Fragen zur Verfügung stehen wird. Die Veranstaltung findet am 6. Juni ab 19 Uhr im Bürgersaal statt.

Hermann Krist und Horst Hohmann werden dann wohl vor Ort sein. An ihrer generellen Unzufriedenheit wird das aber wohl nichts ändern: Die beiden fühlen sich nicht ernst genommen, bislang verpufften alle Unterschriftslisten gegen neue Antennen im Nichts. „Wir hätten gerne eine Messung der Strahlenemissionen unter Vollbelastung der Antenne, damit wir das besser einschätzen können. Aber eine Bürgerbeteiligung ist hier wohl einfach nicht erwünscht“, sagt Hohmann.

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