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Landkreis Augsburg

21.10.2009

Das Märchenland erstickt im Abfall

Die Pechmarie kauft sich täglich neue Kleider und wirft die anderen weg, Rapunzels einstmals goldblonde Haare sind zum Nylon-Wäscheseil verkommen: Ein gestörtes Märchenland zeigt das Diedorfer Jugendtheater Eukitea in seiner neuesten Produktion "Bärohnearm und die 7 Müllzwerge". Von Gerald Lindner

Diedorf/Landkreis Augsburg - Die Pechmarie kauft sich täglich neue Kleider und wirft die anderen weg, Rapunzels einstmals goldblonde Haare sind zum Nylon-Wäscheseil verkommen: Ein gestörtes Märchenland zeigt das Diedorfer Jugendtheater Eukitea in seiner neuesten Produktion "Bärohnearm und die 7 Müllzwerge". Gestern wurde das Stück vorgestellt.

Erstmals hat das Ensemble für seine neue Produktion eng mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises zusammengearbeitet. Das Ziel: Grundschulkinder sollen dafür sensibilisiert werden, Müll zu vermeiden.

"Es ist heute mehr als je zuvor nötig, dass wir die knappen Ressourcen schonen. Wir müssen Kinder möglichst früh dafür gewinnen", betonte Günther Prestele Betriebsleiter der Landkreis-Abfallwirtschaft. Und über den Nachwuchs sollen auch die Eltern zu nachhaltigem Verhalten angeleitet werden. Aus diesem Grund wird das Stück in den kommenden vier Jahren in allen Grundschulen des Landkreises kostenlos gezeigt: "So soll jedes Kind, das in dieser Zeit eingeschult wird, erreicht werden."

Das Märchenland erstickt im Abfall

Unterstützt wurde Eukitea von Entsorgungs- und Recyclingunternehmen. Auch das bayerische Kultusministerium trug sein Scherflein dazu bei: 8500 Euro Zuschuss flossen aus dem Kulturfonds Bayern.

Wie bei seinen anderen Stücken nähert sich das Spielwerkteam den Kindern - bei der Uraufführung waren 75 Diedorfer Viertklässler dabei - auf Augenhöhe: Das Schulmädchen Lisa (Kathrin Müller) kann sich reichlich bedienen: Saft aus dem Tetrapak, Chips aus der Alutüte oder Müsli aus dem Karton. Und was übrig bleibt, wandert in eine große Tonne. Auch wenn ihre Großmutter (Sandra Pagany) sie inständig zum Mülltrennen anhält, für das Kind ist das kein Thema. Die Folgen ihres sorglosen Verhaltens macht Lisa schnell aus: Im Traum sieht sie den Müll, den sie mit ihren Jogurtbechern, Filzstiften, Einweg-Limonadeflaschen und Eistüten selbst verursacht hat.

Teddy aus dem Müll erscheint

Er landet im Märchenland, ebenso wie ihr alter einarmiger "Bärohnearm", den sie weggeworfen hat, weil sie sich einen schicken neuen Teddy aus dem Spielzeuggeschäft wünscht.

Schlecht geht's auch dem Wolf. Da die Wälder für die Papierproduktion abgeholzt wurden, hat er kein Versteck mehr, Rotkäppchen kommt nicht - so schlingt er den Abfall hinunter. Verstopfung, Übelkeit und Durchfall plagen ihn daher.

Erst Rapunzel schickt die kleine Lisa zu den sieben Müllzwergen: Diese haben erkannt, dass Wertstoffe zu kostbar sind, um sie achtlos wegzuwerfen und verwenden sie wieder. Ein Beispiel, das Lisa nachmacht, als sie wieder aufwacht. Und auch für ihren einarmigen Teddy gibt's ein Happy-End: Sie holt ihn aus der Tonne und näht ihm den fehlenden Arm wieder an.

Künstlerischer Leiter Stephan Eckl entwickelte gemeinsam mit Abfallberaterin Helga Thalmann-Schwarz und Regisseur Giorgio Buraggi ein trotz hin und wieder spürbarem pädagogischen Zeigefinger unterhaltsames Stück. Wesentlich zum Erfolg trägt Sandra Pagany bei, die mit hinreißender Spielfreude in viele Rollen schlüpft - vom Wolf bis zur Großmutter und jedem der von Michael Gleich detailfreudig aus Verpackungen gestalteten Zwerge eine eigene Stimme verleiht. Die restliche Ausstattung des Stücks ist konsequenterweise aus Altmaterial, Kisten und Möbeln recycelt.

Eukitea-Hauskomponist Fred Burger gibt den Kindern einen Ohrwurm mit auf den Weg: Begeistert rappen sie "Erster Rat ist Müll vermeiden, zweiter Rat ist wiederverwenden, dritter Rat ist Recycling."

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