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Gersthofen

25.12.2020

Das Wasser und das Loch beschäftigen die Gersthofer

Was wird aus dem "Loch" in der Mitte Gersthofens?
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Plus Baustellen, Wasserprobleme, Kommunalwahl: Das war 2020 in Gersthofen, Gablingen und Langweid los. Ein Jahresrückblick.

Seit Jahren ringt die Stadt Gersthofen um eine Weiterentwicklung des Stadtzentrums. Gut zehn Jahre gibt’s nun schon das „Gersthofer Loch“ an der Bahnhofstraße/Donauwörther Straße. Mit mehreren Investoren, denen das 7000 Quadratmeter große Areal gehörte, konnte keine Einigung über eine Bebauung erzielt werden. Anfang des Jahres schuf die Stadt nun neue Tatsachen.

Sie kaufte das jetzt „Potenzialfläche“ genannte Grundstück für circa 20 Millionen Euro. Nun soll dort nach derzeitigen Plänen ein Stadtpark entstehen. Der Vorschlag, dort zeitweise den Gersthofer Festplatz unterzubringen, fand aber keine Mehrheit im Stadtrat. Der bisherige Festplatz fällt 2021 weg, weil dort der Neubau des Paul-Klee-Gymnasiums errichtet wird. Nun soll das Festgelände nördlich der Thyssenstraße unmittelbar beim Verkehrsknoten Gersthofen Nord entstehen.

Die Bahnhofstraße soll zwischen der Einfahrt zur Tiefgarage des City-Centers und der Strasser-Kreuzung für den Durchgangsverkehr gesperrt werden und nur noch Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung stehen. Im November wurde dann auch ein Vorschlag vorgestellt, wie sich des an der Hauptverkehrsachse machen lässt: Die Autos sollen über die parallel verlaufende Ludwig-Thoma-Straße bis zur Schulstraße und weiter bis zur Donauwörther Straße geleitet werden. Dieser Vorschlag hat aber einen Haken, denn diese Straße ist für eine solche Nutzung nicht breit genug. Die Stadt müsste Grund kaufen, unter anderen auch von der Polizei.

Im November gab’s dann eine weitere Nachricht, von der sich Bürgermeister Michael Wörle positive Einflüsse auf das künftige Stadtzentrum erhofft: Das Einkaufszentrum City-Center im Herzen von Gersthofen wird verkauft. Neuer Eigentümer wird die BS Wohnbau GmbH aus Pullach. Das bestätigte deren Geschäftsführer Bernd Schwarz. Er erwirbt nach eigenen Angaben die Ladenpassagen und das Parkplatzgrundstück von der VIB Immobilien in Neuburg/Donau.

Schwarz war in Gersthofen bereits zuvor als Käufer des alten Praktiker-Geländes maßgeblich am großen Wohnbau-Projekt „Römertor“ beteiligt, für welches er zur Realisierung die ZIMA mit ins Boot holte. Nun wird Schwarz mit dem City-Center erneut Partner der Stadt. Gemeinsam mit dieser wolle er das Projekt einer neuen Mitte für Gersthofen zu einem Erfolg machen und zu einer Revitalisierung der Innenstadt beitragen.

Leitungswasser muss in Gersthofen gechlort werden

Nach wie vor muss das Leitungswasser in Gersthofen gechlort werden. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Fest steht nur: Ab 2021 wird das Wasser für die Gersthofer deutlich teurer.

Im Oktober 2019 hatte das Gesundheitsamt verfügt, dass das Trinkwasser gechlort werden muss, nachdem im August coliforme Keime darin entdeckt worden waren.

Anfang 2020 wurde das Trinkwassernetz sieben Wochen lang gespült. Im Laufe des Jahres wurde am Leitungsnetz gearbeitet und kontrolliert, ob die Hausanschlüsse auf dem aktuellen Stand der Technik sind. Für Verärgerung sorgte bei den Bürgern die Aufforderung, dass bis zum Jahresende 2020 alle Hausanschlüsse mit Ventilen ausgestattet werden, die ein Zurücklaufen des Wassers aus den Häusern in das städtische Leitungsnetz verhindern. So soll vermieden werden, dass von außen Verschmutzungen in das Wasser gelangen. Die Handwerksbetriebe konnten den dadurch entstehenden Bedarf gar nicht decken. Dazu gab’s im November eine weitere schlechte Nachricht: Die Gersthofer werden ab dem kommenden Jahr wahrscheinlich deutlich mehr für Wasser bezahlen.

Der Preis pro Kubikmeter Wasser beträgt momentan 91 Cent. Das ist im Vergleich zu anderen Kommunen sehr günstig. Zum kommenden Jahr solle dieser Preis deutlich steigen, machte Stadtwerke-Geschäftsführer Bernhard Schinzel im Werkausschuss deutlich. 68 Cent mehr soll der Kubikmeter Wasser zwischen 2021 und 2024 kosten. Das würde eine Steigerung um fast 75 Prozent bedeuten. Grund für die Anhebung sind teure Maßnahmen zur Sanierung des in die Jahre gekommenen Leitungsnetzes sowie die Kosten für die Chlorung.

Noch mehr Gewerbeflächen für Langweid

Eine Gemeinde blüht und gedeiht: Einen ungebrochenen Bedarf an Gewerbeflächen verzeichnete die Gemeinde Langweid auch in diesem Jahr. Im November summierte sich dieser Bedarf nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Gilg auf rund zehn Hektar.

Deswegen sollen im Gewerbegebiet Langweid-Nord entsprechende Flächen ausgewiesen werden. Ein großes Projekt ist derzeit in der konkreten Planung: In Langweid-Foret soll ein Wartungsstützpunkt für Schienenfahrzeuge entstehen. Die blauen Züge, die für das britische Unternehmen Go-Ahead ab Ende 2021 Verbindungen in Bayern übernehmen werden, sollen dort gewartet werden.

Der Start in den Neubau der Mittelschule in Langweid wurde 2020 mit 150.000 Euro gemacht. Insgesamt sind 3,9 Millionen Euro für das Vorhaben bis 2023 eingeplant.

Noch ein Kreisverkehr für Langweid: Zum Schuljahresbeginn wurde die neue Bahnunterführung mit Kreisverkehr eröffnet. Die Unterführung ist nun für Autos zweispurig befahrbar. Außerdem gibt es einen erhöhten Geh- und Radweg, der von der Gemeinde gewünscht wurde und mehr Sicherheit bringen soll. Der Kreisverkehr verbindet nun das südliche Ende der Flurstraße mit der Schmuttertalstraße. Rund eineinhalb Jahre wurde daran gebaut.

Die eigentliche Baustelle, das Brückenbauwerk, ging von der Bahn aus. Die Gemeinde hängte sich mit dem Bau des Kreisverkehrs zur Schmuttertalstraße an. Beides zusammen kostete rund 6,4 Millionen Euro. Davon flossen rund 2,3 Millionen Euro an Zuschüssen.

Der Bahnhof Langweid.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Neue Nutzung für den mehr als 100 Jahre alten Bahnhof in Langweid: Über 500.000 Euro und zwei Jahre Arbeit haben die Renovierungsarbeiten gekostet. Die Gemeinde hatte das Gebäude gekauft, um eine unerwünschte Nutzung zu verhindern. Gepachtet wurde es von Benedikt Gleich, dem Gründer des Online-Buchhändlers buch7. Entstanden ist ein Kulturbahnhof mit Bio-Café und kleiner Buchhandlung.

Die Corona-Pandemie als Chance nutzte das Lechmuseum in Langweid, das ja zur Keimzelle des Augsburger Unesco-Welterbes gehört. Die Ausstellung im Museum und das dazugehörige Taschenbuch wurden in der Zeit, als das Museum schließen musste, aktualisiert.

Neue Bürgermeisterin für Gablingen

In Gablingen war der bisherige Amtsinhaber Karl Hörmann nicht mehr angetreten. Seine bisherige Stellvertreterin Karina Ruf ( CSU) trat gegen den früheren Gersthofer Bürgermeister Jürgen Schantin (CSM) und Günther Reichherzer (FW) an. Sie holte 38,9 Prozent der Stimmen, Schantin 36,3 Prozent. Die Stichwahl gewann Karina Ruf schließlich mit 50,6 Prozent der abgegebenen Stimmen.

In Gersthofen musste sich Amtsinhaber Michael Wörle (parteilos) gleich vier Gegenkandidaten stellen: Max Poppe (CSU), Sigrid Steiner (W.I.R.), Albert Kaps (Pro Gersthofen) sowie Markus Brem (BewegungZukunft). In die Stichwahl zogen Wörle und Max Poppe ein. Michael Wörle wurde dabei mit 53,0 Prozent der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

Absolut konkurrenzlos hingegen war Langweids Bürgermeister Jürgen Gilg (CSU). Denn die Parteien und Gruppierungen hatten sich im Vorfeld darauf geeinigt, keine Gegenkandidaten ins Rennen zu schicken. Einzige Bedingung: Jürgen Gilg durfte nicht auf der CSU-Liste kandidieren, sondern nur als Bürgermeister.

Gablingen und seine Mühe mit dem Verkehr

Vom Ortszentrum bis zum Verkehr: Vielfältig waren die Themen, welche die Menschen in Gablingen in diesem Jahr beschäftigten. Viel Stoff für Diskussionen bot weiter das Gablinger Ortszentrum. Im März 2019 beschloss der Gemeinderat, 5500 Quadratmeter an einen Investor zu verkaufen. Im Januar diesen Jahres wurde dann ein Bürgerbegehren gegen den Verkauf ins Leben gerufen. Es war erfolgreich. Nun sollen die Planungen noch einmal ganz von vorne aufgerollt werden.

Ein Verkehrsthema, das in Gablingen immer wieder diskutiert wurde, ist der geplante Ausbau der Staatsstraße 2036 in Richtung zwischen Holzhausen und Emersacker. Dieser erscheint nicht nur den Gablingern als zu massiv und zu großer Eingriff in die Natur. Nicht zuletzt mit einer Petition an den Bayerischen Landtag konnte erreicht werden, dass ein neues Planfeststellungsverfahren abgehalten wird, bei welchem das Staatliche Bauamt Augsburg als Bauherr Nachbesserungen einplanen soll. Dieses Verfahren soll voraussichtlich Anfang 2021 stattfinden.

Weil unter anderem in Gersthofen Probleme mit dem Trinkwasser aufgetreten waren, ließ der Gemeinderat auch das Gablinger Netz prüfen. Das Ergebnis wurde im Oktober vorgestellt: So sollen die beiden Behälter im Wasserturm räumlich getrennt und die Entlüftung der Anlagen auf neuesten Stand gebracht werden. Nun soll ein externer Berater engagiert werden, der die Verantwortung für die Wasserversorgung übernimmt. Einstimmig entschied sich der Gemeinderat in Gablingen dafür, den Austausch der Leuchtmittel für die Straßenbeleuchtung in allen Ortsteilen voranzutreiben. Das Ziel ist, dass 84 Prozent aller Lampen mit LEDs funktionieren. Bisher scheinen schon 62 Prozent der Lampen klar weiß und nicht mehr gelblich. Durch die Umstellung erhofft sich die Gemeinde eine Einsparung von 1455 Euro Stromkosten im Jahr.

Gablingen wird die Förderung des Freiwilligenzentrums fortsetzten und hat außerdem beschlossen, falls nötig, mehr Geld zu investieren. Bisher hat die Gemeinde jährlich 10.000 Euro beigetragen. Der Gesamtetat des Freiwilligenzentrums belief sich letztes Jahr auf über 37.000 Euro.

Mit einer weitreichenden Ausweisung von Tempo-30-Bereichen will die Gemeinde Raser im Ortsgebiet von Lützelburg ausbremsen. Nun soll nach dem Willen von Bürgermeisterin Karina Ruf die Gemeinde der kommunalen Verkehrsüberwachung beitreten. (AZ)

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