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Nordendorf

23.10.2016

Das letzte Rätsel des alten Schlosses wird bald gelöst

Idylle im Schlosshof: Dr. Peter Marwick mit seinen Hunden Vito und Tessa (verdeckt im Hintergrund).
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Idylle im Schlosshof: Dr. Peter Marwick mit seinen Hunden Vito und Tessa (verdeckt im Hintergrund).
Bild: Foto: Marcus Merk

Wo einst die Fugger residierten, haben sich Gisela und Peter Mawick eine Heimat geschaffen. Die bleibt normalerweise vor neugierigen Blicken verschlossen

Ein großes weißes Tor verrät, dass es hier wohl zu der Familie gehen muss, die aktuell Inhaber des Nordendorfer Schlosses ist. Und so ist es auch. Hinter dem Tor hört man bereits Schritte. Sie gehören zu Dr. Peter Mawick, der das unverschlossene Tor öffnet und seine „Oase“ präsentiert. Und wahrlich eröffnet sich hinter dem weißen Tor, das von beiden Seiten vom bekannten, gelben Gemäuer des Nordendorfer Schlosses eingerahmt ist, eben das: eine ganz andere Welt. Ein großer Innenhof mit Brunnen und Sitzgelegenheit sowie ein noch größerer Park stellen die Oase von Dr. Peter Mawick und seiner Frau dar. Diesen Anblick jedoch kennen nur die Wenigsten.

„Für die Nordendorfer ist es das Zentrum des Ortes – ich halte es für die grüne Lunge im Ort“, erklärt Dr. Peter Mawick. Nur: Hinter das Tor oder über die Mauer, die das Anwesen ganz im Stil der Fugger umgibt, haben bisher nur wenige Menschen geblickt. Und dafür gibt es einen einfachen Grund: „Es ist privat.“ Das Tor ist geschlossen, aber nicht verschlossen.

Ab und an bekommt der Schlossherr, der sich ganz und gar nicht als solcher versteht, Anfragen von Touristen, die sich das Anwesen im Rahmen ihrer Fuggertour ansehen wollen. Den Interessierten der Historie und der Kunst zeigt er den Garten, den Brunnen und die Überreste des Schlosses gerne. Dann verrät er auch: „Das eigentliche Schloss wurde bereits 1870 abgebrochen.“ Es habe in dem Park gestanden, der heute von großen Bäumen gesäumt ist und mit Kastanienbäumen, die über 250 Jahre alt sind, und mächtigen Ahornbäumen für ein ganz besonderes Mikroklima für die Bewohner und die Nordendorfer sorgt.

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Was heute noch erhalten ist und als „Nordendorfer Schloss“ bekannt ist, ist eigentlich das Vorschloss. Das L-förmige Gebäude, das etwa zehn auf 20 Meter misst, erstreckt sich entlang der Hauptstraße im Ort. Dass es heute in derart schönem Glanz erstrahlt und technisch moderne Wohnräume für das Ehepaar Mawick und weitere Familien umfasst, ist nicht zuletzt das Werk von Dr. Peter Mawick und seiner Ehefrau Gisela. Er hat den Trakt, der von Osten nach Westen verläuft, einst in Eigenregie verbreitert und damit letztlich bewohnbar gemacht.

Gemeinsam mit einem Architekten konnte er das ehemalige Vorschloss unter den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde renovieren und auch die Renaissance-Fassade wieder in ihrem heutigen Glanz herstellen. Die Weichen dafür stellte einst Medizinalrat Dr. Josef Fuchsberger, der Großvater von Dr. Mawicks Ehefrau Gisela, der das Anwesen im Jahr 1906 erwarb. Seit diesem Jahr ist das Anwesen wieder für längere Zeit im Besitz einer Familie.

Die Jahre zwischen der letzten Fuggerin auf Schloss Nordendorf und der Familie Fuchsberger waren gezeichnet von mehr als einem Dutzend verschiedener Eigentümer. Bereits nach dem Verkauf der Fugger an die Grafen von Fischler-Treuberg (die auch den Gebäudekomplex von Kloster Holzen erwarben), begann eine Zeit der ständigen Eigentümerwechsel. „Viele hatten die Idee, hier schnelles Geld zu machen“, erklärt Mawick mit Blick auf seine Aufzeichnungen. Alle paar Jahre wechselte das Anwesen seinen Besitzer – manchmal war der Verkauf verlustreich, manchmal jedoch wurde das Anwesen durchaus gewinnbringend verkauft. „Jeder hat hier etwas Antiquarisches herausgeschleppt“, berichtet Mawick mit Blick auf historische Überlieferungen.

Seit über einem Jahrhundert ist nun - mit Blick auf die Eigentümersituation - Ruhe eingekehrt. Vor 36 Jahren zog Dr. Peter Mawick mit seiner Frau von Frankfurt nach Nordendorf und begann das Anwesen herzurichten. Ein Teil fungierte als Firmensitz seines einstigen Maschinenbau-Betriebs. Auch sicherte er sich dagegen ab, dass das Gelände einmal als Baugebiet ausgewiesen werden kann. Natürlich hat er sich genau mit dem historischen Hintergrund seines Wohnsitzes auseinandergesetzt - und tut dies bis heute. Vieles konnte schon rekonstruiert wird. Nur ein Geheimnis konnte Dr. Peter Mawick noch nicht lüften: Was hat es mit dem Philipps Schlösschen auf sich, das gerade einmal zwölf auf zwölf Meter misst?

Den Recherchen von Wolfgang Thomer, einem pensionierten Lehrer, verdankt Dr. Peter Mawick die Erkenntnis, dass unter der Familie Fugger das Philipps Schlösschen bewohnt gewesen sein muss.

Familie Treuberg baute es zur Kapelle um, da die Kapelle im großen Schloss nicht mehr existierte. Später sei dieser Gebäudetrakt, der den nördlichsten Teil der Nord-Süd-Achse des Gebäudes bildet, sogar als Kapelle genutzt wurden.

Bereits im 13. Jahrhundert war die Rede von einem Steinhäuschen, was die Idee nahelegt, dass das Philipps Schlösschen eines der ältesten Gebäude überhaupt sein muss. Noch heute ist es als Kapelle hergerichtet, wird aber nicht als solche genutzt. Mittlerweile liegen Wolfgang Thomer alte Kaufverträge vor, verrät der Hausherr und folgert: „Des Rätsels Lösung liegt nahe.“

Mit der Geschichte des Phillips Schlösschens könnte Dr. Peter Mawick eben dieses letzte Rätsel lösen, das sich um das Nordendorfer Schloss rankt. Auch könnte so geklärt werden, wie alt der Haustrakt ist, der heute von Familie Mawick bewohnt wird, denn auch diese Information steht nirgends geschrieben. Dr. Peter Mawick und seine Ehefrau Gisela hoffen, das Schloss Nordendorf eines Tages in gute, historisch interessierte Hände übergeben zu können, damit das sehr gepflegte Anwesen auch in einigen hundert Jahren noch von einer der bedeutendsten Familien des Mittelalters erzählen kann. Wie oft der neue Besitzer das Tor dann für Interessierte öffnet? Dieses Rätsel bleibt.

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