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Stadtbergen

05.06.2019

Das letzte Stündlein des alten Pfarrhofs schlägt

Seit über neun Jahren steht der alte Pfarrhof an der Bauernstraße in Stadtbergen leer. Bürger hatten sich für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt. Nun haben die Abrissarbeiten begonnen.
Bild: Andreas Lode

Jahrelang steht das Gebäude an der Bauernstraße leer. Nun sind die Abrissarbeiten im vollen Gang. Ein neues Bauvorhaben soll die Lücke im Ortskern schließen

Schutt und Ziegel türmen sich im ehemaligen Pfarrgarten. Ein Bagger reißt Stück für Stück das alte Pfarrhaus an der Bauernstraße in Stadtbergen nieder. Jahrelang hatten sich Bürger für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt. Auch die Stadt verhandelte mit dem Katholischen Pfründestiftungsverbund Sankt Ulrich, dem das Grundstück gehört – vergeblich.

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Denn das Gebäude war nicht mehr zu retten. Wie die Pfarreiengemeinschaft Stadtbergen auf Anfrage mitteilt stand der Pfarrhof neun Jahre lang leer. Immer wieder hätten sich Interessierte gemeldet, um das Haus zu mieten oder zu kaufen. Doch seit Minustemperaturen die Leitungen und Heizungen zum Bersten gebracht hatten und ein schwerer Wasserschaden entstand, war das Haus unbewohnbar.

Am Dienstag hat der Abriss der Außenmauern begonnen. In etwa zwei Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, teilt das Bistum Augsburg mit. Dann klafft ein Loch im Ortskern von Stadtbergen. Allerdings nicht allzu lange. Denn schon Mitte August soll mit dem Bau von zwei Mehrfamilienhäusern begonnen werden.

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Die Mitglieder wünschten sich eine Begegnungsstätte

Eine erste Anfrage zur Neubebauung des Grundstücks stellte die Kirchenstiftung 2010. Zwei Jahre später gründeten Bürger eine Interessensgemeinschaft zur Erhaltung und Entwicklung des Stadtberger Ortskerns. Die Mitglieder wünschten sich, dass aus dem alten Pfarrhaus eine Begegnungsstätte wird. Unter Beteiligung der Bürger ließ die Stadt 2013 ein Gesamtkonzept zur Umgestaltung des Ortskerns erstellen. 

In einem ersten Entwurf hieß es damals, der Pfarrhof soll erhalten werden, aber mithilfe einer Terrasse einen größeren Parkcharakter bekommen. Denn eines machten die Stadtberger damals deutlich: sie wünschten sich mehr öffentliche Grünflächen, erinnert sich Stadtbaumeister Ulrich Lange. „Außerdem war es der Wunsch mehrere Bürger, den Pfarrhof als historisches Gebäude zu erhalten“, sagt Lange. Später schwebte den Planern ein Kulturzentrum vor. Doch als Eigentümer habe die Stiftung von Anfang an auf einen Neubau gesetzt, sagt Lange.

„Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz“

Den ersten Vorschlag, auf dem Grundstück an der Bauernstraße drei Mehrfamilienhäuser zu errichten, lehnte der Bauausschuss ab. Erst nach längeren Diskussionen und mehreren Änderungsvorschlägen stimmten die Mitglieder im September vergangenen Jahres dem Abriss des Pfarrhofes und einem Neubau zu. „Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz“, sagt Stadtbaumeister Ulrich Lange. In einem solchen Fall könne die Stadt den Eigentümer nicht zwingen, das Gebäude zu erhalten. Zwar habe es Verhandlungen zwischen der Stadt und der Kirche gegeben. „Aber es war schnell klar, dass es keinen Sinn hat, das Gebäude zu erhalten“, sagt Lange. Auch er nennt als Grund die schlechte Bausubstanz.

Auf dem großen Grundstück, das sich von der Bauernstraße bis zur Straße Am Graben erstreckt, sollen nun zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage und mindestens 15 Wohnungen entstehen. Ein Gebäude soll an der Stelle des ehemaligen Pfarrhofs gebaut werden, das andere östlich auf dem Grundstück an der Straße Am Graben. Mit zwei Geschossen und einem Dachgeschoss sollen sich die Neubauten in die Umgebung einfügen. Bauherr ist nach Angaben von Stadtbaumeister Ulrich Lange das Ulrichswerk der Diözese Augsburg. Wie das Bistum Augsburg mitteilt, soll der Neubau Anfang 2021 fertiggestellt sein.

Damit ein Teil des ehemaligen Pfarrgartens erhalten bleibt, verhandelte die Stadt mit dem Katholischen Pfründestiftungsverbund Sankt Ulrich. Das Ergebnis: Die Grünfläche zwischen den beiden Gebäuden soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein und von Stadtberger Bürgern genutzt werden können.

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