Gersthofen

01.08.2014

Das verlorene Stadtfest

Lang ist’s her: Bieranstich zum Stadtfest Gersthofen mit Riegele-Chef Sebastian Priller, dem Abgeordneten Johannes Hintersberger, Stadtrat Albert Heckl, Bürgermeister double Robby Strempfl, Angelika Kempter, dem inzwischen verstorbenen Festwirt Alois Binswanger, Bürgermeister Siegfried Deffner und seinem Vize Karl Heinz Wagner.

Boxer, Big-Bands und Horst Seehofer: Sie alle konnten die Veranstaltung auf Dauer nicht retten

Obwohl es sich um kein rundes Jubiläum handelt, erinnert sich die Stadt Gersthofen in diesem Jahr dennoch an die Stadterhebung im Jahr 1969. 45 Jahre liegt dieses herausragende kommunale Ereignis nunmehr zurück. Nicht überdauert hat diese bisherige Zeit allerdings das „Gersthofer Stadtfest“. Dieses Fest wurde zwar damals eigens dafür geschaffen, um in der Folge einmal im Jahr in Feierlaune ausgiebig an die Stadterhebung vom 7. Juni 1969 zu erinnern.

Ursprünglich als Sommerfest gedacht, endete das „Gersthofer Stadtfest“ dann weit weg vom Ursprungsgedanken bei eisiger Wetterlage am 13. Februar 2005. Das zwischenzeitliche „Volksfest im Winter“ lief zum Schluss unter der Bezeichnung „Gersthofer Faschings- und Stadtfest“. Die Faschingsfreunde erinnern sich dabei noch gerne an „Binsi‘s Narrenhalle“. Dort nahmen viele Faschingszüge mit den legendären Zugvogelbällen ihren Abschluss.

Die Stadtfeste fanden bis 1981 auf dem Festplatz hinter dem Rathaus, dann mit der Festplatzverlagerung ab 1982 auf dem Gelände an der Schubertstraße statt. Bis Ende der 1980er Jahre hatte das Stadtfest Termine im Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juni. Dann häuften sich Terminprobleme der Schausteller und der Festwirte, man ging Terminüberschneidungen mit großen Sportereignissen aus dem Weg, aber auch Zusammenlegungen mit anderen Veranstaltungen, wie Gewerbeschauen und Vereinsjubiläen, waren die Ursache für die unregelmäßigen Stadtfesttermine.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aber nicht nur mit Terminproblemen allein war das Gersthofer Stadtfest behaftet. Es gab da auch Feste, da spielte das Wetter total verrückt. So blieben die Gäste zum Leidwesen des Festwirts und der Schausteller entweder wegen tropischen Temperaturen oder wegen einer total verregneten Festwoche aus.

Im 1994 griff die Stadt Gersthofen tief in den Stadtsäckel und verpflichtete als besonderes Schmankerl aus Anlass „25 Jahre Stadterhebung“ Bandleader Günter Noris mit seiner Bundeswehr Bigband zu einem Auftritt. Strahlendes Sommerwetter lockte allerdings nur „mehrere hundert Menschen“ in das 3000 Besucher fassende Festzelt zum typischen Günter-Noris-Sound.

Auch Boxkämpfe gehörten früher zum Unterhaltungsprogramm während der Stadtfeste. 1984 brandete tosender Beifall von fast zweitausend Boxsportfans auf, als Superschwergewichtler Peter Hussing wie ein Gladiator sich durch die engen Reihen der Biertische zwängte. Hussing war damals als Europameister und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in München, Deutschland‘s bester und populärster Amateurboxer. Gegner von Hussing (36 Jahre alt) war Bernd Schwab (25) als Polizei-Europameister. Peter Hussing war im Ring ein „feiner Kerl“ und beendete den Kampf „nur“ mit einem Punktsieg. Weil aber die Zuschauer von Hussing unbedingt einen K.-o-Sieg sehen wollten, gab es für ihn von den Boxsportfans ein gellendes Pfeifkonzert.

1998 wurde das zunehmend kränklende Stadtfest dann in den Winter verlegt, am 27. Februar war die Eröffnung. Von nun fiel die Sause mit dem Faschingsendpurt zusammen, doch das rettete sie auch nicht. Oft lagen Festzelt und Freigelände mehr oder weniger verwaist da - es war einfach zu kalt. „Weil kein Geld mehr zu verdienen war“ kündigten schließlich die Betreiber von Buden und Fahrgeschäften mit Ende des Stadtfestes 2005 ihre weitere Mitwirkung auf. „Ohne Schausteller macht das Stadtfest keinen Sinn“, so der damalige Festwirt Alois Binswanger. Damit erledigte sich auch die Frage nach einem weiteren Zeltbetrieb. Dies bedeutete somit für die Faschingsgesellschaft Lechana auch das Aus für die Festabende nach den Faschingsumzügen. Auch die Zeltveranstaltungen zum „Politischen Aschermittwoch“ mit Politgrößen wie Horst Seehofer konnten nicht mehr fortgeführt werden.

Dagegen hat sich die Gersthofer Kirchweih als Folge der Markterhebungsfeier im Jahr 1950 als Fest behauptet. Am 10. Oktober heißt es bei diesem Traditionsvolksfest dann wieder, heuer zum 64. Mal, „O´zapft is“.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20MMA_0151.tif
Rommelsried

Keime in Trinkwasser: Die Suche nach der Ursache läuft

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden