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Gersthofen

12.05.2020

Dekanatskantorin Elisabeth Kaiser erhält hohe Auszeichnung

Kirchenmusikerin aus vollem Herzen Beim ersten Gottesdienst der Bekenntniskirche Gersthofen bekam die Kirchenmusikerin Elisabeth Kaiser von Stadtdekan Michael Thoma den Ehrentitel Kirchenmusikdirektorin verliehen.
Bild: Diana Zapf-Deniz

Plus Elisabeth Kaiser ist Dekanatskantorin. Für ihre Verdienste im Dekanat Augsburg wurde ihr in Gersthofen der Ehrentitel Kirchenmusikdirektorin verliehen.

Kirche ohne Musik ist unvorstellbar. Umso wichtiger, dass es Kirchenmusiker gibt. Am vergangenen Sonntag Kantate wurde in der evangelischen Bekenntniskirche in Gersthofen nicht nur der erste Gottesdienst während der Corona-Krise gefeiert. Elisabeth Kaiser bekam für ihre Verdienste den Ehrentitel Kirchenmusikdirektorin verliehen. Damit ist sie eine von insgesamt vier Ausgezeichneten in diesem Jahr in Bayern.

Stadtdekan Michael Thoma überreichte ihr die Urkunde des Landeskirchenrats der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. „Der Titel zeigt, dass ihr Wirken über die Grenzen des Dekanats hinaus strahlt“, so Thoma. „Sie gestalten die Kirchenmusik im Dekanat Augsburg, organisieren die Treffen aller Kirchenmusiker, führen die Kinder hin zu Gesang und Orgel und sind im Dekanat unterwegs zu Unterricht und Gottesdienst.“ Seit 2011 ist Kaiser geschäftsführende Dekanatskantorin für den Dekanatsbezirk Augsburg und Kantorin in Gersthofen, der Zweigstelle der Evangelischen Singschule Augsburg.

30 Jahre Kantorin in Berlin

Zuvor war Kaiser von 1980 an 30 Jahre als Kantorin in Berlin tätig. Davon 15 Jahre an der Gethsemanekirche im Ortsteil Prenzlauer Berg, wo 1989 die Friedliche Revolution stattfand und der Mauerfall seinen Lauf nahm. In Berlin stampfte sie damals unter DDR-Bedingungen eine Musikschule mit rund 200 jungen Sängern aus dem Boden.

Geboren wurde sie am 20. Mai 1958 in Erfurt, als Tochter des bekannten Kirchenmusikers Gerhard Häußler. Dieser schrieb die Melodie des Liedes „Brich dem Hungrigen dein Brot“ und steht im großen „Wer ist wer im Gesangbuch?“ direkt hinter Georg Friedrich Händel.

Wie ihrem Vater schon ist Kaiser die Arbeit mit Kindern wichtig. „Mit Sensibilität, einem besonderen Gespür für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen und mit ihrer hohen fachlichen Kompetenz als Musikerin und Pädagogin haben sie die Singschularbeit aus dem Nichts aufgebaut“, so Oberkirchenrat Michael Martin in seinem zur Urkunde gehörenden Brief. Sichtlich gerührt nahm Elisabeth Kaiser die Urkunde entgegen: „Vielen Dank für alles. Ich fühle mich hier Zuhause.“

40-jähriges Dienstjubiläum steht an

Sie studierte Kirchenmusik in Halle an der Saale und danach elf Jahre Orchesterleitung bei Professor Constantin Alex. „Am 1. September habe ich mein 40-jähriges Dienstjubiläum“, erzählt die Kirchenmusikdirektorin. Zudem bereite sie so langsam ihren Ruhestand vor, den sie 2024 antreten werde. „Bis dahin gibt es noch viel zu tun, denn ich möchte für meine Nachfolger alles vorbereiten. Wenn ich gehe, soll die Struktur fertig sein.“

Gesundheitlich muss sie mit ihren Kräften haushalten. Doch ihre Vision eines Fördervereins für ihre Singschule, wie sie ihn in Berlin aufgebaut hat, sowie die Schule nach dem Vorbild im Prenzlauer Berg, möchte sie vollenden.

Elisabeth Kaiser wohnt in Langweid. Ihre beiden Söhne, die Tochter sowie das Enkelkind leben alle in Berlin. „Als Großstadtkind genieße ich es sehr, auf dem Land zu wohnen und fahre gerne mit dem Rad zur Arbeit.“ Die Kirchenmusikerin betreut rund 130 Kinder und Jugendliche in der Singschule, hat in der Kantorei einen Chor mit zwanzig Sängern sowie einen Projektchor mit etwa 70 Mitgliedern aus Augsburg Stadt und Land sowie dem Landkreis Aichach-Friedberg.

Babysingen für die Kleinsten in Gersthofen

Weiter bietet sie ein „Babysingen“ für Eltern und ihre Allerkleinsten in Augsburg und Gersthofen an.

Ihr ganz großes Herzensprojekt ist jedoch „Kinder an die Orgel“. Da sie Unterricht an der Kirchenorgel gibt, ihr der Nachwuchs gerade in diesem Bereich sehr am Herzen liegt, möchte sie, dass eine Pfeifenorgel gebaut wird und eine Kinderorgelschule entsteht. „Das Pedal soll man hoch und runter stellen können, damit die Kinder gut mit ihren Füßen rankommen“, erzählt sie. Weltweit gäbe es ihres Wissens nach keine Kinderpfeiforgel.

Die Corona-Zeit nutzt die Kirchenmusikerin intensiv: „Aktuell komme ich zu all den Dingen, wofür ich sonst viel zu wenig Zeit habe.“ Dazu gehöre, die Satzung für den Förderverein zu schreiben und den Kinderorgelbau voranzutreiben. „Außerdem komme ich endlich wieder mehr zum Üben und mich selbst Weiterbilden.“ Ihre Orgelschüler hat sie die letzten Wochen online unterrichtet und auch eine Gruppe des Kinder- und Jugendchors traf sie regelmäßig per Videounterhaltung. Ab dieser Woche wird sie ihre Orgelschüler das erste Mal seit Langem wieder sehen.

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