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Diedorf

21.07.2020

Der Bürgermeister ein Umweltsünder? Amt will Proben vom Lettenbach

In Diedorf wurde das Kehrgut auf dem Häckselplatz abgeladen und dann dort ungeschützt gelagert. Deshalb will das Wasserwirtschaftsamt jetzt Proben aus dem Lettenbach nehmen.
Bild: Marcus Merk

Plus Was von den Straßen gefegt wird, ist oft schwer belastet, auch mit Schwermetallen. In Diedorf lagert das Kehrgut bislang nicht richtig. Das könnte Folgen haben.

Was der Diedorfer Bürger im Frühsommer dieses Jahres auf dem Häckselplatz der Gemeinde beobachtet hatte, fand er doch recht seltsam. Aus dem Kehrfahrzeug der Gemeinde wurde das Kehrgut einfach auf einen Haufen auf dem Häckselplatz abgeladen und lagerte dann dort völlig ungeschützt.

Was in Diedorf passiert ist, ruft jetzt das Wasserwirtschaftsamt auf den Plan, es will Proben aus dem nahen Lettenbach nehmen. Dort könnten nämlich Auswaschungen aus dem Kehrgut gelandet sein. Je nach Jahreszeit und Kehrort können darin auch Schwermetalle oder Reste von Treibstoffen zu finden sein. Gleichzeitig sieht sich Bürgermeister Peter Högg zu Unrecht als Umweltsünder angeprangert. Das war passiert:

Ein Bürger hatte die Grünen vor Ort informiert

Der Diedorfer Bürger unterrichtete den Ortsverband der Grünen von seiner Beobachtung. Die machten sich im Juni selbst ein Bild, wie sie jetzt auf der ersten Sitzung des Umweltausschusses der Gemeinde berichteten. Deshalb fragten sie vor der Sitzung nach den entsprechenden Entsorgungsnachweisen – und wurden vertröstet.

Der Bürgermeister habe zwar betont, dass es die entsprechenden Entsorgungsnachweise gebe, berichteten sie nach der Sitzung. Sie sollten, soweit noch möglich, herausgesucht und im Rathaus zur Einsicht ausgelegt werden.

Die Probleme bei Kehrgut von der Straße sind vielfältig, erklärt das Landesamt für Umwelt: Je nach Jahreszeit ist die Zusammensetzung des Kehrichts sehr unterschiedlich. Werden im Frühjahr nicht nur Splitt und Kies, sondern auch Salzreste aufgekehrt, ist es im Sommer vor allem regelrechter Müll und im Herbst vor allem Laub.

Kehrgut versickert bei Diedorf in den Lettenbach / Wertstoffhof /
Bild: Marcus Merk

Schwierig ist, dass auch Blei, Kupfer, Zink, Mineralölwasserstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Phenole, Sulfat und Chlorid vorkommen können. Im Falle der Zwischenlagerung in Diedorf sei es möglich, dass bei Regen genau diese Stoffe aus dem ungeschützten Haufen, der inzwischen gute drei Meter hoch und bis zu acht Meter breit sei, so die Grünen, ausgeschwemmt und über einen Entwässerungsgraben über den Lettenbach direkt in die Schmutter geschwemmt werden könnten.

Wasserwirtschaftsamt will am Lettenbach beproben

Was tatsächlich im Lettenbach ankommt, das will das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Donauwörth jetzt prüfen. Bislang war dort nicht bekannt, wie das Kehrgut in Diedorf gelagert wurde. „Wir werden uns das vor Ort anschauen“, so WWA-Biologin Sophie Schumann-Beck. Sinnvoll sei eine Beprobung aber erst bei stärkerem Regen.

Diedorfs Bürgermeister Peter Högg will jetzt sofort reagieren. Die beauftragte Entsorgungsfirma soll nun das noch auf dem Häckselplatz liegende Kehrgut entsorgen und den entsprechenden Nachweis der Gemeinde vorlegen, „wie das übrigens immer passiert ist“, so der Rathauschef. Zuvor noch soll die Firma prüfen, was für eine Zusammensetzung die dort gelagerten Stoffe überhaupt haben. „Für die Zukunft werden wir uns eine andere Lösung überlegen“, so der Bürgermeister nach der Sitzung.

Es geht auch um Ärger im Gemeinderat Diedorf

Doch der Ärger in Diedorf hat noch eine andere Dimension über die mögliche Belastung für die Umwelt hinaus. Auf der Sitzung des Umweltausschusses sollte der Punkt Kehrgutentsorgung eigentlich im nicht öffentlichen Teil behandelt werden. „Warum eigentlich?“, fragte Zweiter Bürgermeister Thomas Rittel (CSU) zu Beginn der Sitzung und stellte einen Antrag auf öffentliche Diskussion. Gegen die Stimmen von WfD und Bürgermeister sprach sich die Mehrheit im Ausschuss schließlich für einen öffentlichen Austausch aus.

Nach der Sitzung ist der Bürgermeister immer noch aufgebracht. „Ich will nicht als Umweltsünder hingestellt werden, weil ich das nicht bin. Ich bin mir sicher, wir haben nichts falsch gemacht“, sagt er. Das Kehrgut werde bereits seit zehn oder 15 Jahren, möglicherweise noch länger, auf diese Weise auf dem Häckselplatz zwischengelagert.

Landratsamt: Fläche muss versiegelt sein

Die Einschätzung teilt das Landratsamt nicht. „Straßenkehricht darf ausschließlich auf befestigten, wasserundurchlässigen Flächen oder in dichten Containern zwischengelagert werden. Für die versiegelten Flächen ist der Anschluss an das Kanalnetz und eine Abwasserreinigungsanlage erforderlich“, so Behördensprecher Jens Reitlinger. Das sei mit dem Markt Diedorf auch so besprochen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Wichtig ist jetzt die Umwelt

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