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Kreis Augsburg

26.07.2018

Der Freistaat sagt Nein zur Straßenbahnlinie nach Neusäß

Die Verlängerung der Tramlinie bis zur Westheimer Straße ist zwar technisch möglich, aber das Wissenschaftsministerium lehnt die Pläne der Neusäßer ab.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Technisch wäre die Verlängerung der Tramlinie nach Neusäß machbar. Das Wissenschaftsministerium will den Platz aber als Erweiterung für die Uniklinik freihalten.

Ein aufregender Tag endete für die Stadträte in Neusäß am Dienstag mit einer Enttäuschung: Noch wenige Stunden zuvor hatte die Stadtspitze mit Ministerpräsident Markus Söder über die Herausforderungen der Uniklinik und die Verkehrsprobleme gesprochen und zuversichtlich einer guten Zusammenarbeit entgegen gesehen, da gab es abends in der Stadtratssitzung einen Dämpfer: Die Verlängerung der Tramlinie bis zur Westheimer Straße ist zwar technisch möglich, aber das Wissenschaftsministerium lehnt die Pläne der Neusässer ab. Begründung: Die Trasse führt durch die Erweiterungsflächen der Uniklinik und der Freistaat sieht sich durch die Verlängerung der Trasse bei künftigen Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt. Vereinfacht gesagt: Die Uniklinik braucht den Platz vielleicht einmal selbst.

Die Stadtwerke sollen für eine Verlängerung der Tramlinie offen sein

Wie der beauftragte Planer des Büros Herbert Heinhaus in der Sitzung erläuterte, führt die einfachste Variante westlich am Klinikum vorbei entlang der Dr. Mack-Straße und trifft neben dem Bezirkskrankenhaus auf die Westheimer Straße. Die Tram- und Bushaltestelle mit einer Wendeschleife wäre dann etwa gegenüber der Robert-Schumann-Straße, dort könnte man einen Park&Ride-Platz mit etwa 350 Stellplätzen bauen. Die Haltestelle würde die neuen Wohnanlagen auf dem Sailer- und Schusterareal fußläufig anbinden. Die Erschließung der Baustelle wäre über die Feuerwehrzufahrt möglich. Der jetzige Parkplatz für das Krankenhaus müsste allerdings verlegt werden. Diese Variante wäre auch förderfähig, das heißt die Stadt bekäme einen finanziellen Zuschuss. Theoretisch könnte man die Tramlinie dann auch noch bis zur Oskar-von-Miller-Straße verlängern. Diese Pläne seien auch mit den Stadtwerken abgesprochen, die sie grundsätzlich befürworten.

Das verwunderte Wolfgang Weiland (Freie Wähler), da Walter Casazza noch vor einigen Monaten den Plänen eher ablehnend gegenüber gestanden hätte. "Natürlich stünden uns immer noch sehr harte Verhandlungen über die Details und vor allem die Finanzierung bevor", gab Bürgermeister Richard Greiner (CSU) zu Bedenken. Der Planer bekräftigte aber, dass nach seinen Gesprächen mit den Stadtwerken man dort offen sei für die Verlängerung.

So könnte der Verlauf der neuen Straßenbahnlinie aussehen.
Bild: AZ-Infografik

Die Alternativtrassen sind laut Planer teurer und komplizierter

Negativ nahmen die Stadträte auf, dass die Buslinie 503 dann an dem neuen Haltepunkt gebrochen werden, also enden soll. "Wie sollen denn die ganzen Schüler aus den Stadtteilen in die Stadt kommen", kritisierte Hildegard Langenecker (SPD). Denn das gehe nur mit der Linie 2.

Kritisch gesehen wurde auch, dass es dann künftig drei Wendeschleifen geben soll: Am P&R-West bei Steppach, am neuen Medizin-Campus und an der Westheimer Straße. "Da wird einem ja ganz schwindlig vor lauter Wendepunkten", drückte Jörg Roehring (CSU) seine Skepsis aus.

Der Planer zeigte noch Alternativtrassen auf, die entweder an der Steppacher Straße über die Felder führt, oder über die Neusässer Straße über den ohnehin schon überlasteten Neusässer Kreisverkehr. Alle Alternativen seien komplizierter und kämen teurer.

Bürgermeister Greiner will die Gründung der Uniklinik-Gremien abwarten

Die ablehnende Haltung des Ministeriums kam bei den Stadträten nicht gut an. "Die Begründung ist recht dürftig", kritisierte Silvia Daßler (Grüne). "Der Freistaat ist hier in der Pflicht, die Verkehrsprobleme, die durch die Uniklinik entstehen, mit zu lösen." Ihr Parteikollege Dr. Michael Frey meinte, das Ministerium sei nicht "der Freistaat", vielleicht sei es gar nicht der richtige Ansprechpartner. Dr. Thomas Lampe (FDP) regte an, man solle sich noch an andere Stellen wenden, zum Beispiel das Verkehrsministerium oder die Staatskanzlei.

Die Zuständigkeiten sah Bürgermeister Richard Greiner eher als vorübergehendes Problem. "Wir sind mit unserer Studie sehr früh dran", sagte er. Derzeit sei aber das Wissenschaftsministerium für die Uniklinik der zuständige Ansprechpartner, "und dort möchte man in diesem frühen Stadium natürlich keine solch weitreichende Zusage geben", meinte er. "Wir haben mit der Machbarkeitsstudie jetzt plausibel nachgewiesen, dass die Verlängerung der Linie technisch umsetzbar wäre."

Man müsse nun abwarten, bis sich nach der Übergangsphase die Entscheidungsgremien für die Uniklinik konstituiert haben und dann nochmals einen Vorstoß machen. Auch Inge Steinmetz-Maaz (Freie Wähler) stand noch unter dem Eindruck des Söder-Besuchs und zeigte sich zuversichtlich, dass man schon eine gute Lösung finden werde. Immerhin hat Söder ja ins Goldene Buch der Stadt geschrieben: "Wir lösen alle Probleme miteinander!"

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26.07.2018

Ist das dann „unerreichbare“ For.schung?

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