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Heretsried

29.03.2018

Der Jesus mit der Perlenkette

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2 Bilder
Lidwina Huber gestaltet alte Kreuze neu. Ihr Anliegen: „Sie sollen beim Hinschauen als Erstes positive Gefühle wecken.“
Bild: Marcus Merk

Lidwina Huber rettet alte Kreuze von Flohmärkten, aus Nachlässen und vom Sperrmüll. Sie gestaltet sie ganz neu - mit Schmuck, Glitzer und knalligen Farben.

Das Kreuz ist blau, die Dornenkrone silber, und Jesus trägt ihre Hochzeits-Perlenkette: Wenn Lidwina Huber alte Kreuze neu gestaltet, dann muss manch einer wahrscheinlich zweimal hinschauen. Die knalligen Farben, Glitzer und Stoffblumen würde man so nicht auf einem Holzkreuz erwarten. Doch die Heretsriederin will dem Betrachter damit etwas sagen.

Angefangen hat ihr besonderes Hobby vor fünf Jahren. Damals spazierte sie in Welden über einen Flohmarkt und sah zwischen Töpfen und Pfannen einen Balken hervorlugen – ein altes Kreuz. „Das weckte in mir die Sehnsucht, es wieder heil zu machen“, erzählt Huber. Denn: „Alte, verschmähte und abgelegte Kreuze und Kruzifixe wecken in mir immer ein Gefühl des Bedauerns – und das Bedürfnis, diese wieder zurück in unser Leben zu bringen.“ Lidwina Huber will aus den ausrangierten Kreuzen farbenfrohe, freundliche Stücke schaffen: „Sie sollten beim Hinschauen als Erstes positive Gefühle wecken.“

Das Kreuz ist für sie ein Symbol des Lebens

Lidwina Huber ist sehr gläubig, ist im Pfarrgemeinderat, im Frauenbund und in der Seniorenarbeit aktiv. Sie hat sich intensiv mit dem christlichen Symbol beschäftigt, das nicht nur am Karfreitag im Zentrum des Glaubens steht. Das Kreuz sei im Christentum ja nie nur Marterpfahl oder Galgen, betont sie, sondern immer auch ein Symbol des Lebens: Nach dem Karfreitag kommt Ostern, nach dem Tod kommt die Auferstehung. Das Kreuz solle keine Bedrohung sein, sondern Sinnbild der Liebe und Zuversicht.

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Ihre Kreuze findet Lidwina Huber auf Flohmärkten, im Sperrmüll oder in Nachlässen. Manchmal fehlt ein Arm, oft das INRI-Schild, das Gesicht ist kaum mehr erkennbar. Zunächst einmal müssen sie gründlich mit einer Zahnbürste gereinigt werden. Erst dann geht es an die eigentliche Gestaltung. Einfach loslegen kann die Künstlerin aber nicht. Manche Kreuze liegen wochen-, ja monatelang herum. Um ein Gefühl für das Kreuz zu bekommen, meditiere sie längere Zeit über ihm. Früher oder später wisse sie dann, was aus ihm werden kann.

Die Wunden Jesu arbeitet sie besonders heraus

In ihrem Arbeitszimmer hat Lidwina Huber viele Materialien dafür gesammelt: eine Kiste mit Farben und Lacken, eine mit Werkzeugen, eine mit Stoffblüten, Glitzersteinchen und Schmuck. Immer aber ist ihr wichtig, die „Würde Jesu“ zu wahren: „Ich verwechsle Kreativität nie mit Tabubrüchen und Grenzüberschreitungen.“ Und trotz aller Farbe, allem Schönem arbeitet sie jedes Mal besonders die Wunden Jesu heraus. Denn: Der Schmerz bleibt. „Das Kreuz kann noch so schön sein – da fließt Blut. Das kann man nicht wegdiskutieren.“ Auferstehung ohne den Tod gibt es eben auch nicht.

Im Keller ihres Hauses hängen Dutzende Kreuze, die sie schon gestaltet hat, die ältesten sind 150 Jahre alt. Nun sind sie grün, blau, pink, gold. Die meisten behält Lidwina Huber für sich, einige hat sie aber auch schon verschenkt. Und im Wald zwischen Heretsried und Lauterbrunn hat sie aus einigen ihrer Kunstwerke einen Kreuzweg mit 14 Stationen gebaut, der kürzlich eingeweiht wurde.

Und zu Hause warten noch viele weitere Kreuze auf eine neue Gestaltung. Mittlerweile hat sich Hubers Hobby nämlich herumgesprochen, immer wieder bringen ihr Menschen alte Kreuze vorbei, die sie zum Beispiel in Nachlässen gefunden haben. Ein Kreuz einfach wegzuwerfen, das geht für Huber gar nicht.

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