1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Der Landkreis muss mobiler werden

Landkreis Augsburg

17.03.2019

Der Landkreis muss mobiler werden

80.000 Menschen im Landkreis pendeln jeden Tag zur Arbeit. Die meisten von ihnen steigen ins Auto.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Plus Kaum Fahrradwege und schlechte Anbindungen – die Mobilität im Augsburger Land hat Lücken. Das will der Landkreis im Dialog mit den Bürgern ändern. Was sie sich wünschen.

Harald Vogt wohnt in Ustersbach. Jeden Tag muss er mit dem Auto zur Arbeit in den Landkreis Günzburg pendeln. Eine Alternative hat er nicht. „Bei uns gibt es keine Zugverbindung“, sagt er. So wie Vogt geht es im Landkreis Augsburg vielen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Nach Angaben der Agentur für Arbeit verließen 2016 täglich 80.000 Pendler im Augsburger Land ihre Heimatgemeinde, um in die Arbeit zu fahren. Das ist etwa jeder dritte Einwohner. Die meisten von ihnen steigen ins Auto. Denn der Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen ist oft lang – zumindest mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das Fahrradnetz ist lückenhaft, die Bahn schlecht getaktet

Um die Situation zu verbessern, sucht der Landkreis im Gespräch mit den Bürgern nach Lösungen. Denn der Ausbau der Mobilität bewegt die Menschen im Landkreis. Rund 80 Interessierte kamen zum Bürgerdialog „Mobilitätskonzept“ in die Berufsschule Neusäß. Auf einer Karte konnten Bürger einzeichnen, in welchen Gebieten sie Defizite sehen, welche Lösungen sie sich wünschen und wie sie diese umsetzen würden.

Dabei zeigte sich ein klares Bild au Sicht der Nutzer: Die Bahn ist schlecht getaktet, das Fahrradnetz lückenhaft ausgebaut und die Fahrten zu den Ärzten dauern zu lange. Viele Bürger arbeiten im Stadtgebiet und beklagten die aus ihrer Sicht schlechten Busverbindung – allein 35.000 Pendler aus dem Landkreis verdienen ihr Geld in Augsburg. Aber auch die viel diskutierte Bahnverbindung zwischen Augsburg und Ulm dauert vielen Bürgern zu lange. Zudem fehlen Anschlüsse zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln oder diese seien zu knapp bemessen.

Um die Mobilität zu verbessern, nannten die Bürger auch Lösungsansätze. Sie würden die Regionalbahn, die öffentlichen Verkehrsmittel sowie das Carsharing und Fahrradwege ausbauen und besser miteinander vernetzen. Damit deckten sich die Wünsche der Bürger mit den Ansätzen des Landkreises.

Die Anforderungen an Stadt und Land unterscheiden sich

Diese stellte Christoph Gipps, Geschäftsführer des Iges Instituts vor. Das Unternehmen berät den Landkreis bei der Entwicklung eines Mobilitätskonzepts. Der Experte verwies auf die unterschiedlichen Anforderungen der stadtnahen und ländlicheren Gebiete.

Denn während städtisch geprägte Gebiete bereits an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sind, seien Menschen auf dem Land wegen fehlender Bus- und Zugverbindungen noch immer stark auf das eigene Auto angewiesen.

In stadtnahen Gebieten verfolgt der Landkreis den folgenden Ansatz: Um das eigene Auto stehen lassen zu können, müssten die Fahrradwege besser ausgebaut und der öffentliche Nahverkehr stärker vernetzt werden. Das würde auch Arbeitnehmer dazu bewegen, mit dem Fahrrad in die Arbeit zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Im Landkreis gibt es 134 Kilometer Radwege. In den vergangene fünf Jahren wurden nur sieben Kilometer gebaut.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Heinz Liebert, Stellvertretender Landrat, sagte: „Schon kleine Maßnahmen würden reichen. Zum Beispiel eine Dusche in Unternehmen und geeignete Abstellanlagen für Fahrräder.“

Für ländliche Gebiete, die nicht oder nur sehr schlecht an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden sind, könnte ein flexibles Zusatzangebot die Vernetzung verbessern. Rufbusse mit digitalen Fahrplänen und Fahrgemeinschaften könnten helfen – ähnlich dem bereits bestehenden Bürgerbus Gessertshausen.

Das Mitfahrbankerl, wie es bereits in einigen Gemeinden steht, empfiehl Experte Christoph Gipps nur bedingt. In sehr ländlichen Regionen bedürfe es an engagierten Menschen und ausreichend Verkehr, damit die Bürger nicht drei Stunden auf ihre Mitfahrgelegenheit warten müssen. Carsharing könnte hingegen funktionieren.

Uniklinik bringt neue Herausforderungen für den Landkreis mit sich

Heinz Liebert betonte, der Landkreis dürfe den Ausbau der Mobilität nicht verschlafen. Denn mit der Eröffnung der Uniklinik komme „eine Kleinstadt“ hinzu, „die bewegt werden will“. Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs sei wichtig, um die ohnehin schon verstopften Straßen und das Klima zu entlasten. „Rund 162.000 Autos sind im Landkreis zugelassen“, sagte Liebert. Damit kommt auf 1,5 Einwohner ein Auto. Aber auch ohne eigenes Auto müssten Arbeitnehmer sich bewegen können.

Die Zahl der Autos im Landkreis Augsburg nimmt zu. Fast 162.000 sind derzeit zugelassen.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

Ähnliches gelte für Schüler, wie die stellvertretende Schulleiterin der Berufsschule Neusäß, Monika Stockinger-Warm, betonte: „Wir bräuchten eine Bushaltestelle vor der Schule.“ Derzeit müssten die Schüler früher den Unterricht verlassen, um den Zug und Bus rechtzeitig zu erreichen.

Wie dringend der Ausbau der Mobilität im Augsburger Land ist, zeigte sich am Ende des Bürgerdialogs. Gabriele Schmid lebt in Ustersbach und setzt sich seit Langem für den Ausbau der ländlichen Infrastruktur ein. Sie ist sich nicht sicher, wie sie nach Hause kommen soll. „Abends ist die Verbindung nach Ustersbach sehr schlecht“, sagte sie. Für den Großteil der Besucher stellte sich diese Frage nicht. Sie kamen mit dem Auto.

Einen Kommentar zum Thema lese Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren