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Meitingen

14.12.2020

Der Meitinger Hausfrauenbund wird zum "Auslaufmodell"

Das Vorstandsteam des inzwischen aufgelösten Meitinger Hausfrauenbunds.
Bild: Peter Heider

Plus Nach seiner Auflösung in diesem Jahr blickt die Gruppierung auf ereignisreiche Zeiten zurück. Zu den Mitgliedern zählten in 40 Jahren nicht nur Frauen.

40 Jahre lang haben sie gemeinsam gestrickt, gekocht und sich miteinander ausgetauscht. Zu Spitzenzeiten waren es um die 250 Frauen, die dem Meitinger Hausfrauenbund (MHB) angehört haben. Mit 141 verbliebenen Mitgliedern, die auch aus den umliegenden Gemeinden stammen, kam es heuer nun zur Auflösung.

"Wir haben gemerkt, dass wir zum Auslaufmodell geworden sind“, so formuliert es die Vorsitzende Monika Heider. Die Frau von heute sei eben keine reine Hausfrau mehr, sondern eine "Multitasking-Frau“. Zu ihren Aufgaben zählt neben dem Haushalt und der Familie auch der Beruf; sie setze ihre Prioritäten anders als noch vor 40 Jahren. "Vereine tun sich heutzutage allgemein schwer“, meint Heider dazu und ergänzt: "Und in unserem Fall: Man braucht keinen Kochkurs mehr, der vom Hausfrauenbund angeboten wird. Ganz viele Rezepte finden sich im Internet und sind dort gut erklärt.“ Somit habe sich das Durchschnittsalter der Mitglieder von einst zwischen 30 und 50 Jahren mittlerweile auf zwischen 65 und 75 Jahre verschoben.

Kurse gemeinsam mit Meitinger Unternehmen angeboten

Nichtsdestotrotz habe man versucht, mit der Zeit zu gehen und neue Mitglieder zu locken. Monika Heider denkt zum Beispiel an Kurse mit aktuellsten Küchengeräten, die gemeinsam mit dem Meitinger Unternehmen Frey & Diessl stattgefunden haben. Auch über einen moderneren Namen für den Verbund habe man sich laut Heider Gedanken gemacht: 2013 löste sich der Meitinger Verein vom bundesweiten Dachverband und durfte sich infolgedessen nicht mehr "Deutscher Hausfrauenbund“ nennen. Man überlegte also, wie man sich künftig bezeichnen könne - und entschied sich schlussendlich für den Namen "Meitinger Hausfrauenbund“. "Der Hausfrauenbund war in Meitingen einfach ein Begriff, und viele der langjährigen Mitglieder waren zudem überzeugte Hausfrauen“, erklärt Monika Heider, die 22 Jahre lang Vorsitzende war. Es sei schlichtweg nicht einfach gewesen, einen zeitgemäßen Namen zu finden, der den Haushalt als Kernthema dennoch widerspiegelt. Und so blieb man dabei - auch, wenn jüngere Frauen häufig das Gesicht verzogen.

Aktionen wie das gesunde Pausenfrühstück organisierte der Hausfrauenbund Meitingen.
Bild: Peter Heider

Heute blickt der Verein auf ereignisreiche 40 Jahre zurück. Unter anderem erinnert sich die ehemalige Vorsitzende noch gut an das "Gesunde Pausenfrühstück“, das die Frauen an verschiedenen Schulen und Kindergärten der Gemeinde Meitingen ausgerichtet haben. Stattgefunden haben außerdem Flohmärkte für Kommunion- und Brautkleider, Modeschauen oder Kochkurse, zum Beispiel gemeinsam mit Behindertengruppen des Dominikus-Ringeisen-Werkes. Zum regelmäßigen Programm gehörte auch der Besuchsdienst im Meitinger St.-Martha-Heim rund um Organisatorin Ursula Schuster.

Waschaktionen auf dem Meitinger Rathausplatz

Zweimal organisierte der MHB außerdem Waschaktionen auf dem Rathausplatz in Meitingen, zu welchem Anlass im Freien fünf Waschmaschinen aufgebaut wurden. Ausgerechnet an einem dieser Waschtage regnete es wie aus Eimern, und so wurden die Maschinen mit Pavillons geschützt, während die Vereinsmitglieder zum Thema Waschmittel und Nachhaltigkeit berieten. Beliebt waren auch die stets gut besuchten Weihnachts- und Muttertagsfeiern im Bürgersaal Meitingen. Abgesehen davon hat der Hausfrauenbund über viele Jahre hinweg zweimal jährlich eine Marmeladen-Aktion gemeinsam mit dem Unternehmen Südzucker organisiert. In diesem Zuge kochte die Vorstandschaft jedes Mal 250 bis 300 Gläser Marmelade, die allesamt auf dem Markt in Meitingen verkauft wurden. Der Erlös wurde dann stets an ortsnahe Einrichtungen gespendet - unter anderem deshalb war der MHB bekannt für sein karitatives Engagement.

So war es nun auch der letzte Akt des Vereins, sein Kapital an verschiedene Organisationen -darunter die Tafel Meitingen und das Kinderheim Baschenegg - zu spenden. Einen Teil des Geldes hätte der Frauenbund eigentlich noch für eine letzte große Feier zur Vereinsauflösung in Anspruch genommen. "Ein solches Abschlussfest wäre unser größter Wunsch gewesen“, so Monika Heider wehmütig. Doch die Corona-Pandemie habe ihnen da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch nachholen können die Mitglieder ein solches Fest nicht mehr, weil der Verein bereits offiziell aufgelöst ist.

Freundschaften sollen weiter bestehen

Rückblickend habe man seit der Vereinsgründung 1980 eine "supertolle Zeit“ gehabt und bedauere die Auflösung sehr. Die Frauen hätten sich im Verbund stets wohl und gut aufgehoben gefühlt - so hat es Monika Heider immer empfunden. Und auch jetzt, wo sich die Wege der Mitglieder trennen, bleibt der Meitinger Frauenbund ein Stück weit erhalten: Durch Freundschaften, die weiter bestehen und zum Beispiel auch durch den Besuchsdienst im St.-Martha-Heim, der weiterhin durchgeführt wird.

Übrigens: Zum Meitinger Hausfrauenbund gehörten nicht nur Frauen, sondern auch zwei Männer. Einer davon ist Peter Heider, Ehemann der letzten Vorsitzenden Monika Heider. Diese lacht: "Für verschiedene Arbeitsvorgänge braucht man eben auch männliche Unterstützung.“

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