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Dinkelscherben

11.11.2015

Der Pfarrer nimmt sich eine Auszeit

Mit beiden Beinen auf dem Boden: Dinkelscherbens Pfarrer Benedikt Gruber half bei der Weinernte und rückte als Feuerwehrmitglied aus. Jetzt braucht er eine Auszeit. Warum er eine Sabbatzeit nimmt, ist unklar.

Der Geistliche Benedikt Gruber verlässt Dinkelscherben vorerst. Die Hintergründe sind unklar. Freunden hat er aber gesagt, was ihm zu schaffen macht

Pfarrer Benedikt Gruber nimmt sich eine mehrmonatige Auszeit – nach einem Jahr in der Pfarreiengemeinschaft Dinkelscherben. Was hinter der Entscheidung steht, ist unklar. Gruber selbst ist nicht zu erreichen. Freunde haben offenbar von ihm erfahren, dass er anonyme Drohbriefe erhalten hat. Die hätten ihm gesundheitlich zu schaffen gemacht. Bei der Polizei Anzeige gestellt hat er jedenfalls nicht. Offiziell heißt es seitens der Pressestelle des Bistums: Pfarrer Benedikt Gruber habe den zuständigen Personalreferenten gebeten, eine Sabbatzeit nehmen zu können. Diese sei ihm gewährt worden. Über die Hintergründe wird ein Mantel des Schweigens gehüllt. Auch im Pfarrbüro in Dinkelscherben ist nur zu erfahren: „Wir wollen ihm seine Zeit für sich gönnen.“

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Während der Sabbatzeit von Pfarrer Gruber übernimmt nach Auskunft des Bistums Prodekan Thomas Pfefferer die Geschäfte für die Pfarreiengemeinschaft. Er ist seit 2010 Pfarrer von Violau. Pfefferer werde in dieser Zeit auch die seelsorgliche Betreuung der Pfarreiengemeinschaft Dinkelscherben koordinieren, zu der die Pfarreien Anried, Dinkelscherben, Ettelried, Fleinhausen, Grünenbaindt und Häder gehören.

Mit der Auszeit von Gruber verliert der Landkreis einen Feuerwehr-Seelsorger. Und die Feuerwehr Dinkelscherben ein aktives Mitglied – Gruber rückte aus, wenn’s brannte. Der 36-Jährige ist auch Feuerwehrmann für die Seele: Wie berichtet, baute Gruber ein Team für die „Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte“ auf. Mittlerweile zählen im Landkreis neun Frauen und Männer zu den Helfern.

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Den Abschied auf Zeit bedauert Kreisbrandrat Alfred Zinsmeister genauso wie der evangelische Pfarrer Hans G. Strauch. „Wir arbeiten sehr gut zusammen“, sagt er. Auch seine Frau, die Gruber über die Notfallseelsorge kennt, schätze den katholischen Geistlichen. Pfarrer Strauch hatte seinen Kollegen zum Benefiz-Essen in den Landgasthof Rücklenmühle eingeladen. Daraufhin erhielt er von der Pfarrei nur eine kurze Antwort mit dem Hinweis darauf, dass Gruber die nächsten Monate außer Dienst ist. Dass ist auch der Informationsstand von Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb. An Spekulationen über die Hintergründe will er sich nicht beteiligen.

Ein Reibungspunkt könnten die Predigten des Pfarrers gewesen sein. Jedenfalls spricht das Thema Peter Kroter an. Der Kirchgänger ist Ehemann der früheren Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Ute Kroter, die Gruber als Lektorin und auch privat kennengelernt hat. „Wir waren glücklich mit ihm“, sagte sie. Peter Kroter schätzte Grubers Predigten. „Sie waren kurz und prägnant. Da hat man etwas mitnehmen können.“ Jetzt schimpft Kroter: „Ich habe dieses Pharisäertum satt.“ Pfarrer Gruber habe einen guten Freund zu Grabe getragen und auch die Enkelin getauft. „Die Seelsorge hat mir wirklich etwas gebracht“, sagt Peter Kroter. Zur Auszeit von Gruber nicht äußern möchte sich der aktuelle Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Conrad Frede. Er verweist auf die Pressestelle des Bistums. Dort sind auch die Fälle aus der jüngsten Vergangenheit bekannt, als Pfarrer für personelle Überraschungen sorgten.

In Nordendorfs beendeten Pfarrer Franz Walden und Gemeindereferentin Sabine Eltschkner ihren Dienst in der Pfarreiengemeinschaft. Der letzte Auslöser sei der Streit rund um den geplanten Einbau eines Pfarrheims in die Kirche Christkönig gewesen.

Die Pfarreiengemeinschaft Meitingen, Herbertshofen, Langenreichen hatte heuer auch Pater Johnson Puthuva verlassen – für viele völlig überraschend. Viele Gläubige vermuteten, dass er unter den vielen Anforderungen litt, die an ihn gestellt worden waren. Zu Auseinandersetzungen hatte wohl auch die Frage geführt, ob es nur eine Erstkommunionfeier in Meitingen gibt oder auch eine Feier in Herbertshofen. Puthuvas Nachfolger Gerhard Krammer hatte sich dann schnell für zwei Erstkommunionfeiern entschieden.

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