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Landkreis Augsburg

25.12.2020

Der Pflegebonus in Corona-Zeiten ist nur eine Streicheleinheit

Einen staatlichen Bonus hat es bislang für die Pflegekräfte in den Wertachkliniken nicht gegeben.
Bild: Fabian Strauch, dpa (Symbolfoto)

Plus Die Mitarbeiter in der Kranken- und Altenpflege sollen für ihren Einsatz in der Pandemie einen Bonus erhalten. Doch kommt das Geld im Augsburger Land überhaupt an?

Es waren Momente, die für Gänsehaut sorgten und so manchem Tränen in die Augen trieben. Menschen standen auf Balkonen und an den Fenstern und klatschten minutenlang Beifall. Ein Applaus, der zu Beginn der Pandemie vor allem einer Berufsgruppe galt - den Helfern in der Kranken- und Altenpflege. Schnell wurde der Ruf laut, diese Leistung auch entsprechend zu honorieren. Doch was ist aus dem versprochenen Corona-Bonus geworden? Haben im Augsburger Land die Pflegekräfte ihre versprochene Sonderzahlung überhaupt erhalten?

Mit Applaus müssen sich bislang die Pflegekräfte in den Wertachkliniken zufriedengeben. "Wir waren aufgrund der niedrigen Covid-19-Fälle im festgelegten Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Mai nicht anspruchsberechtigt", sagt Vorstand Martin Gösele. In der zweiten Covid-Welle seien die Häuser in Bobingen und Schwabmünchen zwar nunmehr massiv betroffen, "aber auch hier gibt es leider (zumindest noch) keinen Bonus". Die Wertachkliniken sind daher einen anderen Weg gegangen.

Pflegeberuf muss unabhängig von der Pandemie attraktiver gemacht werden

Statt des Pflegebonus gab es eine Sonderzahlung in Höhe von bis zu 900 Euro. "Diese ging an die Pflegekräfte der Intensivstationen, der Zentralen Notaufnahmen und der Iso-Stationen", sagt Gösele. Auch die dort tätigen Assistenzärzte und Reinigungskräfte hätten diese finanzielle Zuwendung bekommen. Grundsätzlich aber fordert Gösele, dass insbesondere der Pflegeberuf unabhängig von der Corona-Pandemie attraktiver gemacht werden muss. "Und hierzu zählt auch die Vergütung." Vor allem bei der derzeitig sehr hohen Belastungssituation halte er einen unbürokratischen Bonus für mehr als gerechtfertigt. "Ich glaube den Beschäftigten geht es nicht prioritär um die Vergütung – jedoch um die Wertschätzung ihrer unsagbar wichtigen Arbeit", betont der Vorstand. Mehr Wertschätzung ihrer Arbeit wünschen sich auch die Mitarbeiter in der Altenpflege.

Mit Applaus müssen sich bislang die Pflegekräfte in den Wertachkliniken zufriedengeben.  "
Bild: Peter Stöbich (Archiv)

"Der Pflegebonus ist zwar ausgezahlt worden", sagt Dr. Heinz Münzenrieder vom AWO-Bezirksverband Schwaben. Aber es sei ein gewaltiger Verwaltungsaufwand gewesen und die Erwartungen der Sozialverbände würden in eine andere Richtung gehen. Die einmalige Sonderzahlung in Höhe von 1000 Euro sei zwar "eine nette Streicheleinheit" gewesen. "Aber die Tarifverträge vor allem in der Altenpflege bedürfen einer dauerhaften Verbesserung." So läge der Verdienst immer noch zwischen 15 und 20 Prozent unter dem der Krankenpflege. Und selbst dort sei das Gehalt alles andere als üppig.

Ein hochmedizinischer Beruf mit enorm viel Fachwissen

Eine höhere Vergütung ist laut Münzenrieder unabdingbar, damit der Beruf auch die Wertschätzung erhalte, die er verdient. Bernhard Gattner vom Caritasverbad der Diözese kann dem nur zustimmen. "Bei der Pflege handelt es sich um einen hochmedizinischen Beruf mit enorm viel Fachwissen, der gar nicht hoch genug geschätzt werden kann", sagt er. Eine tarifliche Sonderzahlung im kommenden Jahr soll dieser Wertschätzung Ausdruck verleihen. "Je nach Einkommen wird einmalig ein Betrag von 300 Euro für die höheren Einkommensgruppen und 600 Euro für die niedrigeren Einkommen gezahlt", sagt Gattner. Dieser Bonus würde von der Caritas für alle Berufsgruppen gezahlt werden. Also unter anderem auch für die Mitarbeiter in der Verwaltung oder in den Beratungsstellen. Doch es stellt sich noch ein weiteres Problem.

"Ein höherer Tarif muss letztendlich ja auch irgendwie refinanziert werden", sagt Münzenrieder. Dieser Mehraufwand dürfe jedoch nicht auf die Heimkosten umgelegt werden, sondern müsse über die Pflegeversicherung abgesichert werden. Die Folge: "Die Beiträge würden steigen."

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