Newsticker

US-Regierung rudert zurück: Ausländische Studenten dürfen trotz Corona-Semester bleiben
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Der Poet im Fischacher Freibad

Fischach

31.08.2017

Der Poet im Fischacher Freibad

Stephan Kremer übt jeden Morgen im Fischacher Naturfreibad ein Ritual aus: Er trägt den Badegästen einen selbstverfassten Spruch oder Vers, meist verbunden mit viel Sprachwitz, vor.
Bild: Siegfried Rupprecht

Stephan Kremer begrüßt die Schwimmer jeden Morgen mit einem selbst verfassten Spruch zum Tage. Warum sein Sprachwitz so gut ankommt.

„Guten Morgen, Stephan“, schallt es mehrstimmig aus dem Schwimmteich des Naturfreibads. Die Badegäste im Wasser halten kurz inne und begrüßen herzlich den Mann auf dem Holzdeck am Beckenrand. Dieser holt ein Stück Papier hervor und trägt in Lehrermanier einen witzigen oder lustigen Morgenspruch vor.

Das Prozedere am Morgen im Fischacher Naturfreibad ist bereits Kult. Immer gegen 9 Uhr in der Früh unterhält Stephan Kremer die Schwimmer mit einem – wie er es nennt – Spruch zum Tage. Mal ist er humorvoll oder skurril, dann wieder witzig oder geistreich. Immer aber selbstverfasst.

Schon seit der Kindheit von Literatur begeistert

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Seit der Eröffnung des Bads im Jahre 2008 praktiziert der ehemalige Religionslehrer dieses Ritual. Allein in der heurigen Saison bereits rund 100-mal. Das habe sich einfach so ergeben, erzählt er. Dabei blinzeln verschmitzt seine Augen. Es seien „kleine Epigramme“, also Sinn- oder Spottgedichte. „Sie sollen unterhalten, auch mal zum Nachdenken anregen.“

Die Freude an der Literatur hat Stephan Kremer bereits in der Kindheit kennengelernt. Schon damals faszinierten ihn neben den Klassikern auch Karl Valentin, Heinz Erhardt und Christian Morgenstern. „Mein Bruder zitierte gern Joachim Ringelnatz“, berichtet er. „Schon bald konnte auch ich viele Textzeilen auswendig vortragen.“

Deren Fantasie, Witz und Stil greift Kremer auf. Aber stets mit eigenen Worten. Vorgetragen werde in „alter Lehrermanier“, erklärt er. Das heißt: Auf sein „Guten Morgen, liebe Schwimmerinnen und Schwimmer“ erfolgt ein Spruch oder Vers. Sein kurzer Vortrag entpuppt sich als liebenswerter Sprachwitz, literarischer Nonsens oder Wortspiel mit besonderer Sprachkomik. Dabei schöpft er aus Alltäglichkeiten, Zwischenmenschlichem oder Impulsen. „Darin greife ich dann schon mal die blühenden Lupinen, den Kiosk im Bad oder die Wetterlage am Eingang auf.“ Nur Politisches sei tabu, sagt er. Fast. Nur einmal habe er den amerikanischen Präsidenten Donald Trump in einem Spruch einfließen lassen, gesteht er.

Stephan Kremer ist eng mit der Kultur verbunden

Er sei ein begeisterter Leser. Derzeit widme er sich Ken Folletts „Kinder der Freiheit“. Gerne greife er zu theologischer Literatur, immer wieder auch zu Werken von Gegnern der Theologie, „um deren Argumente besser zu verstehen“.

Zudem liegt ihm die Musik am Herzen. Seit 32 Jahren spielt er die Orgel in der Willmatshofer Kirche St. Vitus. Seit seinem Ruhestand 2015 hat er sich darüber hinaus einen Kindheitstraum erfüllt. Er übt Cello und kommt mit Gleichgesinnten im privaten Rahmen zur Kammermusik zusammen.

Auch die Bademeisterin ist begeistert

Zurück zu seinen Sprüchen und Versen im Freibad. Sie haben so großen Anklang gefunden, dass daraus jetzt ein Büchlein, bereichert mit Fotos des Fischacher Fotografen Franz Bauer, entsteht. Der Titel liegt auf der Hand: „Guten Morgen, liebe Schwimmerinnen und Schwimmer“. Das Werk soll am letzten Schwimmtag dieser Saison erscheinen.

Aber nicht nur bei den Badegästen hat Stephan Kremer Fans. Er sei ein Original, schwärmt Stephanie Schenk. Die Bademeisterin bewundert seine kleinen Lebensweisheiten. „Sie geben Motivation und Kraft, nicht selten zaubern sie ein Lächeln auf die Lippen.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

03.09.2017

Am 03.09. ...

Vielleicht gelingt der große Wurf?

Dann zähl ich zu den Literaten.

Und wenn ich dann ins Freibad schlurf,

zu euch ins Wasser werde waten,

dann denk ich still: Oh weh, das rächt sich,

denn heute bin ich 65.

Permalink
03.09.2017

Nicht nur von Nachteil ist das Alter

zeigt sich mitunter dann und wann

so neulich auch am Freibad-Schalter

Die Dame sieht mich freundlich an

2 Euro 50 sagt sie strahlend

Brauch keinen Ausweis junger Mann

Ob einer Rentner oder nicht ist

seh’ ich ihm schon von weitem an.

Permalink
01.09.2017

Stephan Kremer, das lächelnde Original,

wirft gekonnt den Wörterball.

Lässt morgens schon die Sonne scheinen

am Schwimmteich von Fischach - da kann man gut reimen

:-)

Permalink
01.09.2017

Die Zeitung heute schön beschreibt,

was man bei uns im Bad so treibt.

Nun ist bekannt im ganzen Land

die Poesie vom Beckenrand

Permalink
01.09.2017

Der Badespaß sehr schnell entfällt

im Freibad, das kein Wasser hält.

Drum stellt - von Nachteil kann es niemals sein -

als Bademeister Dichter ein.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren