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Fischach/Kreis Augsburg

06.11.2019

Der Rettungsplan für die Rückkehr der Staudenbahn wackelt

Dunkle Wolken sind über die Pläne zur Reaktivierung der Staudenbahn aufgezogen.
Bild: Marcus Merk

Plus Steigt der Landkreis in Bau und Betrieb der Strecke ein, um die lange versprochene Reaktivierung zu retten? Diese Entscheidung wird vertagt.

Machen der Landkreis und angrenzende Gemeinden die Staudenbahn wieder flott? Die gute Nachricht: Es gibt einen Plan, um die gefährdete Reaktivierung des regelmäßigen Personenverkehrs zwischen Augsburg und Langenneufnach über Gessertshausen zu retten.

Die weniger gute Botschaft: Der Kreisausschuss des Augsburger Kreistages hat seine für den Montagabend erwartete Entscheidung vertagt, wie Landrat Martin Sailer (CSU) auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte: „Wir haben noch keinen Beschluss gefasst, da noch einige Fragen geklärt werden müssen.“

Der Zeitdruck ist hoch

Dabei stehen – das hatte Sailer schon vergangene Woche gegenüber unserer Zeitung betont – alle Beteiligten unter Zeitdruck. „Eigentlich haben wir sogar gar keine Zeit mehr,“ sagte ein Teilnehmer der mehrere Stunden dauernden Sitzung.

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Der Reaktivierung der 1991 stillgelegten Staudenbahn für einen regelmäßigen Personenverkehr zwischen Langenneufnach und Augsburg über Gessertshausen droht ein jähes Ende, weil die Modernisierung der 13 Kilometer langen Strecke nicht vorankommt. Wenn sich das nicht ändert, könnte der Zug für das seit Jahren versprochene und schon mehrfach verschobene Nahverkehrsvorhaben endgültig abgefahren sein.

Ende 2022 sollte es los gehen

Eigentlich soll die Bahnbetriebsgesellschaft Stauden die Strecke ertüchtigen. Finanziert werden sollte dies über die „Gleismiete“. Gemeint ist damit die Benutzungsgebühr, welche für die regelmäßig verkehrenden Personenzüge fällig wird. Ab Ende 2022 soll die bayerische Regiobahn werktäglich 20 Zugpaare auf die Strecke zwischen Langenneufnach und Augsburg schicken. Dafür muss die Strecke modernisiert werden, zum Beispiel an den Bahnübergängen. Aktuell – drei Jahre vor dem Start – gibt es dafür keine genehmigte Planung.

Bislang fand sich für die Vorfinanzierung keine Bank. Staudenbahn-Chef Hubert Teichmann, der die verbleibende Zeit für ausreichend hält, gibt dem Freistaat Bayern die Schuld. Die von diesem ausgesprochene Bestellgarantie sei nämlich „nicht einredefrei und damit nichts wert“. Wenn beispielsweise aus Personalmangel nicht gefahren werden könne, reduzierten sich auch die Trasseneinnahmen. Unter diesen Umständen werde keine Bank mitmachen.

Hier biegt die Staudenbahn bei Gessertshausen auf ihre Strecke nach Markt Wald ab.
Bild: Marcus Merk

Doch ob nun die Gemeinden und der Landkreis einspringen? In der nichtöffentlichen Sitzung des Kreisausschusses zeichnete sich dafür keine Mehrheit ab, am Ende wurde gar nicht abgestimmt. Allenfalls für eine Finanzierung der Planung hätte sich eine Mehrheit gefunden, so Teilnehmer. Aber Bau und Betrieb einer Eisenbahnstrecke? Auf bis zu 20 Millionen Euro werden inzwischen die Kosten für die Ertüchtigung geschätzt, hinzukommen etliche Details, die noch nicht klar sind: Die Kreisräte meldeten weiteren Klärungsbedarf an.

SPD-Fraktionschef: „Es steht Spitz auf Knopf“

„Wir wollten alle die Staudenbahn,“ sagt die Grünen-Fraktionssprecherin Silvia Daßler. Doch bevor man sich für Bau und Betrieb der Strecke entscheide, was ein Präzedenzfall wäre, seien weitere Informationen nötig. Zum Beispiel über die finanziellen Auswirkungen in der Zukunft.

Nun soll die Landkreisverwaltung möglichst schnell Informationen liefern, eventuell soll die Entscheidung in einer Sondersitzung falle. Wie die ausgeht? Der SPD-Fraktionschef Harald Güller: „Es steht Spitz auf Knopf“.

Unabhängig von den Diskussionen über eine Wiederaufnahme des regelmäßigen Personenverkehrs wird die Strecke befahren: Die Stauden-Verkehrs-GmbH nutzt sie für Güter- und Ausflugsverkehr, außerdem steht sie für Testzwecke zur Verfügung.

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07.11.2019

>> „Wir wollten alle die Staudenbahn,“ sagt die Grünen-Fraktionssprecherin Silvia Daßler. Doch bevor man sich für Bau und Betrieb der Strecke entscheide, was ein Präzedenzfall wäre, seien weitere Informationen nötig. Zum Beispiel über die finanziellen Auswirkungen in der Zukunft. <<

Diese Polit-Wortbausteine der Grünen könnten auch von einem bahnskeptischen FDP Funktionär stammen...

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