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Landkreis Augsburg

16.03.2020

Der Sport im Augsburger Land ist am Boden

Nicht nur dieses Häuschen für die Auswechselspieler liegt in Westheim auf dem Boden. Die gesamte Saison der Amateurfußballer wurde – ebenso wie alle andere Sportarten – gestoppt.
Bild: Helmut Weinl

Plus Für viele war es das erste Wochenende ohne Fußball. Die Sorgen sind groß, dass diese Situation noch länger anhält. So reagieren Sportler und Funktionäre.

„Einfach schrecklich! Wie wenn alles gestorben wäre“, stöhnt Oliver Haberkorn nach dem ersten Wochenende seines Lebens ohne jeglichen Fußball – weder am Spielfeldrand als Trainer der SpVgg Westheim, noch als Fan des Bayern München im Stadion oder am Fernseher. Und noch schlimmer: „Es gab keine Alternative, nicht mal Skispringen oder Biathlon“, sagt der 35-Jährige.

Nachdem es am Freitag aufgrund der Corona-Krise im Minutentakt Absagen von der Bundesliga bis hinunter zu den Amateuren – und das quer durch alle Sportarten – hagelte, musste sich Haberkorn am Sonntagvormittag mit dem Doppelpass begnügen und den Nachmittag bei herrlichstem Fußballwetter gelangweilt auf der Couch verbringen.

Bei herrlichstem Fußballwetter auf der Couch gelegen

Was ihn noch mehr nervt? „Man hat keine Ahnung, wie es weiter geht. Ich glaube, dass diese Pause länger dauert“, befürchtet er. „Ich kann mit durchaus vorstellen, dass die Saison gänzlich gelaufen ist. In fünf Wochen kann man doch nicht zehn Spiele nachholen.“ Für die SpVgg Westheim hätte ein Saisonabbruch auch etwas Gutes. „Die Zweite wäre Meister, die Erste nicht abgestiegen. Wir hätten alle Ziele erreicht.“ Freuen kann sich Haberkorn aber nicht wirklich: „Ich wäre schon heiß auf die Restsaison gewesen, weil es ja meine letzten Spiele in Westheim sind.“ Nach acht Jahren wird er am Saisonende aufhören. Oliver Haberkorn kann sich auch nicht vorstellen, dass die Europameisterschaft stattfindet: „Ich bin mit ziemlich sicher, dass sie verschoben wird.“

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Dass der Spielbetrieb weitaus länger als bis zum 23. März ausfallen könnte, damit rechnet auch der Vorsitzende der SSV Dillingen, Christoph Nowak. Er will die nächsten Wochen mit einem „Leben ohne Fußball“ persönlich nutzen, um ein wenig zu entschlacken. Das für das Wochenende geplante Testspiel gegen die SG Reisensburg hat Nowak schon vor einigen Tagen abgesagt, als er erfahren hat, dass der Kreisligist vor Kurzem ein Trainingslager in der Nähe von Verona abgehalten hat. „Für mich ist dies höchst unverantwortlich“, kritisiert er das Verhalten der Reisensburger, ausgerechnet nach Italien zu fahren, wo das Coronavirus besonders grassiert.

Sportleiter Fritz Bühringer vom TSV Wertingen ist froh, dass der BFV klare Verhältnisse geschaffen und den Spielbetrieb untersagt hat. Vor allem, dass die Vereine jetzt nicht selbst überlegen müssen, ob sie in Zeiten von Corona spielen oder absagen sollen.

Geschlossen war die Sporthalle in Stadtbergen, in der am Samstag die BG Leitershofen/Stadtbergen den FC Bayern München erwartet hätte. Doch die Saison der Basketballer ist vorzeitig beendet.
Bild: Marcus Merk

Das erste Wochenende ohne Fußball

Dass das „Geisterspiel“ seines Lieblingsklubs 1. FC Köln bei Borussia Mönchengladbach die letzte Bundesligapartie der Saison 2019/20 überhaupt gewesen sein könnte, hätte sich Rainer Förg, der sportliche Leiter des Kreisklassisten FC Emersacker, am vergangenen Mittwoch noch nicht träumen lassen. Nun liegt das erste Wochenende ohne Fußball hinter ihm. „Solche Situationen gibt es höchstens Mal in der Winter- oder Sommerpause. Aber wirklich so gar kein Fußball – weder Profi noch Amateur – gab’s noch nie“, kann es Förg kaum fassen. „Irgendeine Liga spielte ja bisher immer.“ Aber auch beim FCE wurde der Trainingsbetrieb eingestellt. „Eine komische Situation, die wir von Woche zu Woche neu definieren müssen“, befürchtet er, dass der Hype in vier Wochen noch nicht vorbei sein wird. Er sieht zwei Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte: „Entweder bis in den Sommer hinein zu Ende spielen, oder alles auf Null stellen“, möchte er nicht in der Haut der Funktionäre stecken. „Mein Tipp lautet, dass die Saison wohl abgebrochen wird.“ Wenn es um die Gesundheit gehe, sei der Fußball nur eine Randerscheinung.

Rainer Förg nutzte den fußballfreien Sonntag zu einem Stadtbummel und wunderte sich, dass sich an den Eisdielen lange Schlangen bildeten. „Haben manche die Corona-Krise noch gar nicht mitbekommen?“

Jugendliche treffen sich zum Bolzen

Auch Passanten, die am Samstag an der Gersthofer Abenstein-Arena vorbei liefen, wunderten sich, das auf beiden Kunstrasenfeldern jede Menge los war, obwohl ja der TSV Gersthofen am Freitag den kompletten Trainingsbetrieb in allen Abteilungen eingestellt hat. Darunter befanden sich auch Fußballer des TSV Missen, die bereits am Freitag zu einem Trainingslager nach Gersthofen angereist waren. Dass sich auch Jugendliche zum Bolzen treffen könne man nicht verhindern. „Dafür sind die einzelnen Personen und deren Eltern selbst verantwortlich“, so Präsident Hinricht Habenicht. „Wenn wir die Anlage zusperren, klettern sie über den Zaun. Das haben wir schon erlebt. Als Nächstes werde man nun die TSV-Halle schließen und man will die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle ins Homeoffice schicken, lässt Habenicht wissen.

Er glaubt nicht, dass die Corona-Krise nach den Osterferien zu Ende ist. „Die wirtschaftliche Katastrophe ist dann das nächste Problem“, ist er gespannt, wie das alles endet. Wenn die Fußballsaison vorzeitig enden und der TSV Gersthofen zum Meister erklärt werden würde, würde sich der TSV-Präsident nicht wirklich freuen: „Man will doch auf dem Spielfeld aufsteigen.“

Der Spielbetrieb in der Basketball-Regionalliga Südost wurde für beendet erklärt. Die Tabellen werden eingefroren. Regelungen über die Zusammensetzung der Ligen 2020/21 werden zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert. „Da auch die Hallen ab sofort gesperrt sind, ruht der gesamte Trainingsbetrieb zunächst bis mindestens 19. April“, lässt Andreas Moser wissen. „Die Kangaroos befürworten die Entscheidung der Verbände und der Stadtverwaltung ausdrücklich.“

Für Georg Zimmermann stehen die Räder still

Zwei Rennen in Südfrankreich hat der Neusässer Georg Zimmermann für sein CCC-Radteam als Jungprofi absolviert. Jetzt hat er schon länger Pause. „Die für mich geplante Katalanien-Rundfahrt wurde ebenso wie alle anderen Rennen der Profis und Amateure abgesagt. Wir wissen alle nicht, wann es weitergehen wird. Ich habe mich in guter Form gefühlt und auf einen Start hin gearbeitet. Jetzt reduziere ich das Training eine Woche und steige dann wieder voll ein, in der Hoffnung bald wieder im Team zu sein, zu dessen Leitung wir alle derzeit nur telefonischen Kontakt haben“, so Radprofi Georg Zimmermann. (mit ref)

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