Stadtratswahl

18.03.2014

Der Wähler wechselt aus

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„Es ging darum, die CSU abzuwatschen, nachdem es eine allgemeine Stimmungsmache gab.“Max Poppe, stellvertretender Vorsitzender

Die CSU verliert drei Sitze, der Ortsvorsitzende scheidet aus. Bei der SPD scheitert Annegret Kirstein

Von Gerald Lindner

Eine Schlappe für die CSU, ein Gewinn für die neue Gruppierung WIR des Bürgermeisters Jürgen Schantin und der Verlust des Stadtratsmandats der bisherigen zweiten Bürgermeisterin Annegret Kirstein (SPD) – dies sind die großen Überraschungen der Stadtratswahl in Gersthofen. Einige Wähler drückten offenbar auch ihren Unmut über die Lokalpolitik der letzten sechs Jahre aus: 134 abgegebene Stimmen bei der Bürgermeisterwahl waren ungültig. „Hier wurden häufig Kandidaten durchgestrichen, oder alle vier Bewerber angekreuzt, sodass man von einer bewussten Äußerung ausgehen kann“, erklärt Wahlleiter Wolfgang Held.

Auch wenn Amtsinhaber Jürgen Schantin noch gegen den parteilosen, von SPD und Freien Wählern unterstützten Kandidaten Michael Wörle in die Stichwahl muss, seine Gruppierung WIR schaffte auf Anhieb sieben Stadtratsmandate. Davon sind, inklusive Schantin allerdings vier bereits im Rat vertreten. „Für eine Gruppierung, die erst ein Dreivierteljahr existiert, ein ausgezeichnetes Ergebnis“, sagt Vorsitzender Hans-Jürgen Fendt. „Das muss man ganz stark Jürgen Schantin anrechnen, der diese starken Persönlichkeiten in das Team gebracht hat– wir haben die Stimmen geholt, die die CSU verloren hat.“

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Herb traf es die CSU. War sie 2008 mit 15 Ratssitzen und dem Bürgermeister gestartet, hatte die Fraktion in den letzten zwei Jahren vier verloren, darunter den Bürgermeister. Statt der verbliebenen zwölf sind es ab Mai nur noch neun. Ein weiterer Schlag: CSU-Ortsvorsitzender Matthias Götz schaffte es nicht mehr in den Stadtrat. „An unserer Sacharbeit kann es nicht gelegen haben“, resümiert stellvertretender Ortsvorsitzender Max Poppe. „Es ging darum, die CSU abzuwatschen, nachdem es eine allgemeine Stimmungsmache gab – jetzt müssen es genau die ausbaden, die verlässlich zur Partei gehalten haben“, so Poppe. Götz’ Abwahl sei nicht persönlich gegen den Vorsitzenden gerichtet. „Er hat bereitwillig einen Platz auf dem hinteren Teil der Kandidatenliste gewählt, um neuen Bewerbern eine Chance zu geben, nun hat es bedauerlicherweise nicht gereicht.“ Beschlossen sei noch nichts, aber Poppe geht davon aus, dass die CSU Michael Wörle unterstützt.

„Die Welt ist ungerecht“, kommentiert SPD-Ortsverbandsvorsitzender Peter Schönfelder den Verlust eines Stadtratsmandats und insgesamt fünf Prozent im Vergleich zu 2008. Dies liege am Verfahren, mit dem die Sitzverteilung errechnet wird: „Pro Gersthofen und Grüne haben insgesamt 10000 Stimmen und erhalten gemeinsam vier Sitze.“ Die SPD habe genau die doppelte Anzahl an Stimmen erhalten und habe jetzt ebenfalls vier Sitze. „Auch wenn WIR prahlt: Sie haben nicht sieben Mandate gewonnen, denn vier waren bereits im Stadtrat“, so Schönfelder. Annegret Kirstein, die es nach 30 Jahren im Stadtrat und insgesamt sieben Jahren als zweite Bürgermeisterin nicht mehr schaffte, zeigte sich „ein bissl enttäuscht – aber das ist halt Demokratie.“ Nun werde sie sich ein neues Hobby suchen und mehr um ihren Hund kümmern. „Es wird sicher nicht tragisch werden.“

Für Reinhold Dempf (FW), dessen Gruppierung ihre sechs Sitze verteidigen konnte, waren der Verlust bei der CSU und das gute Abschneiden von WIR eine große Überraschung. „Es ist deprimierend, dass die SPD weiter verliert“, so Dempf. „Für uns hätte ich mir schon einen Sitz mehr gewünscht.“

Achim Liberta, Vorsitzender und bislang dritter Stadtrat von Pro Gersthofen, schaffte es nach zwölf Jahren nicht mehr in den Stadtrat. „Ein Sitz weniger ist schade, da wir mit zwei Mandaten keine Fraktionsstärke haben.“ WIR habe „sehr viel Potenzial bei uns abgeschöpft“, so Liberta. „Aber wir haben als junge Gruppierung ein besseres Ergebnis erzielt als die Grünen.“ Grundsätzlich sieht er bei Pro Gersthofen die Tendenz, bei der Stichwahl Michael Wörle zu unterstützen.

„Ich denke, dass uns ein paar Protestwähler gewählt haben“, erklärt sich Grünen-Ortsvorsitzender Günter Eikelmann seinen Einzug als zweiter Stadtrat. Dass Eva Rößner von Listenplatz zehn auf Platz eins vorgewählt wurde, liegt für ihn „an der hervorragenden Arbeit, die sie bisher als Grüne Einzelkämpferin gemacht hat“. Die Grünen sprechen zur Stichwahl keine Empfehlung aus. "Kommentar und Seite 2

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