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Theaternacht in Anhausen

28.06.2009

Der Wald wird Bühne der Zauberwelt

Wird das Wetter halten? Diesen Stoßseufzer hört das Eukitea-Team vor der Premiere seiner experimentellen Theaternacht "Prosperos Traum" nach William Shakespeares "Der Sturm" am Freitag ständig. Doch Heidrun Eckl, die die Besucher empfängt und mit Samantha Sacco und Tina Budan Prospekte und Programmhefte verteilt, wiegelt ab. "Trotz schwarzer Wolken wird es heute laufen", strahlt sie große Zuversicht aus. Von Gerald Lindner

Diedorf-Anhausen. Wird das Wetter halten? Diesen Stoßseufzer hört das Eukitea-Team vor der Premiere seiner experimentellen Theaternacht "Prosperos Traum" nach William Shakespeares "Der Sturm" am Freitag ständig. Doch Heidrun Eckl, die die Besucher empfängt und mit Samantha Sacco und Tina Budan Prospekte und Programmhefte verteilt, wiegelt ab. "Trotz schwarzer Wolken wird es heute laufen", strahlt sie große Zuversicht aus.

Ausgekostete Spielfreude

Über zwei Stunden lang sammeln sich die Zuschauer am Zelt und genießen schmackhafte orientalische Speisen. Mit Fingerschnippen machen die jungen Akteure des Jugend-Theater-Clubs Eukitea den Auftakt: Peppig von Agnes Reiter und Joachim Gröschel musikalisch unterstützt, beginnt das Spiel mit einer Schiffsreise. Mit Präzision kosten die Spieler jede Gelegenheit aus, ihre Spielfreude auszuleben. Sie bieten weniger belesenen Zuschauern eine humorvolle Kurzfassung des Stücks. Erst im vergangenen Jahr gegründet, zeigt sich schon jetzt, wie hier Talente gefördert werden.

Der Wald wird Bühne der Zauberwelt

Und dieser gute Eindruck geht bei den erwachsenen Darstellern weiter. Die nächste Station führt die gut 200 Besucher nach "Mailand": An der Straße stehen die Soldaten Spalier. Herzog Prospero (Stephan Eckl), der sich lieber mit seiner Wissenschaft beschäftigt und seiner Tochter Miranda (Vanja Pagany) vorliest, wird vom eigenen Bruder Antonio (Tom Schiebler) gestürzt, der sich mit dem greisen König Alonso (Claudio Raimondo) verbündet hat. Mitten im Revolutionsgeschehen ergreift so manchen Zuschauer schon ein leichtes Gefühl der Angst. Auch die Anwohner in den Häusern schauen zweifelnd ob des lautstarken Geschehens aus ihren Fenstern.

Im Schiff wird Prospero abtransportiert. Die nächste Etappe führt zwölf Jahre weiter und zum Waldrand, leise wandern die Zuschauer mit Rucksäcken, Taschen und Decken hinauf, begleitet von echten Glühwürmchen. Schwebende Vokalisen von Agnes Reiter und Fred Brunners Musik lassen nun stimmungsvoll miterleben, wie Prospero den Geist Ariel (Michael Gleich) aus dem Baum befreit. Schließlich erreichen alle die "Insel": Die achteckige Spielfläche erhebt sich beim Aufstieg auf dem nach dem Regen etwas schlammigen Boden imposant - nebst gestrandetem Segelschiff.

Dort entfaltet Prospero seine Magie, lässt jeden über die gute Akustik beim ehemaligen Anhauser Skilift staunen. In packenden Szenen entfaltet sich die Suche des gestrandeten verzweifelten Königs nach seinem Sohn Ferdinand (Olaf Dröge). Bei den Szenen zwischen den Seeleuten Stephano (Kathrin Müller) und Trinculo (Teresa Linner) wird in kräftigem Bayerisch in die Bauerntheaterkiste gegriffen, vor allem beim Ringen mit dem beinahe wie eine Krake daherkommenden entstellten Bösewicht Caliban.

Atemlose Stille herrscht, als sich Königssohn Ferdinand in die zarte Miranda, mittlerweile eine junge Frau (Sarah Hieber), verliebt. Viel Zauber Prosperos und Ariels ist fürs Happy End erforderlich. Zuletzt jubeln die Zuschauer trotz Nachtkälte über ein Theaterereignis mit besonderem Charakter, sehr präziser Sprache, vorzüglich arbeitender Technik und einprägsamen Bildern.

"Besprechung Feuilleton Seite 26

Bei uns im Internet

Ein Video und eine umfangreiche Bildergalerie zu "Prosperos Traum" finden Sie unter

augsburger-allgemeine-land.de

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