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Westendorf

20.11.2017

Der einsame Montagsdemonstrant

Will mit Afd Wählern ins Gespräch kommen: Roland Wuchterl in Westendorf.
Bild: Steffi Brand

Seit vier Wochen bezieht Roland Wuchterl mitten in Westendorf Position. Dafür erntet er Anerkennung. Doch er will etwas ganz anderes.

Es ist Montagmorgen, 7.30 Uhr, und Roland Wuchterl bezieht Stellung. Seit vier Wochen steht er immer montags am zentralsten Ort in Westendorf - nämlich zwischen Rathaus und Dorfladen - und zeigt ein auffällig gelbes Plakat. Darauf steht: in großen Buchstaben: „Wehret den Anfängen! Ich stehe hier und schäme mich für 95 (!) AfD-Wähler in Westendorf“.

Wuchterl will reden - die AfD-Wähler aber nicht

Mit den Reaktionen auf seine Protest ist Wuchterl nicht zufrieden: „Leider nur positiv aus“, erklärt der 48-Jährige. Zuspruch bekommt das Gemeinderats- und SPD-Mitglied zuhauf für diese Aktion. Nur mit den AfD-Wählern kommt er nicht ins Gespräch – und genau das will er eigentlich.

„Na dann schäm’ dich ruhig weiter“, sagte man ihm. Vielleicht war dies einer der 95 AfD-Wähler. Vielleicht aber auch nicht. Ein anderer hat Wuchterl eine Tasse Kaffee spendiert - schließlich wird’s draußen vor dem Rathaus mächtig kalt. Und natürlich gibt es Gespräche im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis. In Westendorf waren 1237 Bürger wahlberechtigt. 994 Bürger machten davon Gebrauch. 227 wählten via Briefwahlverfahren. 767 suchten am Wahlsonntag ein Wahllokal auf.

Bis Weihnachten will er montags demonstrieren

Das Ziel seiner Montagsdemonstration hat der 48-Jährige klar vor Augen: Er will ins Gespräch kommen mit den 95 Bürgern, die in Westendorf die rechtspopulistische AfD gewählt haben. Doch die aktuellen politischen Entwicklungen - so auch das Scheitern der Jamaica-Koalition - lassen Wuchterl weiter bangen. Wie wird das Wahlergebnis wohl ausgehen, wenn es zur Wiederwahl kommt? Er befürchtet noch mehr Zulauf auf der AfD-Seite, wenn diejenigen, die enttäuscht von der gescheiterten Jamaica-Koalition, ihre Stimme bei einer etwaigen Neuwahl der rechtspopulistischen Partei geben würden.

Umso wichtiger ist es ihm, seine Montagsdemo bis Weihnachten weiterzuführen - jeden Montagmorgen ab 7.30 Uhr. Was er tun würde, wenn ein AfD-Wähler auf ihn zukäme, weiß der Lehrer jetzt schon. „Ich würde in erster Linie zuhören“, erklärt er und gesteht auch ein: Viele - und auch seine politische Partei, die SPD - hätten dies in der Vergangenheit viel zu selten getan. Sicherlich würde er nach den Gründen fragen, die dazu geführt haben, dass ein Westendorfer die AfD wählt.

Verstehen kann Wuchterl dies inhaltlich nicht. Den Menschen im Ort gehe es gut, von Problemen wie sie andernorts vorherrschen (beispielsweise wegen Asylbewerbern), sein in Westendorf keine Spur.

„Ich will, dass mir Leute ins Gesicht schauen“

Den ersten Schock über die 95 AfD-Wähler bekam Wuchterl bereits am Wahlsonntag im September. Er selbst war bei der Auszählung dabei und sah erschrocken zu, wie der Berg an AfD-Stimmzetteln immer höher wurde. Dann hat er von einer Montagsdemo in Ochsenfurt und München erfahren und die Idee kurzerhand übrnommem.

Jeden Montag hofft er nun auf eine Reaktion der Westendorfer. Er würde dann versuchen wollen, den Westendorfer AfD-Wählern die Ängste, Sorgen und Nöte zu nehmen - so sein Plan. Wuchterl ist seit dem Jahr 2014 SPD-Mitglied und zog über die Liste der politisch aktiven Bürger in den Gemeinderat ein.

Wenn er als einsamer Montagsdemonstrant keinen Zugang zu den AfD-Wählern bekommen kann, möchte der Lehrer keineswegs aufgeben. „Vielleicht käme jemand zu einem politischen Gespräch zum Wirt im Ort“, tüftelt der 48-Jährige weiter an Möglichkeiten. Ganz wichtig ist ihm bei all seinen Ideen der direkte Kontakt. Mit den Worten „ich will, dass mir die Leute ins Gesicht schauen“ erklärt er der Option, eine Diskussion in den sozialen Netzwerken zu führen, eine klare Absage. Es gebe genügend Möglichkeiten, ihn direkt zu kontaktieren, sagt der 48-Jährige.

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20.11.2017

Ich bin AfD-Sympathisant und würde gerne öfter für die AfD auf die Straße gehen. Bei uns in Regensburg kann das aber gefährlich sein, da linke Aktivisten aggressiv gegen die AfD vorgehen.

Hier verteile ich AfD-Flyer, unter "Polizeischutz", in der Nähe eines AfD-Infotisches, der von linken Aktivisten angegriffen wurde. Es gab mehrere verletzte ältere AfD-Mitglieder.

Regensburg, Nov. 2016

http://www.regensburg-digital.de/wp-content/uploads/2016/11/IMG_6473-1024x770.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=6CICvp5KVcg

Am Schluss des Videos sieht man die verletzten AfD-Mitglieder

Ich bin gerne bereit, für die AfD eine Lanze zu brechen.

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

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