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Ehrenamt

19.06.2015

Der erste Ernstfall

Hospizbegleiter sind für einen sterbenden Menschen oftmals eine große Hilfestellung.

Zwei Hospizbegleiterinnen erzählen, wie sie einen Menschen in einer Wohngruppe für Behinderte beim Sterben begleiteten

Die Situation war neu: In der betreuten Wohngruppe in der St.-Wolfgang-Straße musste sich das Betreuungspersonal mit der Tatsache auseinandersetzen, dass einer der Mitbewohner sterbenskrank war. Da die Pflegekraft der Betreuer der Wohngruppe langfristig nicht ausgereicht hätte, dem Bewohner aber die letzten Tage seines Lebens in seiner gewohnten Umgebung ermöglicht werden sollten, wurde nach einer Alternative gesucht. Und diese hieß: Hospizbegleiter. Auch für die beiden Hospizbegleiterinnen Gundula Bröcking und Annemarie Probst war die Situation neu, denn nach ihrer Ausbildung, die sie im Oktober 2014 abgeschlossen hatten (wir berichteten), fühlten sie sich gewappnet für die private Betreuung eines Sterbenden – doch in der Wohngruppe des Dominikus-Ringeisen-Werkes erwarteten sie 14 Bewohner mit körperlichen und geistigen Behinderungen.

„Der Einsatz der Hospizbegleiterinnen war faszinierend“, erklärt eine Betreuerin der Wohngruppe rückblickend: „Die beiden Frauen wurden schnell Teil der Wohngruppe.“ Wenige Tage vor Weihnachten besuchten sie die Bewohner zum ersten Mal. Die sich anschließenden Besuche waren nie gleich, denn stets wurde individuell und flexibel reagiert. „Die Anfangszeit war schwer“, erinnern sich die Hospizbegleiterinnen, doch mit der Zeit fasste der sterbenskranke Bewohner Vertrauen. Die Betreuerin weiß, woran sich das zeigte: „Man sah es in seinem Blick und auch in der Tatsache, dass den Hospizbegleiterinnen Fotoalben gezeigt wurden.“ Dies sei ein großer Vertrauensbeweis. Hinterfragt wurde die Anwesenheit der Hospizbegleiterinnen von den Bewohnern nicht. Für viele jedoch waren es „zwei Engel, die ihm geholfen haben“. Und auch für Bewohner und Betreuungspersonal waren Bröcking und Probst eine große Hilfe. „Im Grunde wurde hier bereits der Trauerprozess angestoßen“, erklärt die Betreuerin: „Zudem hatten wir mehr Zeit für andere Aufgaben, wenn die Hospizbegleiterinnen da waren.“ So konnte auch der erhöhte Pflegebedarf des sterbenskranken Bewohners in der Wohngruppe geleistet werden.

Mit Rückblick auf die Ausbildung zur Hospizbegleiterin erklärten Bröcking und Annemarie: „Wir haben gelernt, die Menschen so anzunehmen, wie sie sind, und sie nicht ändern zu wollen.“ Das kam ihnen bei ihrem ersten Einsatz in der Wohngruppe in der St.-Wolfgang-Straße zugute. Wertvoll war insbesondere auch der Austausch der Hospizbegleiterinnen mit den Betreuern, der nicht als Besserwisserei abgetan wurde. „Wir gaben uns gegenseitig Tipps und tauschten Ideen aus, wie wir dem Kranken eine Freude machen konnten“, beschreiben sie die Situation. Dabei wurde dem Bewohner bei Handmassagen, Vorlesestunden und Erzählungen von früher viel Aufmerksamkeit zuteil, die er sichtlich genoss.

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„Ich erinnere mich noch, als er einen Schokoladenriegel mit mir geteilt hat“, erzählt Gundula Bröcking. Auch fragte er in seinen letzten Tagen oft aktiv nach: „Wann kommst du wieder?“ Nun zeigte er offen, dass er sich „voll und ganz auf die Frauen eingelassen hat und ihnen vollstes Vertrauen schenkte“, erklärt die Betreuerin. „Die Tatsache, dass die Frauen sich ehrenamtlich um Sterbenskranke kümmern, ist nicht selbstverständlich, und auch die Art wie sie sich in die Gruppe eingefühlt haben, verdient Hochachtung“, fasst die Betreuerin der St.-Wolfgang-Wohngruppe zusammen. Sie weiß, „ohne die beiden hätte er nicht hier sterben können“.

An seinem Todestag blieben beide lange in der Wohngruppe. Gemeinsam wurde geweint, gebetet, gesungen und auch gelacht. Gemeinsam suchten sie das Sterbebild aus. Das tat sowohl den Bewohnern als auch den Betreuern gut. Der Tag war für alle schön, denn der Trauerprozess konnte aktiv gestaltet werden. Anschließend zogen sich die Hospizbegleiterinnen zurück, schließlich mussten auch sie ihren ersten Einsatz erst verarbeiten.

Meitingen steht unter der Trägerschaft der Ökumenischen Sozialstation Meitingen und Umgebung. Weitere Informationen unter Telefon 08271/8120222 und per E-Mail hospiz@sozialstation-meitingen.de

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