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Musikkabarett

13.11.2017

Der fliegende Holländer vom Starnberger See

Von Mozart bis Wagner: Das Erzählertrio Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg verwandelte große Opern in bayerische Mundartkunst.
Bild: Thomas Hack

„Opern auf Bayrisch“ begeistern nicht nur eingefleischte Klassikfans

„I möcht’ an Biersee, so groß wie da Schliersee...“ – nur eine der populären Melodien aus der berühmten Oper „Der Bajazzo“, die bekanntermaßen im oberbayerischen Landkreis Miesbach spielt. Oder stimmt das etwa nicht? In der Gersthofer Stadthalle gab es einen ganz besonderen Bühnenabend zu erleben, in dem von Wolfgang Amadeus Mozart bis Richard Wagner alles geboten wurde, außer den Werken dieser Künstler selbst.

Wie das funktionieren kann, zeigte auf herzerfrischende Weise die Truppe rund um Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg: In den „Opern auf Bayrisch“ hat der Dichter Paul Schallweg die Inhalte weltbekannter Meisterwerke in das Gewand heimatlicher Mundartverse gekleidet und diese rotzfrech ins bajuwarische Alpenvorland verlegt. Diese gab nun das versierte Schauspielertrio in einer spaßigen Dichterlesung zum Besten.

Angereichert wurde die klassisch inspirierte Persiflage von den Klängen des zünftigen Musikensembles unter der Leitung von Andreas Kowalewitz, welches mit Tuba, Pauken und Trompeten für die richtige Hintergrundstimmung sorgte – gerne auch mal mit etwas schrägeren Akkorden, wenn es in der Geschichte gerade um Mord und Totschlag ging. Los ging es schließlich mit einer Kurzfassung der Oper „Bajazzo“, die mit staubtrockenem Humor gespickt wurde und irgendwo zwischen dem bayerischen Miesbach und dem fernen Böhmerland angesiedelt worden war.

Augenblicklich offenbarten sich die Sprecher als wahre Wortakrobaten, deren unterschiedliche Ausdruckskünste ein spritziges Feuerwerk an brachialen Mundartsprüchen und kongenialer Schauspielkunst auf die Zuschauer losjagte: Fernsehpreisträger Gerd Anthoff („Der Bulle von Tölz“) überzeugte mit gnadenlos überzogenen Jodelkünsten und einer erstaunlichen Ausdrucksvielfalt, während Conny Glogger („Komödienstadel“) mit ihrem resoluten Charme akribisch darauf bedacht war, immer ein kleines bisschen unter der Gürtellinie zu bleiben. Schauspieler Michael Lerchenberg („Tierarzt Dr. Engel“) indes schien mit seiner einvernehmenden Stimme ohnehin voll und ganz in sämtlichen seiner gesprochenen Figuren aufzugehen.

Dass die Oper „Bajazzo“ letztendlich aber nur suboptimal für die weibliche Hauptdarstellerin endete, war für eingefleischte Bühnenfans ohnehin kein großes Rätsel mehr: „Der spitze Dolch trifft d’Mariann’, sie duad an Schroi und bricht dann zam!“

Auch mit dem „Fliegenden Holländer“ von Richard Wagner schaffte es das Mundart-Ensemble vorzüglich, reinsten Pathos in eine urkomische Geschichte voller heimatlicher Eigentümlichkeiten zu verwandeln. Anthoff verkörperte mit gruseliger Stimme den grantelnden Geisterpiraten, der auf dem Starnberger See sein feuchtfröhliches Unwesen treibt und mit der vermeintlichen Jungfrau Zenzi seinen auferlegten Fluch zu brechen versucht. Nach dem erfolgreichen Ende seiner nebulösen Mission hat sich der polternde Korsar schließlich auch eine deftige Brotzeit mit Gselchtem, Bauernbrot und Zwetschgenschnaps verdient.

Mit Mozarts „Don Giovanni“ wurde schließlich der Höhepunkt des skurrilen Opernabends eingeläutet, in dem es mit unvermeidlicher Waffengewalt nochmals prügelhart zur Sache ging – der legendäre Messermord musikalisch sanft untermalt mit „Wir sind die lustigen Holzhackerbuam!“.

Als heimlicher Star unter den Mitwirkenden war jedoch ganz klar Werner Hofmeister auszumachen, dessen Instrumentenvielfalt die Grenzen sämtlicher Genres sprengte: Von Bettpfannen und Kuhglocken über schnoddernde Gießkannen bis hin zu skurriler Windmaschine und übergroßen Fliegenfängern reichte sein Sammelsurium aus Klangkörpern, die immer für die richtige Atmosphäre zwischen der vorgetragenen Verszeilen sorgte.

Dem Publikum hat es gefallen, und was Autor Paul Schallweg mit seinen ironisch-pfiffigen Textadaptionen geleistet hatte, ist sicherlich einzigartig in der lyrischen Literatur. Der Abend versprach jedenfalls genau das, was in der Ankündigung bereits zu lesen war: „Ein echtes Vergnügen für jeden Opernmuffel und für jeden Bayern sowieso.“

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