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Adelsried

04.06.2018

Der ganze Ort gewandet sich

In der Nähstube zum 1000-jährigen Bestehen von Adelsried begutachten (von links) Sylvia Ohnheiser, Cornelia Emmert, Claudia Kramer, Gisela Stiegelmeier und Lena Ohnheiser historische Gewänder.
Bild: Michael Hochgemuth

Adelsried feiert nächstes Jahr 1000-Jähriges. Zu den Festtagen sollen möglichst viele Gäste historisch gekleidet kommen. Dafür gibt es jetzt eine Nähstube.

Auf Marianne Meiers Stirn haben sich schon ein paar Schweißperlen gebildet. Kein Wunder: Ihr Hut, die Bluse und das dunkelrote Kleid sind nicht gerade sommerlich-luftig. Aber da muss Meier durch: Schließlich ist jetzt Mittelalter-Zeit im Adelsrieder Bürgersaal – ein Vorgeschmack aufs Jubiläumsjahr 2019. Und ihr Gewand habe schon ganz anderes durchgemacht, erzählt Meier. Sie hat es für das historische Fest 2002 in Welden genäht. Damals hat sie 14 Tage lang mit ihrer Volkstanzgruppe getanzt – „und sogar die Schuhe haben das alles ausgehalten“, erzählt sie und zeigt ihre Füße, die in gebundenem Leder stecken. Nächstes Jahr wird Marianne Meiers Gewand wieder groß zum Einsatz kommen: Dann feiert ihr Heimatort Adelsried seinen 1000. Geburtstag.

Bürgermeisterin Erna Stegherr-Haußmann erklärt, wie es zu dem Jubiläum kam: Eigentlich sei ja immer die Rede davon gewesen, dass Adelsried schon 1100 Jahre alt sei. Doch als Friedrich Geiger in den Archiven stöberte, um mehr über die Ortsgeschichte herauszufinden, stellte er fest, dass sich dies nicht belegen lässt. „Sicher ist aber, dass vor genau 1000 Jahren ein Forsthof eingerichtet wurde, um das bewaldete Land urbar zu machen“, erklärt sie – der Geburtstag von Adelsried.

Das große Jubiläumsfest ist im August 2019

1000 Jahre. Das muss natürlich gefeiert werden. Viele engagierte Adelsrieder stecken schon mitten in den Vorbereitungen. Der Termin für das große Jubiläumsfest steht bereits fest: Es wird vom 8. bis 18. August 2019 stattfinden und soll eine Zeitreise durch die Dorfentwicklung werden. Es wird also kein rein historisches Fest. „Deshalb gibt es auch keine Kleiderordnung“, sagt die Bürgermeisterin. Sie hat aber schon von vielen den Wunsch gehört, dass sie sich zu diesem Anlass historisch gewanden wollen – und jetzt gibt es die Nähstube, die dabei hilft.

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Conny Löschke, Marianne Meier, Evi Jokel, Sylvia Ohnheiser, Claudia Kramer, Erika Stadler, Gisela Stiegelmeier, Melanie Görgey-Fidler und Cornelia Emmert haben sie gegründet. Gestern stellten sie ihr Angebot vor – natürlich schon passend gekleidet. Die Frauen wollen helfen, dass möglichst viele Menschen nächstes Jahr in historischen Kleidern feiern können. Sie haben Stoffe und Schnitte besorgt und beraten beim Nähen. Man kann sogar vor Ort werkeln: Es gibt drei Nähmaschinen, und man kann auch seine eigene mitbringen. Denn in der Gruppe nähen macht nicht nur mehr Spaß, da erfährt man auch allerlei Tipps und Tricks.

Es gibt Kleider, die ganz einfach zu nähen sind

Angst vor dem Selbermachen müsse niemand haben, findet Conny Emmert: „Es gibt ganz einfache Kleider, für die man nur ein paar Nähte braucht“, erzählt sie. Und teuer werde es so auch nicht: Für ihr Kleid mit Bluse und Haarkranz habe sie gerade mal 28 Euro für den Stoff ausgegeben. Wer sich das alles nicht zutraut, für den haben die Frauen ebenfalls ein Angebot: In der Nähstube kann man auch fertige Kleidung anprobieren und bestellen oder individuelle Gewänder bei einer Schneiderin ordern.

Falsch machen könne man bei seinem Jubiläumsgewand eigentlich nichts, sagt Conny Emmert: „Wir haben uns nicht auf eine Epoche festgelegt, das Fest wird ja eine Zeitreise.“ Friedrich Geiger und Erna Stegherr-Haußmann ist aber wichtig, nicht zu vergessen, dass das Mittelalter keine sonderlich schöne, sondern vor allem eine sehr arme Zeit war, in der die Menschen geplagt waren von Krankheiten und Hungersnöten. „Man verklärt das Mittelalter heutzutage immer ganz gern“, sagt die Bürgermeisterin. Bratwürste und Pommes wie auf heutigen Mittelalterfesten gab es damals zum Beispiel nicht: Die Kartoffel kam erst viel später nach Deutschland, Fleisch gab es ganz selten. Hauptnahrungsmittel waren Milch und Getreide. Auch die Kleidung war meist wenig prächtig. Auf dem Land trugen die Menschen einfache Leinen- und Wollkleidung. Nur die Patrizier und reichen Kaufleute hüllten sich in Samt, Seide und Brokat. In Adelsried kann sich jeder aussuchen, in welche Rolle er schlüpfen will: Die Damen von der Nähstube haben einfache Magdgewänder genauso im Angebot wie prächtige Kleider mit Samt und Hut.

Die Nähstube ist ab Donnerstag, 7. Juni, geöffnet – und zwar alle zwei Wochen montags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 17 bis 20 Uhr. Sie befindet sich im Untergeschoss des Rathauses. Die Termine in diesem Monat: 7., 11., 14., 25. und 28. Juni.

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