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Kabarett

01.02.2019

Der intellektuelle Grantler

Josef Hader traf mit seinem Programm „Hader spielt Hader“ den Nerv des Publikums.
Bild: Andreas Lode

Josef Hader holt in der gut besuchten Gersthofer Stadthalle zum rhetorischen Rundumschlag aus. Und das gefällt

Was hat Erdbeerjoghurt mit Demokratie zu tun und warum sind Politiker wie Katzen? In seinem Programm „Hader spielt Hader“ holt der österreichische Kabarettist zu einem Rundumschlag aus.

Im Vorfeld seines Auftritts in der Stadthalle Gersthofen beschrieb Josef Hader sein Ziel für den Abend so: „Ich werde zwei Stunden lang zu verhindern versuchen, dass die Menschen den Raum verlassen.“ Am vergangenen Mittwoch gelingt ihm das mit Bravour: Während seines Programms „Hader spielt Hader“ steht kein Einziger auf und verlässt die Stadthalle.

Das ist allerdings nicht der einzige Erfolg, den der österreichische Kabarettist bei seinem Auftritt in der Stadthalle für sich verbuchen kann. Er schafft es auch, mehrere rote Fäden durch sein gesamtes Programm zu ziehen. Der „Altersgrant“ seiner Bühnenfigur und sein Beruf als Kabarettist sind nur zwei Beispiele. Obwohl er einzelne Nummern spielt, die thematisch nicht viel miteinander zu tun haben, gelingenihm fließende Übergänge. Gerade geht es noch um Humanismus, plötzlich um Philosophen im alten Griechenland, dann um Katzen und Politiker und im Anschluss findet man sich in den Eheproblemen von Josef Haders altem Ego wieder. Seine Sprache ist dabei immer eine derbe, österreichische Mundart.

Das erste große Thema, das Hader auf der Bühne auch explizit benennt, ist der Humanismus: „Jo passt eh, leben und leben lassen“, definiert Hader emotionslos, um im Anschluss die skurrilen Ausprägungen des Humanismus in der Gesellschaft von heute darzulegen. In seinem Fall sei Humanismus eher „situationsbezogen“, erklärt der Kabarettist. Er spiele zum Beispiel immer wieder Benefiz-Vorstellungen. Seine Vorteile: Dabei müsse er weder selbst spenden noch helfen. Beides liege ihm nicht so. Außerdem zeige sich sein Humanismus im Konsumverhalten: Die Welt sei nur geborgt von den Kindern, deshalb kaufe er auch nur „dynamisch-biologischen Rucola“.

Auch für altbekannte „Kalauer“ ist sich Hader nicht zu schade. Allerdings erzählt er sie nicht einfach auf der Bühne, sondern verlegt die Witze in die Antike, „auf das Forum Romanum in Athen“. Dabei macht er Sokrates und Platon zu Witzfiguren und lässt sie an die „Grenzen der Philosophie“ stoßen.

Aktuelle Themen sind ein unterschwelliger, aber durchgehend präsenter Bestandteil von Haders Programm. Über Demokratie spricht er häufiger. Als Österreicher sei er stolz auf die funktionierende Demokratie, sagt er, kommentiert allerdings gleich: „Die Wähler kriegen genau die Regierung, die sie verdient haben.“ In Bayern sieht er das ähnlich. Sinnbildich für die Demokratie steht in seinen Augen der Erdbeerjoghurt. Die Wahlfreiheit der Menschen und die Marktwirtschaft hätten dafür gesorgt, dass es unzählige Sorten Erdbeerjoghurt gibt. „Leider haben wir Demokratie und jeder kann fressen, was er will“, sagt Hader. Dabei brauche man Demokratie gar nicht unbedingt. In China funktioniere Marktwirtschaft auch in einer „gemäßigten Diktatur“. „Wir Österreicher schauen in unsere Zukunft“, treibt er es auf die Spitze.

Besonders großen „Grant“ scheint Hader auf Katzen zu haben. „Das sind die allerblödesten Tiere, das Bindeglied zwischen der Tier- und der Pflanzenwelt mit Schwanz“, betont er. Katzen lebten in ihrer eigenen Parallelwelt abseits der Realität – eigentlich genauso wie Politiker. In der „kritisch-intellektuellen Kunstform“ Kabarett seien sowieso alle Politiker schlecht, erklärt Hader. Er wird noch selbstkritischer. Die gesellschaftliche Rolle der Kabarettisten erklärt er so: „Wir kommen aus den Hauptstädten zu ihnen und sagen, wer schuld ist.“ Auch aus diesem Grund bezeichnet er seinen Berufsstand als „verfettete Innenstadtbezirks-Hedonisten-Wichser“. An Selbstironie fehlt es Josef Hader auf keinen Fall.

Ebenfalls wie eine Randnotiz wirkt sein Kommentar auf Fremdenfeindlichkeit. Eigentlich spricht er über den Tod und vergleicht das Umsteigen am Augsburger Hauptbahnhof mit dem Ableben: „Immer gehen Züge weg und man weiß nicht, wo man da hin will.“ Die Angst vor dem Tod führt ihn zum Leben auf dem Land, wo man noch füreinander da sei.

Morbide Ausführungen von Feindschaften und Ableben in der Provinz folgen, bis er zur „Fremdheit“ als Gefühl übergeht. Die Angst vor Fremden sei natürlich, erklärt Josef Hader. Schon kleine Kinder weinen, wenn Fremde zu Besuch sind. Sein spitzer Kommentar: „Aber die wollen sich auch nicht waschen.“

Es sind die nachdenklichen Randnotizen, die Josef Haders Programm ausmachen. Auf der anderen Seite zeigt er, was er schauspielerisch, musikalisch und linguistisch kann. Auf der Bühne ist der Kabarettist nachdenklich, aber auch polemisch laut sowie leise und gefühlvoll. Ein intellektueller Grantler.

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