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Diedorf

01.07.2019

„Der junge Brecht passt gut zu den Schülern“

Eine Szene bei den Proben im Diedorfer Gymnasium: Tiziana Kratzer und Niklas Tiffert treffen sich als Bursche und Mädchen heimlich im Stück „Er treibt einen Teufel aus“.
Bild: Tobias Karrer

Teils derb, teils satirisch, immer gesellschaftskritisch, aber auch unterhaltsam: Drei Einakter des Augsburgers im Schmuttertal-Gymnasium.

Tiziana Kratzer und Niklas Tiffert haben sich bei ihrem Schäferstündchen erwischen lassen. Auf der Theaterbühne des Schmuttertal-Gymnasiums stellen sie ein Mädchen und einen Burschen dar, die sich verliebt haben. Den Segen ihrer Eltern haben sie allerdings nicht. Deshalb jagt Nicolas Monfé als der Vater des Mädchens, Tiffert jetzt mit einer Mistgabel über die Bühne und durch den Theatersaal. Das Stück, das die Oberstufenschüler des Diedorfer Gymnasiums gerade proben heißt „Er treibt einen Teufel aus“ und ist eines der weniger bekannten Werke von Bertolt Brecht.

Der Augsburger Dramatiker stellte den Einakter im Jahr 1919 fertig und man darf durchaus davon ausgehen, dass er selbst ähnliche Situationen erlebt hat. Er hatte nur zwei Jahre vorher eine Art Affäre mit einer Arzttochter, die er trotz Schwangerschaft nicht heiraten durfte.

Brecht war hier noch ganz jung

Brecht war zu dem Zeitpunkt als er das Stück fertigstellte 21 Jahre alt, also nicht viel älter, als die Schüler, die seinen Werke jetzt auf die Bühne bringen. Allerdings veröffentliche Brecht im Jahr 1919 noch mehr Stücke. „Er treibt einen Teufel aus“ ist nur der heitere Anfang des Bühnenprogramms, das der Oberstufenkurs „dramatisches Gestalten“ dieses Jahr unter der Leitung des stellvertretenden Schulleiters Klaus Drechsel auf die Bühne bringt. Die Besucher der Vorstellungen in der kommenden Woche erwartet ein Dreierpack unter dem Motto: „Hat denn das mit Liebe was zu tun?“

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Das Programm verspricht drei „kurze und frivole Komödien“, alle mit Bezug zu Brechts Leben und somit auch zu Augsburg. Das zweite Stück „Lux in Tenebris“ spielt beispielsweise in der berüchtigten Hasengasse.

Zur Zeit der Jahreswechsels 1918/19 beschäftigte sich Brecht als Militärkrankenwärter mit dem Thema Geschlechtskrankheiten. In dem Stück verarbeitet er seine Eindrücke, nicht ohne den Zuschauern vor der Bühne „zynisch und direkt die Amoralität des triebgesteuerten Menschen und des Kapitalismus direkt vor Augen zu führen“, so das Programm. Das dritte Stück heißt „Die Hochzeit“ und ist laut Klaus Drechsel „eines der eher bekannten“. In dem Stück läuft eine Hochzeitsgesellschaft aus dem Ruder. Satirisch und derb widmet sich der „junge Wilde“ Brecht den Allüren des Spießbürgertums.

Warum die Entscheidung für Brecht fiel

Doch warum hat sich das Oberstufentheater für Bertolt Brecht entschieden? Sie hätten die Stücke des Dramatikers aufs Augsburger Land bringen wollen, erklärt Drechsel. Außerdem betont er: „Der junge Brecht passt gut zu unseren Oberstufenschülern.“

Insgesamt spielen 17 Schüler in den verschiedenen Stücken mit. Niklas Tiffert und Tiziana Kratzer sind in jedem Fall zufrieden mit der Auswahl des Werks. „Das ist ja auch nicht typisch Brecht, sondern eher Komödie und Unterhaltung aus“, erklärt der 17-Jährige. Er sieht noch einen weiteren Vorteil: „Wenn wir nur ein Stück gespielt hätten, wäre es wahrscheinlich darauf rausgelaufen, dass einige nur Nebenrollen abbekommen.“ Alles in allem sind die beiden Schüler zufrieden mit ihrer Leistung. Natürlich habe es etwas gedauert, bis sie an allen Stellen wirklich ernst bleiben konnten, erklärt Kratzer. Am schwersten sei ihnen das in der Szene gefallen, in der sie hinter der Kulisse die Geräusche des Liebesspiels nachahmen müssen.

Klaus Drechsel hat am Ende der Probe des ersten Teiles kaum Anmerkungen. Nur ein paar organisatorische Kleinigkeiten merkt er an. Außerdem betont er: „Leute lernt euren Text.“ Textsicherheit sei beim Schultheater immer eine Herausforderung, so Drechsel. Dank zehn Jahren Erfahrung mit Theaterkursen am Peutinger-Gymnasium, bleibt er aber ruhig. Außerdem probt das Oberstufentheater noch das gesamte Wochenende.

Aufführungen Das Oberstufentheater spielt am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, also vom 2 bis 4. Juli jeweils um 19:30 Uhr. Die Veranstaltung ist öffentlich und Einlass eine halbe Stunde vor Beginn.

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