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Kunst

30.06.2018

Der kleine Dienstag und Gassi im Weltall

Daniela Kammerer präsentiert ihre Werke in der Ausstellung „Blütenknall“ in der Schwäbischen Galerie Oberschönenfeld.
Bild: Marcus Merk

Daniela Kammerer stellt in der Schwäbischen Galerie in Oberschönenfeld aus

Wort, Bild, Klang, „Haut um’s Hirn“ und „Kopfkino“ – all das verbindet sich in Daniela Kammerers neuer Ausstellung „Blütenknall“, die jetzt bis zum 23. September in der Schwäbischen Galerie im Volkskundemuseum Oberschönenfeld zu sehen ist. Genau genommen sind es zwei Ausstellungen, die hier auf zwei Etagen präsentiert werden.

Im Erdgeschoss dominiert die kreative, potenzierende Paarung von Lyrik und Malerei, die der Werkschau ihren Namen gibt. So gesellte Daniele Kammerer einigen ihrer in den letzten Jahren entstandene Bildschöpfungen Gedichte der Augsburger Lyrikerin Eva Sattler zu, und diese gelungene Kombination ist in dem Lyrik-Kunst-Band „Blütenknall“ festgehalten und wird in der Ausstellung „Blütenknall“ noch einmal aufgerollt: Denn ähnlich wie die Sprache Sattlers, halb unbewusst, metaphorisch und transzendent, ist auch die bildende Kunst Daniela Kammerers. Ihr „Twilight“ zeigt in blauschwärzlicher Abenddämmerung, verstreuten Lichtpunkten noch Raum gebend, die verschwommenen Umrisse von Herrchen und Hund, und auch das dazu passende Poem „Hör auf … Dein Herz und Meines“ von Eva Sattler verspricht Licht im Dunkel. Das Gedicht „Der kleine Dienstag“ und das großformatige Bild „Gassi im Weltraum“, das ihm zugeordnet ist, widmen sich der Unendlichkeit, die letztlich flächig wirkt, und der Schwerelosigkeit, die letztlich statisch werden kann. Unendliche Möglichkeiten müssen ertragen werden können oder sie schaffen Enge.

Um Potenzial und Begrenztheit dreht sich Kammerers jüngste Serie „Haut um’s Hirn“ im Obergeschoß, von Fritz Effenberger im Vorwort zum Katalog passend „Neurobiologie in frontaler Perspektive“ genannt. Denn die dargestellten Gesichter sind keine Porträts, sondern geben Kunde von Charakter, Anlagen und dem Resultat des bisherigen Lebens der Person, so weit das in einem Gespräch erfahrbar ist. Ein Jahr lang reiste Daniela Kammerer durch mehrere europäische Orte und lud die Bewohner ein zu Gespräch und Porträt. Meist haarlos und männlich bis androgyn sind die porträtierten Gesichter, eher silhouettierend, umrissen und dennoch charakteristisch.

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Aussagend sind vor allem aber die farblichen, ornamentalen, grafisch-linearen Ergänzungen: Gefangen in sich selbst, die eigene Buntheit lebend, ablehnend-punkig und dennoch kommunikativ, verkopft, ängstlich-stumm oder nur zur Hälfte klar wirken die Individuen, die Daniela Kammerer hier in mehreren Schichten und Techniken bildnerisch beschreibt.

Ein Novum in ihrem Schaffen sind ihre Keramiken, bestehend aus einer Gruppe von Köpfen, die an antike Sagenwesen wie Polyphem oder Medusa erinnern. Wie in den Gemälden Kammerers, in denen Farbe auch mal verlaufen darf, wird hier im Brennvorgang dem Aleatorischen Platz gewährt. Mit Bemalung, gezielter Glasur und dem Wechselspiel von rauer und glatter, von farbiger und dunkler Oberfläche schafft Kammerer eine Plastizität über das Plastische hinaus. Auch in der Abteilung „Blütenknall“ gibt es Keramiken, eine Sammlung von rundlichen Fantasiegestalten zwischen Fauna und Flora, Nachtmahre, übersät mit Ausstülpungen, Andockungen des Innen mit dem Außen. Traumhaft, traumwandlerisch wirken auch einige der „Bildschöpfungen“, die stilistisch vielseitig, von illustrierend bis hieroglyphisch nach außen anmuten. Ergänzend zur Ausstellung läuft in einem Nebenraum in Dauerschleife der Film „Haut um’s Hirn, 199 Köpfe – 199 Geschichten“ von Anna Ludwig über die Arbeitsweise Daniela Kammerers.

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