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Autorenlesung

11.05.2018

Der weite Weg des Aram Bani

Aram Bani las in Kutzenhausen aus seinem Buch.
Bild: Dirk Pelzeter

Wie aus einem kurdischen Buben im Irak ein gefragter Arzt in Deutschland wurde

Als er seinen Freunden den Folgen einer Schädelverletzung sterbe sah, stand sein Entschluss fest: Er wollte Neurochirurg werden. Doch wie soll das ein Bub aus dem nördlichen Irak schaffen, der der verfolgten Minderheit der Kurden angehört?

„Die Welt hat mich vergessen“ heißt das Buch von Dr. Aram Bani. So war es im Kulturcafé der Gemeinde Kutzenhausen ganz und gar nicht, als der Neurochirurg sich und sein Buch vorstellte. Sogar ein Paar aus dem Raum Stuttgart fand den Weg nach Kutzenhausen. Büchereileiter Dirk Pelzeter: „Wir mussten noch zusätzlich Stühle reinstellen“ Er führte das große Interesse auf das aktuelle Thema Kurdistan zurück. „Die Menschen möchten ungefilterte Infos über den Konflikt und wo bekommen sie das besser?“

Aram Bani wurde als Kurde im Irak geboren. Sein Medizinstudium hat er 1987 im Irak beendet. Danach folgten Stationen als Arzt im Irak und in Flüchtlingslagern im Iran. Über Mittelsmänner gelang ihm 1992 die Flucht nach Deutschland. Er wurde als politischer Flüchtling anerkannt. Er ist Facharzt für Neurochirurgie und Neurochirurgische Intensivmedizin.

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Aram Bani erzählte sehr lebhaft seinen Werdegang als Kind eines Maurers im Nordirak. Nach dem Abitur und Medizinstudium war er einer der Besten des Landes. Er scheiterte immer wieder an den Restriktionen gegen die kurdische Minderheit. Er erlebte Deportationen, Unmenschlichkeit, Willkür und Arbeit am absoluten Limit menschlicher Belastbarkeit. Schließlich führte ihn sein Weg als Flüchtling nach Deutschland. Dass dies nicht ohne „Mittelsmänner“ gelang, gab er offen zu.

Im Anschluss an die Buchvorstellung hatten die Teilnehmer zahlreiche Fragen an den Autor. Besonders aufgrund der aktuellen Diskussion über das Thema Integration und Flüchtlinge gab es viele Wortmeldungen.

Eines stellt der Autor aber als Wichtigstes klar: „Das Beherrschen der Sprache ist das Wichtigste für Integration.“ Kulturelle Unterschiede sind in seinen Augen, und da spricht er aus Erfahrung, niemals ein Problem. Ohne das Erlernen der Sprache des Landes sei eine Integration aber nicht möglich. Denn wie solle jemand die Kultur und die Gesetze verstehen, wenn er die Sprache nicht spricht?

Für Büchereileiter Pelzeter war es ein Anliegen, einen Autor zu einem aktuellen Thema zu finden, das jeden betrifft. Da er mit der Ehefrau des Autors befreundet ist und beide gemeinsam die Schulbank gedrückt haben, stand nach dem Lesen des Buches für ihn fest, dass Bani genau der Richtige ist. Der Reinerlös der Veranstaltung kommt einer Kinderpalliativstation im Nordirak zu Gute. Aram Bani schreibt bereits an seinem zweiten Buch, das eher ein lustiges Buch werden soll. Es handelt von seiner Facharztanerkennung in Deutschland. (AL)

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