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Neusäß-Westheim

05.03.2016

Detektivarbeit über das frühere Leben der Westheimer

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4 Bilder
Das Bahnhofspersonal auf einem Gruppenbild: Wegen der vielen Ausflügler und Wallfahrer musste der Bahnhof immer wieder mal ausgebaut werden.
Bild: Repro Ortschronik

Ein fleißiges Team hat fast zwei Jahre gesichtet, geforscht und geschrieben. Herausgekommen sind 334 Seiten mit historischen Bildern und Anekdoten.

Alfred Seitz und Uwe Gruber sind von einem Virus erfasst worden. „Wir sind infiziert vom Forschen über die Geschichte unserer Heimat“, beschreibt es Seitz treffend. Gemeinsam mit anderen Autoren haben die beiden Rentner eine Chronik über Westheim angefertigt. Herausgekommen ist ein Werk, das stark gefragt ist, auch bei neu zugezogenen Bürgern.

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis die Ortschronik fertig war. Gruber und Seitz sichteten das Material in ihren eigenen Sammlungen, verbrachten viele Stunden in Archiven und sprachen andere Leute wegen alter Fotos und Geschichten an. Auch über das Internet wurde das eine oder andere historische Dokument, wie eine Rechnung der Firma Mahler & Fischer aus dem Jahr 1910, ergattert. Von einem Flohmarkt stammt die Kernseife der Firma Hopf, die im Kapitel „Handwerk und Gewerbe“ abgebildet ist. Das alles sei zum Teil „schon detektivische Arbeit“ gewesen, so Seitz. Er habe immer wieder etwas Neues entdeckt. Am Schluss hatten die Herausgeber viel mehr Material zusammen, als für ein Buch verwendet werden kann. „Viele Bilder, wenig Text“, beschreibt Seitz das Ziel. Der 69-Jährige weiß, dass es höchste Zeit für so ein Projekt war. Der größte Wissensschatz über die Ortsgeschichte steckt nämlich in der Erinnerung der Menschen. „In zehn Jahren ist das Wissen weg, nur das Archiv reicht nicht. Man braucht Zeitzeugen.“

Mit manchen alten Fotos ist Seitz zum Beispiel zum Seniorenstammtisch der Feuerwehr gegangen. Dort konnte ihm ein älterer Westheimer erzählen, warum die Fußballer beim Gaudispiel in langen Unterhosen auf den Platz gegangen sind und dem Torwart ein Auge verbunden wurde. Große Freude habe es dem Senior auch bereitet, als er sich selbst in jungen Jahren auf dem Foto entdeckte.

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Das alte Dorf: „Das alte Dorf“ ist das Lieblingskapitel von Seitz. Das Forschen über die Häuser, ihre ehemaligen Besitzer und Hofnamen habe ihm am meisten Spaß gemacht. In der Chronik sind viele Fotos des alten Sölden abgebildet. In aller Kürze wird die Familiengeschichte dazu erzählt. Zur besseren Orientierung wird die alte Hausnummer und die heutige Adresse genannt.

Villen: Für Liebhaber von Häusern und Architektur ist das Kapitel „Westheimer Villen“ interessant. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwischen Bahnlinie und Kobelwald viele Villen gebaut. Die Augsburger hatten Westheim entdeckt, auch wegen der Zugverbindung. Industrielle hatten hier ihren Sommersitz, weiß Seitz. So entstand beispielsweise zu beiden Seiten der heutigen Dr.-Rost-Straße die im Volksmund genannte „Villenkolonie“. Oft bekamen die Häuser den Vornamen der Frau, wie zum Beispiel Flora, Anna oder Barbara. Nach dem Krieg wurden die Villen von den Amerikanern besetzt.

Ausflugsziel: Außerdem eröffnete in Westheim 1891 eine Naturheilanstalt, die Westheim als Luftkurort bekannt machte. Der Ort war auch sonst ein beliebtes Ausflugsziel mit der Bahn. Viele kamen zum Flanieren oder Häuser gucken.

Wirtshäuser und Cafés: Gut besucht war das frühere Café Merk. Auch Helmut Haller, der von 1966 bis 1979 in Westheim wohnte, kehrte gerne dort und im Tirolerhaus ein. Ebenso ein beliebtes Ausflugsziel war das Park-Café Heider am Kobel. Die Chronik erzählt auch hier über die abwechslungsreiche Geschichte des Lokals. Als um 1900 Westheim ein beliebtes Ausflugsziel für die Augsburger wurde, konnten fünf Gasthäuser bei einer Einwohnerzahl von 430 Leuten existieren. Diese florierende Wirtshauskultur gehört allerdings der Geschichte an.

Beim Blättern in der Chronik werden für Einheimische viele Erinnerungen wach werden. Fröhliche Zeiten im Schmutterbad oder der Wintersport auf dem Kobel gehören dazu. Aber auch für jüngere Generationen oder Nicht-Westheimer ist das Buch lesenswert und enthält Überraschendes. Die Leser lernen auf kurzweilige Art einen kleinen Ort kennen, über den es ungewöhnlich viel zu erzählen gibt.

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