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Kirche

24.10.2019

Die Angst vor der Schändung

In der Kirche St. Martin in Heretsried haben Diebe am Sonntag den Opferstock aufgebrochen und einen Hostienkelch aus dem Tabernakel entwendet.

Ein katholisches Gotteshaus in der Nachbarschaft wurde geschändet. Das hat auch Auswirkungen auf das Dekanat Donauwörth

Es hilft kein Rütteln und kein Schütteln – das Liebfrauenmünster, Donauwörths zentrales Gotteshaus im Herzen der Stadt, ist zu. Und nicht nur die Stadtpfarrkirche ist betroffen. Ein weißes Schild ist dieser Tage an jeder katholischen Kirchentür angebracht, seit wenigen Tagen sind die Gotteshäuser im Dekanat Donauwörth außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen. Grund dafür sind Einbrüche und sogar Schändungen in den benachbarten Dekanaten.

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Karl-Georg Michel, Leiter der Pressestelle im Bistum Augsburg, erläutert auf Nachfrage unserer Zeitung, was passiert war: „Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen gab es am vergangenen Wochenende – die Tatzeiten stehen nicht genau fest – in mindestens vier Kirchen Einbrüche beziehungsweise Einbruchversuche.“ Es handelt sich um die Gotteshäuser in Heretsried, Zusamzell, Villenbach und Pfaffenhofen/Zusam. Über die Höhe des entstandenen Sachschadens könnten allerdings noch keine verlässlichen Angaben gemacht werden, so Michel. In Heretsried wurde auch der Tabernakel aufgebrochen, es wurde ein Gefäß mit konsekrierten Hostien entwendet. Diese Schändung der Kirche in Heretsried sorge „bei der Diözese und vielen Gläubigen für große Bestürzung“.

Aufgrund dieser Vorkommnisse hat Domkapitular Harald Heinrich, Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators, bereits am Montagnachmittag vorsorglich die Schließung aller Kirchen und Kapellen in den Dekanaten Augsburg-Land, Dillingen und auch Donauwörth außerhalb der Gottesdienstzeiten veranlasst. Sofern eine Aufsicht anwesend sei, könnten die Kirchen weiterhin geöffnet bleiben, heißt es aus Augsburg.

Die Angst vor der Schändung

Diese Anordnung sei indessen „nur vorübergehend“. Wie lange sie Bestand haben wird, stehe allerdings „noch nicht fest“. Doch Michel betont auch: „Es ist der Diözese jedoch ein großes Anliegen, Kirchen und Kapellen als Orte des Gebetes und der Einkehr sowie Ausdruck unserer christlichen geprägten Kulturlandschaft offen zu halten.“

In der Diözese Augsburg gibt es weit mehr als 2000 Kirchen und Kapellen. Einbruchversuche und insbesondere Opferstockdiebstähle habe es, wie das Bistum weiter mitteilt, „zu allen Zeiten“ gegeben und „gibt es auch heute immer wieder“. Besondere Auffälligkeiten hätten sich dabei in den vergangenen Jahren aber nicht ergeben: „Dies liegt sicher auch an den diversen Sicherheitsmaßnahmen, die seitens der Kirchenstiftungen und auch der Diözese ergriffen wurden und auch laufend verfeinert werden.“

Auch in der Kirche St. Martin im Buttenwiesener Ortsteil Pfaffenhofen (Kreis Dillingen) wurden laut Polizeiangaben zwei Opferstöcke aufgebrochen. Hier löste beim Versuch, den Tabernakel aufzubrechen, ein Alarm aus, woraufhin der Täter in Richtung Sportplatz flüchtete. In die Kirche St. Stephan in Zusamaltheim (Kreis Dillingen) wurde eingebrochen, nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei jedoch nichts entwendet. Die Täter versuchten zudem, die Zugangstüren der Kirche St. Jakobus in Villenbach aufzuhebeln, was erfolglos blieb.

Wie der Verwaltungsleiter der Pfarreiengemeinschaft Donauwörth berichtet, sei im Dekanat Donauwörth keine Kirche betroffen. Doch auch hier muss man wachsam sein.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand des Polizeipräsidiums Schwaben-Nord wird davon ausgegangen, dass an den Taten „mindestens zwei Täter beteiligt sind“. Im Umfeld der angegangenen Kirchen in den benachbarten Dekanaten wurden zu den Tatzeiten zwei beziehungsweise drei dunkel gekleidete Männer im Alter von etwa 20 bis 25 Jahren beobachtet, welche sich verdächtig verhielten. Weiterhin fiel in diesem Zusammenhang ein hellgrauer Mittelklassewagen mit ausländischer Zulassung, aber auch ein älterer Pkw in verblasstem Grün, ähnlich der älteren Mercedes C- oder E-Klasse-Limousinen auf.

bittet alle Gläubigen in der Region um erhöhte Aufmerksamkeit und darum, sich mit Zeugenhinweisen, auch was die Fälle in der Nachbarschaft angeht, an die Kriminalpolizei in Dillingen zu wenden (Telefonnummer 09071/56-0).

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