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Naturereignis über Zusmarsausen und Altenmünster

21.03.2015

Die Begegnung mit Sofi

In der Sternwarte Violau erklärte Christoph Mayer das Himmelsphänomen.
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In der Sternwarte Violau erklärte Christoph Mayer das Himmelsphänomen.

Warum beim Rudelgucken Regeln galten, zeigte ein Brandloch in der Sternwarte

Von Manuela Rauch (Text) und Marcus Merk (Fotos)

Violau/ Zusmarshausen Um genau 10.38 Uhr wurde es ganz still. Nach 60 Minuten faszinierendem Naturschauspiel hatte sich der Mond fast komplett vor die Sonne geschoben. Das Augsburger Land versank für wenige Minuten in eine märchenhafte Abenddämmerung. Dazu hüllte die Sonnensichel mit ihren letzten Strahlen alles in einen goldenen Schimmer.

Um dieses seltene Spektakel so gut wie möglich zu erleben, pilgerten zahlreiche Hobbyastronomen schon in den frühen Morgenstunden in die örtlichen Sternwarten. In Violau (Gemeinde Altenmünster) hatte sich Christoph Mayer passend zum Anlass in gelb gekleidet und erklärte neugierigen Grundschülern das Phänomen am Himmel. Freilich nicht, ohne vorher den ultimativen Warnhinweis loszuwerden, ohne Schutzbrille niemals einen Blick in die Sonne zu riskieren.

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Mayer weiß, wie man Kinder beeindruckt. Das große Teleskop unter der Kuppel hat er direkt auf die Sonnenscheibe ausgerichtet. Vor das Okular hält er jetzt ein Stück Zeitungspapier. Das fängt sofort an zu qualmen, wenig später hat es ein großes Brandloch. „Jetzt stellt euch mal vor, das passiert mit eurem Auge.“ Entsetzte Gesichter im Publikum. Mayers Demonstration zeigt Wirkung.

Wieder im Freien, wagt erst einmal keiner einen Blick gen Himmel zu werfen. „Sieht aus wie ein angebissener Keks“, findet der Siebenjährige Dominic, als er in eins der präparierten Teleskope schaut. Marie kann sich gar nicht vorstellen, dass die Sonne so weit weg ist. „Die sieht doch eigentlich richtig nah aus“, staunt die Achtjährige. Klassenlehrerin Gerda Groß ist hingerissen von der kindlichen Begeisterung. Schon am Vortag hatte man sich auf das Thema eingestimmt. „Ist doch klar, das ist ein so besonderes Ereignis“, sagt sie.

Für Christoph Mayer hat die Sonnenfinsternis etwas Magisches an sich. „Vor allem, weil dies die einzige Gelegenheit ist, einen Neumond zu sehen.“ Denn dieser würde fälschlicherweise oft als Schatten interpretiert. „Und das stimmt ja eigentlich nicht, denn auf der Sonne gibt es keinen Schatten“, erklärt er.

In Zusmarshausen an der Realschule geht es zum Rudelgucken in Grüppchen vor die Tür. Physiklehrer Sven Ungelenk verteilt im Akkord Schutzbrillen an die Jugendlichen. Die hatte er wohlweislich schon drei Wochen vorher bestellt. Im Internet kletterten die Preise zuletzt auf über 100 Euro für die Pappgestelle. Ungelenk lacht. Für einen Moment hatte er daran gedacht, die Brillen wieder zu verkaufen, sagt er. „Wäre für die Klassenkasse auch nicht schlecht gewesen.“ Die Teenies wissen, wie man heute die SoFi guckt. Mit Schutzbrille vor der Handykamera wurden die besten Bilder sofort an Freunde und Familie gesendet. „Die kriegen jetzt alle“, sagt die 13 jährige Alina.

Nicht ganz so entspannt war man in der Netzzentrale der Lechwerke AG in Augsburg. Der Energieversorger hatte sich personell mit etlichen Fachkräften verstärkt. Mit dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion wurden Notfallszenarien durchgespielt. Zu groß war die Sorge, dass es beim Wiederauftauchen der Sonne zu plötzlichen Störungen kommen könnte.

Doch der befürchtete Blackout blieb aus. „Wir haben die Belastungsprobe bestanden“, sagt Thomas Renz erleichtert. Das Ereignis habe jedoch allen vor Augen gehalten wie notwendig gesicherte Kraftwerkskapazitäten für den Ausgleich der Schwankungen der erneuerbaren Energien wären, sagt Theo Schmidtner, Geschäftsführer der LEW Verteilnetz. „Die Photovoltaik Leistung fiel von 915 Megawatt auf 350 Megawatt, zur Mittagszeit hatten wir dann einen enormen Anstieg auf fast 1280 Megawatt“, so Renz. Rund 66000 Solaranlagen in Schwaben sind am Verteilernetz angeschlossen. Keine musste abgeschaltet werden. Auch der Solarparkbetreiber vento ludens meldete keine Störungen. Pünktlich zur Mittagszeit war der Spuk schon wieder vorbei und die Sonne zeigte sich zum astronomischen Frühlingsanfang von ihrer besten Seite. Die Wartezimmer der Augenärzte waren übrigens nicht voller als sonst. Man hätte keinen einzigen Patienten wegen der Sonnenfinsternis behandeln müssen, verriet die Mitarbeiterin einer Neusässer Praxis.

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