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Gastronomie

29.05.2020

Die Gasthäuser im Augsburger Land öffnen - doch die Gäste bleiben aus

Zumindest diese zwei Gäste prosten sich im Bräustüberl in Zusamershausen fröhlich zu: Bastian Pluschkat und Sabine Reiel aus München freuen sich, dass sie wieder einkehren können.
Bild: Andreas Lode

Plus Die Wirtshäuser im Augsburger Land sind größtenteils wieder geöffnet. Dennoch sehen die Wirte ihre Existenz weiter bedroht. Eine Zerreißprobe.

Eigentlich steht dem Wirtshausbesuch am langen Pfingstwochenende nichts mehr im Wege – eigentlich. Denn offenbar trauen sich viele Gäste noch nicht wieder ins Gasthaus. Trotz Biergartenwetter bleiben viele Stühle leer. Dabei darf die Außengastronomie nun doch schon am Wochenende länger öffnen. Denn wie am Freitagnachmittag bekannt wurde, zieht die Staatsregierung nach einer Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Augsburg die eigentlich erst für Dienstag nach Pfingsten geplante Verlängerung der Öffnungszeiten um zwei Stunden für alle gastronomischen Außenbereiche vor. Doch was nutzt das den Gastronomen?

Das Urteil von Thomas Hebstiel ist eindeutig: „Nichts.“ Seit mehr als sieben Jahren ist er Pächter des Bräustübles in Ustersbach. Durch das Coronavirus sieht er seine Existenz und die seiner 14 Mitarbeiter bedroht. An einem schlechten Tag komme er gerade einmal auf 300 Euro Umsatz am Tag. Um die Fixkosten zu decken, habe der Wirt eine Menge privates Geld in das Bräustüble gesteckt.

Gastronomie im Landkreis Augsburg: Die meisten Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

„Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig“, so beschreibt Thomas Hebenstiel die Lage. „Keine andere Branche hat Corona so stark getroffen.“ Glücklicherweise verzichte die Brauerei Ustersbacher derzeit auf die Pacht, erklärt der Wirt. Ansonsten hätte er wohl schon dichtmachen müssen. Obwohl mittlerweile nicht mehr nur der Biergarten, sondern auch die Gasträume geöffnet sind, seien die Verluste riesig. Von den 14 Mitarbeitern im Ustersbacher Wirtshaus arbeiten derzeit nur noch vier. Alle anderen sind zu Hause in Kurzarbeit. Ähnlich ist die Situation auch bei Hebenstiels Kollgen.

Die Gasthäuser im Augsburger Land öffnen - doch die Gäste bleiben aus

„Das Geschäft läuft nur schleppend“, sagt Christian Speetzen, Wirt im Gasthof Kloster Holzen. Hier ist mittlerweile draußen und drinnen wieder geöffnet, viel los ist dennoch nicht. Bessern werde sich die Lage wohl erst, wenn wieder verschiedene Hausstände gemeinsam an einem Tisch sitzen dürfen, meint Speetzen. Dann wären auch kleine Feste wieder möglich. Bis dahin bleibe die Lage mehr als angespannt.

Wirtin Stefanie Daute bringt im Bräustüberl die Verhaltensregeln an.
Bild: Andreas Lode

Im Bräustüble in Zusmarshausen sind derzeit nur noch vier von 20 Arbeitskräften im Einsatz, sagt Wirtin Stefanie Daute. Sie sorgt sich um ihre Mitarbeiter, von denen sie bislang noch niemanden entlassen musste. An freien Plätzen mangelt es auch im Zusmarshauser Wirtshaus nicht. Am Freitagmittag hat Daute gerade einmal zwei Gäste. Dabei wäre Platz für 100 Gäste. Selbst an guten Tagen sei das Wirtshaus momentan nicht einmal zur Hälfte ausgelastet, erzählt die Wirtin.

Nicht alle Gäste haben Verständnis

Daute: „Mit der Zeit vor Corona hat das nichts zu tun.“ Die Unsicherheit sei groß, die Auflagen streng. So müssen die Mitarbeiter zum Beispiel stets Masken tragen, wenn sie im Kontakt zu Kunden sind. Auch in der Küche herrsche Maskenpflicht, sagt Daute. Nur um das Essen zu probieren, könne die Maske kurz hochgeklappt werden. Und auch die Gäste müssen sich und andere schützen. Verständnis bringt dafür nicht jeder Gast auf. Dieses führe teils zu skurrilen Szenen. „Der erste Tisch im Biergarten ist nur einen Meter vom Eingang entfernt“, sagt Daute. Und für diesen einen Meter müssten die Gäste Masken tragen.

Am Platz selbst allerdings darf diese wieder abgenommen werden. Das habe schon zur einen oder anderen Diskussion geführt, erzählt die Wirtin. Doch sie fürchtet sich vor Strafen. „Die Zeiten sind schon so schwer genug“, sagt Daute. Acht Wochen lang musste das Bräustüble geschlossen bleiben. Die Zukunft ist weiter ungewiss.

Einige Wirtshäuser mussten wegen Corona schließen

Gasthäuser, die auch vor Corona bereits zu kämpfen hatten, traf das Virus besonders hart. So musste der Pächter des Gersthofer Wirtshauses Zum Strasser wegen der finanziellen Folgen des Virus’ schließen. Auch die Pächter des Deuringer Hofs im Stadtberger Stadtteil Deuringen gaben wegen der Corona-Krise auf. „Corona hat uns das Genick gebrochen“, schrieben die Wirtsleute Nadine und Rainer Staricha ihren Gästen eine Abschiedsnotiz.

Desinfektionsmittel ist in Corona-Zeiten ein wichtiges Utensil.
Bild: Andreas Lode

Noch vor der Eröffnung steht nun auch das neue Restaurant der Tafeldecker am Hopfengarten in Stadtbergen vor Problemen. Eröffnet wurde mit Gerichten zum Mitnehmen, mittlerweile hat auch der Biergarten geöffnet. Die Innenräume sollten eigentlich zum ersten Mai eröffnen. Doch Corona machte dem Geschäftsführer Torsten Ludwig einen Strich durch die Rechnung.

Tafeldecker in Stadtbergen muss Eröffnung wegen Corona verschieben

Er führt auch das Restaurant Tafeldecker in Augsburg. Doch weil auch dort derzeit Gäste ausbleiben, könne er den Verlust in Stadtbergen nicht auffangen. „Zum Glück haben wir für das neue Restaurant noch nicht eingestellt“, sagt Ludwig. Die meisten Mitarbeiter musste der Wirt in Kurzarbeit schicken.

Für das Pfingstwochenende gibt es in dem Biergarten noch eine Menge freier Plätze – wie in den Wirtshäusern in Ustersbach und Zusmarshausen. Offenbar trauen viele Kunden den neuen Freiheiten noch nicht so recht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Es geht um Existenzen

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