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Neusäß

23.01.2020

Die Gesellschaft wird als Holzfigur in Neusäß ausgestellt

„Der Leser“ heißt diese Skulptur von Ulrich Weber. Noch bis zum 5. März sind die Werke des Künstlers in Neusässer Rathaus zu sehen. 
Foto: Merk

Ulrich Weber vereint Fotografien und Skulpturen unter dem Motto „Bäume, Menschen und ein Hund“ im Neusässer Rathauses. Einige Werke verblüffen den Betrachter.

Holz ist ein Teil der Natur, wird in der Kunst auch oft als Symbol für die noch unberührte, aber auch die geknechtete Welt verwendet. Dem Holz widmet sich Ulrich Weber in verschiedenen Betrachtungsweisen in seiner aktuellen Ausstellung „Bäume Menschen und ein Hund“ in der Neusässer Rathausgalerie.

Die Schau unter den Fittichen des Kulturkreises Neusäß vereint Fotografien und Holzplastiken Ulrich Webers. Ulrich Weber ist mit Unterbrechungen seit seiner Kindheit Bürger von Neusäß. In seinem Berufsleben war er Kunstpädagoge und dabei einige Jahre an den Lehrstuhl für Kunstpädagogik der Universität Augsburg teilabgeordnet. Er präsentiert Fotos und Holzskulpturen.

Ihn reizen die Charaktere der Bäume

„Mit seinem Fotoapparat erkundet er vor allem Landschaften, insbesondere Wälder in Schwaben“, so Vernissagerednerin und Kunstpädagogin Christiane Schmidt-Maiwald. Die Ausstellung konzentriert sich auf das Thema Wald. „Ulrich Weber interessieren nicht nur die grafischen Strukturen der unterschiedlichen Baumarten. Ihn reizen die Charaktere der Bäume als Baumgruppen oder in speziellen Waldsituationen.“

Manchmal stehen Bäume auch so nahe zusammen, dass sie eine Lebensgemeinschaft bilden, obwohl sie diese nicht freiwillig eingegangen sind. Eine solche Baumkonstellation zeigt die Fotografie „Harmonisches Baumpaar“. Hier schmiegen sich zwei Baumstämme eng aneinander. Mehr eine behütende Funktion nehmen wiederum die „Schutzpatrone“ ein: Zwei alte Baumriesen wölben sich über eine kleine Feldkapelle. Obwohl sie in der kalten Jahreszeit ihre Blätter abgeworfen haben und nur noch ihre Astfinger in die Landschaft strecken, vermitteln sie den Eindruck des Schutzes.

Auf den Fotografien sind keine Menschen zu sehen

Auch wenn Ulrich Weber den Bildern von Bäumen und Waldszenen Namen gibt, die spontan eher mit Menschen assoziiert werden, beispielsweise „Liebelei“ oder „Altes Paar“ und „Techtelmechtel“, sind auf den Fotografien selbst keine Menschen zu sehen. Mithilfe digitaler Bearbeitung setzt der Künstler einzelne oder mehrere Waldausschnitte in den Vordergrund – die hinteren Bereiche der Fotos sind dann farblich verfremdet und stilisiert. Prägend für die Serie der Fotografien ist die Form der Reihung – diese bietet sich auch bei den Waldszenen an. Stamm an Stamm ragt nach oben.

Das Holz als Ausgangsmaterial verbindet die Fotoarbeiten mit den Skulpturen Ulrich Webers. Bei Letzteren arbeitet der Künstler mit vielen unterschiedlichen Hölzern. „Alle Holzstücke vereint, dass sie aus dem Lebensumfeld des Künstlers stammen, sei es, dass sie aus seinem eigenen Garten kommen oder von benachbarten Grundstücken, von denen Bäume weichen mussten“, so Christiane Schmidt-Maiwald weiter. „Hier steht der Mensch de facto im Mittelpunkt des Interesses, so wie ihn der Künstler aus alltäglichen Begegnungen in Erinnerung hat.“

Es sind dabei durchaus ausdrucksstarke Arbeiten entstanden. Bei „Luis und ich“ schmiegt sich ein Kind an den Rücken einer hoch aufgeschossenen schlanken Erwachsenengestalt. Ganz versunken sitzt der „Leser“ dort, statt auf die Umgebung ist er auf das Buch auf seinem Schoß konzentriert.

Eine Parabel vom Umgang der reichen Länder mit den Flüchtlingen

Eine abrupte Ablehnungsgeste einer von zahlreichen Figuren verblüfft und schockiert bei der Figurengruppe „Die gehören nicht dazu!“. Einer von mehreren grauen, aggressiven Männern zeigt mit einem vom Künstler übergroß dargestellten Arm und Zeigefinder auf eine Gruppe Menschen. Diese drücken sich zum Teil ängstlich aneinander. Diese Arbeit ist durchaus als eine Parabel vom Umgang der reichen Länder mit den Flüchtlingen zu verstehen. Innigkeit spricht aus der „Familie“: Eltern und Kind präsentieren sich in intimer Harmonie.

Nur einmal zeigt eine Skulptur keine menschliche Gestalt: „Was sagst du?“, fragt ein kleiner Hund, der hier als treuer Begleiter des Menschen vielleicht vor seinem Stammbaum sitzt und auf ein Frauchen oder Herrchen wartet. Der treuherzige Blick hat etwas anrührend Komisches.

Öffnungszeiten Bis zum 5. März jeweils Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr sowie Freitag von 8 bis 12 Uhr im Neusässer Rathausfoyer, Hauptstraße 28. Ulrich Weber führt am Mittwoch, 5. Februar, von 17 bis 18 Uhr selbst durch die Ausstellung.

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