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Neusäß-Hainhofen

31.12.2020

Die Grünen wollen die Krautgärten in Hainhofen erhalten

So sehen die Krautgärten in Hainhofen aus, wenn dort Sommerblumen blühen. Die Grünen wollen die Gärten erhalten, die bereits seit 1840 dort angelegt sind.
Bild: Helmut Weinl (Archivbild)

Plus Krautgärten sind mehr als Schrebergärten der Vergangenheit. In Hainhofen gibt es sie noch. Doch das könnte sich ändern. Was Wissenschaftler dazu sagen.

Straßenfurten und Hohlwege, die schon vor Jahrhunderten benutzt wurden, in Terrassen angelegte Felder oder die Fundamente längst zerstörter Gasthöfe - all das sind Spuren der Menschen, die im Landkreis Augsburg vor Generationen gelebt haben. Im Neusässer Stadtteil Hainhofen zählen zu diesen Spuren der Kultur auch die Krautgärten. Krautgärten, das waren einst blanke Ackerflächen, die kleinen Leuten überlassen wurden. Hier konnten sie die Erde urbar machen und ihr Gemüse selbst anbauen. Mit "Kraut" war übrigens vor allem das "Heilkraut" gemeint - ein wichtiger Aspekt in Zeiten, in denen Arzt und Apotheke allein für die fast aussichtslosen Fälle vorbehalten waren. Doch die Krautgärten in Hainhofen könnten innerhalb der nächsten Jahrzehnte verschwinden. Im neuen Flächennutzungsplan der Stadt sind sie als Entwicklungsfläche für den Wohnbau vorgesehen. Die Grünen wollen das nun verhindern.

Denn diese historische Kulturlandschaft soll erhalten bleiben, findet die Fraktion der Grünen in Neusäß. Bereits auf einer Karte aus dem Jahr 1840 sind die Krautgärten in Hainhofen markiert. Doch das könnte eventuell in Zukunft zu Ende gehen. Unter anderem habe sich das aus Gesprächen mit den Eigentümern der Flächen ergeben, erinnerte Bürgermeister Richard Greiner jetzt auf der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses: Die seien nämlich auf ihn zugegangen und hätten berichtet, dass einige ihrer Pächter der Parzellen die Krautgärten, etwa aus Altersgründen, nicht weiter bewirtschaften wollten.

Ein wissenschaftliches Projekt ändert die Lage in Hainhofen

Doch nun habe sich die Lage geändert, so Grünen-Stadträtin Silvia Dassler auf der Sitzung. Schließlich sei vor ein paar Monaten, als der Flächennutzungsplan beschlossen wurde, noch nicht bekannt gewesen, was man heute weiß. Die Krautgärten sind von der Kreisheimatpflegerin für Archäologie, Gisela Mahnkopf, in die Liste der Kulturspuren im Landkreis aufgenommen worden. Jahrelang haben sich Mahnkopf und ein Team der Uni Augsburg um Privatdozent Markus Hilpert damit befasst, welche Spuren von Menschen aus vergangenen Jahrhunderten im Landkreis Augsburg noch zu finden sind. Es geht um jene Zeichen der Besiedlung, die bislang durch das Raster von Natur- und Denkmalschutz gefallen sind, so Gisela Mahnkopf einmal bei der Vorstellung des Projekts.

Die Krautgärten in Hainhofen existieren an dieser Stelle schon seit mindestens 1840. Die Grünen wollen sie auch für die Zukunft erhalten.
Bild: Hannes Grönninger

Das Projekt ist in seinem Umfang bislang einzigartig in Deutschland. Rund tausend Spuren aus 7000 Jahren Siedlungsgeschichte haben Hilpert und sein Mitarbeiter dabei erfasst. Zum Teil gelang das nur durch modernste Technik: So wurde per Flugzeug die Landschaft abgescannt, um erkennen zu können, woher beispielsweise bislang kaum beachtete Furchen in einem Wald stammen. Gleichzeitig gab es auch Stammtische, bei denen Alteingesessene erzählten, was vor Jahrzehnten noch bekannt war, heute aber kaum noch sichtbar ist: Ein alter Weg, ein alter Gasthof oder ein Brunnen, der zugeschüttet wurde. Ziel des Projekts ist unter anderem auch, die wichtigsten der Spuren touristisch nutzen zu können, etwa mit einem Radweg von Ort zu Ort.

Auch der Eiskeller des "Himmelreichs" ist eine Kulturspur

In Neusäß sei man ja ohnehin mit Denkmälern nicht so sehr reich gesegnet, so Silvia Dassler jetzt auf der Sitzung. Einige Spuren haben die Wissenschaftler aber doch auch dort gefunden. Da geht es etwa um ehemalige Schützengräben in Steppach, die heute fast im Wald verschwunden sind. Oder um den so genannten "Doktorweg" von Hirblingen nach Täfertingen, der eben damals vom Arzt benutzt wurde. Auch der ehemalige Eiskeller der Gaststätte "Himmelreich" in Hainhofen gehört dazu oder das heute zum Wohnhaus umgebaute ehemaligen Kurhaus in Westheim.

Spuren der Siedlungsgeschichte der Menschen im Augsburger Land - die sind überall besonders aus der Luft gut sichtbar. Das Kieswerk Thaler im Neusässer Stadtteil Täfertingen und seine Veränderungen in der Landschaft gehören dazu, aber auch Felder oder Siedlungen.
Bild: Marcus Merk

Und eben die Krautgärten - zu denen Silvia Dassler auch ganz andere Informationen vorliegen: Nicht die Pächter wollten die Gärten nicht mehr bewirtschaften. Vielmehr wollten die Eigentümer, dass die Gärten nach und nach aufgegeben würden. An dieser Stelle schlagen die Grünen vor, die Krautgärten möglicherweise mittels eines Vorkaufsrechts durch die Stadt Neusäß zu erwerben und so zu erhalten. Unter anderem die Bewertung der heutigen Krautgärten als mögliche Fläche für den Wohnbau war es, der die Grünen nicht der neuen Fassung des Flächennutzungsplans zustimmen ließ. Ein solches Vorkaufsrecht könne aber nur dann entstehen, wenn die Grundstücke überhaupt zum Verkauf stünden, so Bauverwaltungsleiter Gerald Adolf. Im Moment sei das nicht der Fall.

Richard Greiner: So schnell geschieht dort eh nichts

Ganz so eilig sieht Bürgermeister Richard Greiner die Sache nicht. Auch wenn die Krautgärten im neuen Flächennutzungsplan als mögliche Wohnbaufläche ausgewiesen seien, bedeute das noch lange nicht, dass dort auch Baurecht bestehe. Das stehe vielmehr gerade jetzt, wo Neusäß zunächst einmal in den inneren Bereichen der Stadtteile nachverdichten wolle, noch nicht an erster Stelle. Stattdessen soll die Verwaltung nun aber mit der Kreisheimatpflege ins Gespräch kommen und sich darüber aufklären lassen, als wie bedeutsam die Krautgärten historisch einzuordnen sind.

Denn Kulturspuren bedeuten per se nicht, dass dort eine Kommune ein Grundstück nicht nach ihrem Geschmack entwickeln kann. Auch das hatte die Kreisheimatpflegerin auf den Sitzungen des Kulturausschusses des Landkreises, der sie mit dem Projekt beauftragt hatte, immer wieder klar gemacht. Zunächst ginge es einmal um die Kartierung der Zeugnisse aus der Vergangenheit. Sie hatte das Projekt der Kulturspuren immer auch damit erklärt, dass man nur entscheiden könne, was schützenswert ist, wenn man überhaupt von ihm wisse.

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