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11.07.2014

Die Kapelle hält die Kleinrieder zusammen

Ein Zeichen des Zusammenhalts: 1992 haben die Kleinrieder die Kapelle in dem Weiler neu aufgebaut. Das Bild zeigt von links Gloria Napuli mit ihrem Lebensgefährten Georg Weihmayr sowie Elisabeth und Hubert Günther.
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Ein Zeichen des Zusammenhalts: 1992 haben die Kleinrieder die Kapelle in dem Weiler neu aufgebaut. Das Bild zeigt von links Gloria Napuli mit ihrem Lebensgefährten Georg Weihmayr sowie Elisabeth und Hubert Günther.

Obgleich sich mit dem Einzug der Technik vieles verändert hat, haben die Bewohner des Weilers bei Zusmarshausen doch ein gemeinsames Ziel: die Idylle und das Gefühl der Geborgenheit zu bewahren –

Elisabeth Günther stellte sich als Kind manchmal die Frage: „Warum muss ich in diesem verlassenen Nest mit drei Brüdern aufwachsen?“ Damals versprach sie sich, sobald sie kann, wegzuziehen – und das tat sie auch. Im Alter von 16 Jahren zog sie nach München und lebte dort acht Jahre. Doch dann kam sie zurück und baute mit ihrem Mann in Kleinried ein Haus, gründete eine Familie. Heute ist der Weiler bei Zusmarshausen für sie „der schönste Platz auf Gottes Erdboden“. Vergessen sind die neidischen Blicke, die sie ihren Freundinnen einst zuwarf, weil diese in den Kindergarten gehen durften. Heute schweifen ihre Blicke gerne über die traumhafte Landschaft und den Verlauf der Zusam.

Auch ihr Bruder, Georg Weihmayr, erinnert sich noch an die Kindheit im Weiler. „Zur Kommunion war es uns erlaubt, von unserem eigenen Geld unser erstes Fahrrad zu kaufen“, berichtet er. War das Wetter schlecht oder die Wege aufgrund winterlicher Verhältnisse unbefahrbar, fuhren die Kinder morgens mit dem Milchwagen nach Zusmarshausen. „Als ich in die Bundeswehr kam, war es eher bedrückend, zuzugeben, wo ich herkomme“, erinnert er sich. Heute sei er stolz auf Herkunft und Wohnort und genießt den Ruhestand mit seiner aus Kalifornien stammenden Lebensgefährtin Gloria Napuli.

Der größte Unterschied von früher zu heute sei in der Landwirtschaft auszumachen. „Hatte früher noch der Traktor 12 PS, hat mein Rasenmäher heute schon 17“, vergleicht Weihmayr. Und sein Schwager, Hubert Günther, ergänzt: „Früher brauchte man noch 20 Leute, um die Landwirtschaft zu betreiben – und heute noch einen Traktor.“ Der älteste Einwohner, Leonhard Strehle, feiert dieses Jahr seinen 80. Geburtstag und erinnert sich: „Früher gingen wir alles zu Fuß - und liefen gut 25 Minuten zur Schule nach Zusmarshausen, später erst hatten wir ein Fahrrad.“ Seine Frau Johanna schreibt das Zeitalter der Mobilisierung fort: „Zur Hochzeit hatten wir dann sogar ein Auto.“ Familie Strehle wohnt im Haus mit der Nummer 3, was kein Indiz für die Lage im Weiler Kleinried ist, sondern etwas mit der Entstehungsgeschichte der Häuser zu tun hat. Das Elternhaus von Elisabeth Günther und Georg Weihmayr trug einst die Nummer 1,5 und war früher als sogenannte „Sölde“ an das Hofgut Nummer 1 angegliedert. Mit dem Abriss des einstigen Elternhauses und dem Neubau der beiden Wohnhäuser, die heute die Nummern 4 und 5 tragen, wurde die Hausnummer 1 frei – die nun für ein anderes Kleinrieder Haus bezeichnend ist. Das Gemeinschaftswerk der Kleinrieder, die Kapelle, ist ein Zeichen des guten Zusammenhalts im Ort. Sie wurde 1992 mit Finanzmitteln der Gemeinde und der Kirche und durch die Arbeitskraft der Kleinrieder neu aufgebaut. Heute regelt die „Kapellenordnung“, die in Kleinried von Bewohner zu Bewohner weitergegeben wird, wer wann zu putzen oder sich um frische Blumen zu kümmern hat. „Um das Mähen des Rasens kümmert sich mein Bruder“, erklärt Elisabeth Günther. Er ist es auch, der regelmäßig den Marktboten an die Haushalte in Kleinried verteilt. Die Tageszeitung hingegen wird zentral in einer Sammelbox abgelegt und jeder Bewohner kann sie dort abholen. Die Kleinrieder achten aufeinander und halten die Augen offen. „Einst“, so erinnert sich Johanna Strehle, „war mir ein Mann aufgefallen, der etwas Unheimliches an sich hatte.“ Sie meldete dies der Polizei und nur wenig später sei er wegen Schusswaffengebrauch festgenommen worden. Dies ist bis dato der einzige Vorfall, der die Idylle störte. Ob diese auch landschaftlich gesehen gefährdet ist, wird sich zeigen, da die geplante Trassenführung einer diskutierten Ortsumgehung für Steinekirch und Zusmarshausen diese Idylle zerstören könnte. Dass auch hier die Ortsgemeinschaft geschlossen für den Erhalt ihres Kleinrieds eintreten würde, darüber sind sich die Bewohner einig.

Im nächsten Teil unserer Serie stellen wir gleich zwei Weiler in einer Geschichte vor. Wir sind zu Besuch in Ötz und Altenbach bei Thierhaupten.

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