Bonstetten

14.06.2017

Die Kirchenbauer

Kennen sich aus den frühen Tagen des Pfarrgemeinderats und dem Chor: der ehemalige Kirchenpfleger Ludwig Gebele (links) und Anton Mayr vor der Kirche Sankt Stephan Bonstetten.
Bild: Günter Stauch

Als vor 35 Jahren in Bonstetten St. Stephan neu gebaut wurde, gab es auch viele Skeptiker. Ludwig Gebele und Anton Mayr erinnern sich, wie sie das trotzdem umsetzen konnten.

Der Eingabeplan aus dem Jahr 1980 im Maßstab 1:100 liest sich wie das nüchterne Konzept eines gewöhnlichen Siedlungsprojekts: „Neubau eines Kirchenschiffes mit Dienstwohngebäude, Jugendraum und Garagen.“ Dann folgen Flurnummer, Bauherr und Grundstückseigentümer sowie der Name des Architekten. Doch dieses Bauvorhaben war viel mehr. Nämlich „der neue Mittelpunkt eines Ortes, an dem die gläubige Gemeinde Gottes Gnade und Großtat preist und sich selbst Kraft holt für den apostolischen Auftrag in der Welt“. So formulierte es der damalige Bischof Josef Stimpfle, der zwei Jahre später zur Einweihung der neu errichteten Kirche St. Stephan nach Bonstetten kam. Das ist nun 35 Jahre her – Zeit, sich zu erinnern.

Unter den zahlreichen Gästen seinerzeit strahlte einer ganz besonders: Ludwig Gebele. Der gebürtige Bonstetter, der zu dieser Zeit das Amt des Kirchenpflegers ausübte, konnte in diesem Augenblick die Früchte seiner aufopferungsvollen „Lobby“-Arbeit für ein erneuertes Gotteshaus eingefahren sehen. Der rüstige, heute 91-Jährige gilt zwar nicht als Erbauer der Neukirche. Doch die jahrelangen Bemühungen des sehr gläubigen Mannes und seiner Mitstreiter stehen für die wichtigen Bausteine des Vorhabens, das von viel Skepsis begleitet wurde, jedoch dringend geboten schien.

Zwar hatte das alte Kirchengebäude lange hoch über dem Ortskern gestanden und bei Denkmalexperten wegen des barockisierten gotischen Chores, des gotischen Turms und eines spätbarocken Langschiffes aus dem 18. Jahrhundert als stattliches und harmonisches Juwel gegolten. Doch der Zahn der Zeit setzte den meist aus dem Mittelalter bestehenden Komponenten sehr zu. Es wurde baufällig, im wahrsten Sinne des Wortes.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Man hat hier sehr unter frostigen Temperaturen gelitten, da konnte einem sogar das Taschentuch in der Tasche gefrieren“, erinnert sich Gebele heute nur zu gut an die unangenehmen Begleiterscheinungen des gealterten Sakralgebäudes. Dennoch zählte dieses nach den Worten des Festredners Landrat Franz Xaver Frey „zu den wesentlichen Faktoren des Zusammenhalts in der örtlichen Gemeinschaft“. Freilich waren steife Textilien und Hände nicht die einzigen Motive, die den schon damals couragiert auftretenden und gut vernetzten Ludwig Gebele für die Beendigung der schlechten Bausubstanz trommeln ließen – im ganzen Ort und auch am Bischofssitz Augsburg. „Unserem Pfarrgemeinderat war die Verbesserung der baulichen Situation von Kirche und Pfarrhof in Bonstetten ein besonderes Anliegen“, begründet der damalige Vorsitzende Gebele die heftigen Aktivitäten des Laiengremiums, dessen Funktion erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren überhaupt ermöglicht wurde. Zudem habe sich die ganze Gemeinde einen Neubau gewünscht, in dem man mit Chorgesängen und Konzerten Leben in ein besseres Gotteshaus bringen sollte.

Der längere und breitere Nachfolgebau stand dann nach nur knapp zwei Jahren. Die Nutzfläche für Kirchenraum, Sakristei und Vorraum stieg um das Dreieinhalbfache. Die Idee, die Einweihung mit dem Kirchweihfest am 17. Oktober 1982 zusammenzulegen, stammte von Ludwig Gebele. Weil sich „Einzelkämpfer“ mit einem solchen Anliegen meist schwertun, hatte der noch heute quirlige Senior „Gott sei Dank“ ebenso mutige wie engagierte Bürger wie den Pfarrgemeinderatskollegen Anton Mayr an seiner Seite.

Der 82-Jährige, eines von insgesamt sieben Ratsmitgliedern und ebenfalls Liebhaber des fröhlichen und feierlichen Gesangs, sitzt gemütlich am Tisch und lobt den langjährigen Freund: „Bei dem Ganzen warst du die treibende Kraft“, unterstreicht der Bonstetter und weist darauf hin, dass dieser viele Jahre zugunsten der Sache stets auf seinen Urlaub verzichtet habe. Macherqualitäten hatte der angesprochene Hobbytenor, auf dessen künstlerisches Potenzial man auch während seiner Kriegsgefangenschaft in England und den USA aufmerksam wurde, freilich auch in weltlicher Hinsicht unter Beweis gestellt: Zwei Wahlperioden lang führte Ludwig Gebele zwischen 1984 und 1996 die Amtsgeschäfte des Ersten Bürgermeisters. Ein wahrer Diener Gottes und der Kommune.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20P1100491(2).tif
Volkstrauertag

Ein Tag des Gedenkens und der Mahnung

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen