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Buschbrände

06.03.2015

Die Rockstars von der Feuerwehr: Gersthofer bringen Löschfahrzeug nach Kenia

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Klaus Schwenk von Prokapsogo übergibt Gouverneur Cheboi das Löschfahrzeug gegen Buschbrände. Von links: Joshua Kandie (Mitinitiator von Prokapsogo), Heinz Rehberger, Markus Kammerer (beide Feuerwehr Gersthofen), Cheboi, Schwenk, Max Lenz (Feuerwehr Gersthofen)
Bild: Klaus Schwenk, Prokapsogo

Eine Kleinstadt in Kenia erhält ihr erstes Buschlöschfahrzeug. Mittendrin: vier Gersthofer Feuerwehrleute, die das Fahrzeug afrikatauglich umrüsteten.

Diese Überführung eines Feuerwehrfahrzeugs wird Markus Kammerer so schnell nicht vergessen. „Wir hatten das Gefühl: Hier kommt nicht die Feuerwehr – hier kommen Rockstars“, sagt er. Doch nicht für Rockstars säumten Tausende die Straßen des 10.000 Einwohner großen Ortes Kabarnet in Kenia. Stattdessen sangen, tanzten und feierten sie ein Volksfest für die Gersthofer Feuerwehr und Delegierte der Augsburger Hilfsorganisation „Prokapsogo“, die einige Geschenke im Gepäck hatten.

Das größte und wichtigste davon ist ein Buschlöschfahrzeug. Es war nicht gerade nagelneu, aber dennoch eine deutliche Verbesserung zu dem für die Einwohner von Kabarnet im Westen von Kenia. Denn bislang mussten sie die Buschbrände mit Eimern löschen. Denn gute Feuerwehrautos sind rar in der Region. Daher hatten die Feuerwehren von Gersthofen und Affing bereits zwei aussortierte, aber noch funktionsfähige Wagen an Orte im Baringo County gespendet. Jedoch mit einem Schönheitsfehler: Die deutschen Fahrzeuge sind nicht für den Kampf gegen Buschbrände geeignet und werden daher nur in den Städten eingesetzt.

Gersthofer Feuerwehr rüstet Maschine afrikatauglich um

Doch Buschbrände gehören in Ostafrika zur Tagesordnung. Also kaufte „Prokapsogo“, unterstützt von der Gersthofer Feuerwehr, das Fahrzeug. 27 Jahre ist es alt und war einst in Südfrankreich im Einsatz. Über einen Zwischenhändler aus Hessen gelangte es schließlich zur Gersthofer Feuerwehr, die die Maschine afrikatauglich umrüstete. Die bestechenden Eigenschaften des neuen Autos: Es ist geländefähig, hat Allradantrieb, eine vor allem mechanische Funktionsweise ohne viel teure Elektronik, 60 Zentimeter Bodenfreiheit und einen doppelt so großen Tank, wie normale Feuerwehrwagen. „Da, wo dieses Fahrzeug nicht hinkommt, da kommt gar keins hin“, schwärmt Kammerer.

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Manchmal kann dieses „Hinkommen“ aber auch einer Odyssee gleichen. Noch bevor das Fahrzeug die Garage in Gersthofen verlassen konnte, stellte sich die Bürokratie quer. Denn der hessische Zwischenhändler hatte die Originalpapiere des Fahrzeugs nicht. „Die wollten die französischen Vorbesitzer nicht herausrücken“, sagt Kammerer, „am Ende gab es eine komplette Neuabnahme beim TÜV.“ Das Auto wurde in seine Bestandteile zerlegt, alle rostigen Stellen ausgetauscht. Auf die 5000 Euro Kaufpreis kamen noch einmal 2000 Euro nur für die Umbauten drauf. Für weitere 4050 Euro konnte das Fahrzeug dann in die kenianische Hafenstadt Mombasa geschickt werden.

Über Mannheim und die Niederlande nach Ostafrika

Über Mannheim und die Niederlande ging der Wagen dann auf seine anderthalbmonatige Reise nach Ostafrika. In Mombasa angekommen, stoppte erst der Zoll den Transport. Dann konnte der Löschwagen endlich nach Kabarnet aufbrechen. Dafür musste nur noch eine Strecke von knapp 800 Kilometern zurückgelegt werden. Also etwa die Strecke von Augsburg nach Hamburg. Nur eben auf kenianischen Straßen statt Autobahnen.

„Unsere Fahrer haben 26 Stunden gebraucht. Reine Fahrzeit, ohne die Übernachtungen mit einzurechnen“, sagt Kammerer. Die Delegation um Markus Kammerer, Max Lenz, Heinz Rehberger, Helmut Schuster (alle Feuerwehr Gersthofen) und Klaus Schwenk (Prokapsogo) durfte den Flieger nach Nairobi nehmen.

„Es ist dort so hügelig und grün, gar nicht so, wie man sich das immer vorstellt. Und die Menschen sind so dankbar.“ Die Delegation hatte neben dem Löschfahrzeug noch weitere Geschenke dabei. Er werde nie vergessen, „wie die Kinder in ihren Uniformen aus den Schulen gerannt kamen, um uns zu begrüßen“, so Kammerer. Oder auch den Besuch einer Blinden- und Behinderteneinrichtung, für die „Prokapsogo“ Betten und weitere Pflegeutensilien mitbrachte. In Kirchen verteilten sie Keyboard-Orgeln. An Schulen wurden Laptops und Sportequipment gespendet. „Die Leute feierten uns sogar für simple Fußbälle – hier in Deutschland würde dafür nicht mal ein Lehrer erscheinen“, sagt Kammerer und verspricht: „Wir waren nicht das letzte Mal in Kenia.“

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