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Stauden

22.09.2019

Die Staudenbahn wird zur wandernden Kirche

Neuland auch für Pfarrer Alan Büching: Zum ersten Mal hält er einen Gottesdienst in einem Zug ab. Mit dabei die Gruppe ScheinEilig, die musikalisch begleitet.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Gebete und Musik erklingen in der Staudenbahn. Die evangelische Kirchengemeinde ruft aus einem besonderen Grund diese Aktion ins Leben und hat noch mehr vor. 

Gebete werden gesprochen, spirituell-geistliche Anmerkungen. Ein Liedtext schwirrt durch die Luft: „Sende mir den Wind des Lebens, / alles um mich her verändert sich so sehr.“ Die Band ScheinEilig aus Violau begleitet die Psalmen musikalisch. Nein, wir befinden uns nicht in einer Kirche. Das alles spielt sich in Großraumwagons der Staudenbahn ab.

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Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Diedorf-Fischach hat sich entschlossen, den traditionellen Gottesdienst in der Diedorfer Immanuelkirche zu verlegen und auf einer Zugfahrt mit Event-Charakter zu feiern. Und so geht es mit der angemieteten Staudenbahn, die in ihrer langen Geschichte – wie Geschäftsführer Hubert Teichmann feststellt – bislang noch kein derartiges Ereignis verbuchen konnte, von Diedorf über Gessertshausen, Margertshausen und Fischach zur Haltestelle Schloss Elmischwang.

Dorthin gehen, wo die Menschen leben

Pfarrer Alan Büching ist von dieser Idee der „wandernden Kirche“ begeistert: „Unser Kirchenvorstand hat bereits vor Jahren erkannt, dass wir nicht nur in den Kirchenräumen bleiben dürfen.“ So sei der Gedanke entstanden, dorthin zu gehen, wo die Menschen im großflächigen Gebiet der Kirchengemeinde leben. So seien bereits Gottesdienste in einer Schulaula und in einem Gemeindesaal abgehalten worden.

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Ein Gottesdienst im Zug habe dabei auf der Hand gelegen, meint der Geistliche: „Eine Zugfahrt ist thematisch in vielen Bereichen mit unserem Leben vergleichbar. Richtig einsteigen, die Auseinandersetzungen mit Verspätungen und das Ziel der Reise mit seinen kleinen und großen Abschnitten im Blick behalten.“ Halt machen, um Stationen zu bewältigen und zu stärken. „Der Mensch befindet sich in seinem Leben auf einer Durchreise, auf einer Bahnfahrt“, betont Büching. Er brauche Ziele, damit Neues entstehe. Der Staudenbahn-Gottesdienst sei deshalb mehr als ein Gag. „Er ist ein Angebot an alle Menschen, unabhängig von der Konfession, eine Art Überwindung der eigenen Grenzen“, verdeutlicht der Pfarrer. „Hier kommen Menschen miteinander ins Gespräch und finden vielleicht auch Faszination am Glauben.“

Eine Art Kirchenausflug

So sehen es auch die Teilnehmer. Helmut Lechler ist einer der rund 200 Personen, die sich der „wandernden Kirche“ angeschlossen und sich nach Gottesdienstende bis zur Rückfahrt bei Grillwürstln und Getränken im Schlosspark von Elmischwang eingefunden haben. Er bezeichnet die Fahrt als eine Art Kirchenausflug, der die Menschen anlockt und das Miteinander festigt und bündelt. Dennoch, meint er weiter, dürfe man den Stützpunkt, also die Immanuelkirche, damit nicht schwächen.

Christine-Elisabeth Gerstenkorn sieht es ähnlich. Für die Künstlerin bedeutet diese Form des Gottesdient ein „absolutes Neuland“. Ein Neuland, das sie fasziniert. Sie spricht von einem Highlight, das ihrer Seele gut tue. Die Wagons seien für die Aktion zwar etwas unpersönlich, aber wunderbar nostalgisch. Das wecke Erinnerungen. Das Wort Gottes komme bei ihr jedenfalls an. Gleichzeitig sagt sie aber, dass solche Events nicht zur Gewohnheit werden dürfen. „Dann sind sie keine Highlights mehr.“

Mit dem Gottesdienst in der Staudenbahn sei die Kirche auf einem guten Weg, ergänzt Dorothea Strehle. „Damit motiviert sie Menschen, die so wiederum Gott neu kennenlernen.“

Auch im nächsten Jahr gibt es besondere Gottesdienste

Und Pfarrer Alan Büchings Fazit? Aktionen wie diese seien wichtig, weil immer weniger Leute die Kirche besuchen. „Mit dem Motto der wandernden Kirche tragen wir so das Evangelium zu den Menschen, zudem unsere Präsenz, und erzeugen damit lebendiges Miteinander“. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Diedorf-Fischach will auch künftig Gottesdienste dort feiern, wo die Menschen gerne zusammen kommen: am 19. Januar um 17 Uhr in den Zech-Stuben in Deubach und am 21. Mai um 11 Uhr in der Brauerei Staudenbräu in Walkertshofen.

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