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Sonnenfinsternis

21.03.2015

„Die Stimmung ist unglaublich“

Warum die Arbeiter im Stahlwerk nicht gucken dürfen und was Simone Strohmayr zum Spektakel sagt

Als Hansjörg Durz gestern im Berliner Bundestags ans Rednerpult trat, verfinsterte sich die Sonne.

Klingt toll, ist aber leider nicht die ganze Wahrheit.

Zwar hielt der Bundestagsabgeordnete aus Neusäß gestern zur Zeit der Sonnenfinsternis seine insgesamt zehnte Rede vor dem Plenum des deutschen Parlaments, dabei aber trübten sich seinem Empfinden nach die Lichtverhältnisse in Berlin allenfalls unmerklich ein. „Es blieb hell. Ich habe gedacht, dass es düsterer wird.“ Auch nach seiner Rede zum IT-Sicherheitsgesetz hatte Durz keinen Blick für das himmlische Spektakel: Büroarbeit, ein Termin und schließlich am Nachmittag die Heimfahrt zur Familie nach Neusäß standen auf dem Programm.

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Die Stadtberger Abgeordnete Simone Strohmayr dagegen war gerüstet. Frau baut eben vor, und so hatte sie die Spezialbrille in die Handtasche gepackt, um bei Gelegenheit ein Auge riskieren zu können. Das aber war schwierig, weil die SPD-Frau just zur Sofi-Zeit im Auto unterwegs war. Ihr Ziel waren Kundgebungen in Augsburg zum Equal Pay Day und anlässlich des Warnstreiks in Kindergärten. Das gedämpfte Licht aber bemerkte Strohmayr auch aus dem Auto heraus: „Die Stimmung ist unglaublich.“

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Bei einem der größten Arbeitgeber im Augsburger Land dagegen hatte die Sofi wenig zu melden. In den Hallen des Stahlproduzenten Lechstahl (800 Mitarbeiter am Standort Herbertshofen) gilt ein anderer Rhythmus. Firmensprecher Markus Kihm: „Wir müssen Stahl herstellen und haben nicht vorgesehen, den Produktionsplan für die Sonnenfinsternis zu unterbrechen.“

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Ebenfalls nicht unterbrochen wurde eine Sitzung, an der Monika Krawehl teilnahm. Die Leiterin der Autobahnpolizei Gersthofen bemerkte nicht einmal die Veränderung des Tageslichts, weil der Raum, in dem die Besprechung stattfand, abgedunkelt war. „Aber ich hatte meine Sofi-Brille eh nicht dabei“, sagte sie. Krawehl hatte noch zwei Stück davon zu Hause und diese ihren Kindern mitgegeben. „Ich hoffe, die durften in der Schule gucken“, so die Polizeichefin.

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Obwohl sie keine eigene Brille hatte, konnte Astrid Scherer, die Konrektorin der Mozart Volksschule in Gersthofen, ein paar Blicke auf die Sofi werfen. „Ich habe mir von einem Schüler die Brille ausgeliehen“, sagte sie. Ihr Urteil dazu: „Es war toll und beeindruckend.“ An der Schule durften einige Kinder rausgehen und in die Sonne gucken. „Aber wir haben drauf geachtet, dass sie eine Sofi-Brille tragen“, so Scherer.

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Direkt vor der SGL-Arena in Augsburg stand Peter Bircks. Der FCA-Geschäftsführer im Bereich der Finanzen, der in Thierhaupten wohnt, beobachtete mit einigen Kollegen der Geschäftsstelle das Spektakel am Himmel. „Wir hatten aber nur eine Brille, die wir untereinander herumgereicht haben“, sagt Bircks. „Es war schon ein imposantes Naturerlebnis. Aber nicht so beeindruckend wie die Sonnenfinsternis im Jahr 1999“, so Bircks. (cf, elhö)

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Bilder: So war die Sonnenfinsternis im Augsburger Land

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