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Emersacker

16.04.2015

Die Toten des letzten Augenblicks

Im großen Kriegergrab im Friedhof Emersacker wurden die deutschen Opfer des Granateinschlags vom 26.April 1945 beigesetzt. Die Namen der Frauen und des Mädchens sind auf zwei Steintafeln zu lesen.
Bild: Foto: Konrad Friedrich

In Emersacker war die weiße Fahne gesetzt. Da tötete eine verirrte Granate neun Menschen

80 Millionen Tote auf der ganzen Welt – 70 Jahre ist es jetzt her, dass der Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs mit seinen vielen Opfern ein Ende hatte. In unserer neuen Serie wollen wir in den kommenden Wochen an die Zeit der Stunde Null im April und Mai 1945 im Landkreis Augsburg erinnern. In der heutigen Folge geht es um neun Tote in Emersacker, die noch in den letzten Tagen des Krieges starben.

Emersacker Als das Unglück geschah, waren die amerikanischen Soldaten schon in Binswangen (Landkreis Dillingen). Eine Granate wurde gezündet und flog in die falsche Richtung. Sie explodierte in Emersacker – obwohl auch in diesem Ort zu diesem Zeitpunkt schon die weiße Fahne gehisst worden war und die Menschen schon hofften, der Krieg wäre für sie vorbei. Neun Menschen starben am 26. April 1945, dem Tag, der gleichzeitig auch das Ende des Zweiten Weltkriegs in dem kleinen Ort bedeutete.

In diesen Tagen ist es 70 Jahre her, dass die Gemeinde an die schrecklichsten Stunden ihrer Ortsgeschichte erinnert – in einem gemeinsamen Gottesdienst, aber auch in ganz persönlichen Gedanken. Inge Reck, geborene Dieminger, war damals zweieinhalb Jahre alt. Sie verlor bei dem Granateinschlag Mutter und Tante. Das kleine Mädchen wuchs dann bei den Großeltern Dieminger auf. Thekla Wosning, geborene Zingler, kann sich als damals 12-jähriges Mädchen noch genau an diesen furchtbaren Granateneinschlag erinnern. Dabei starb ihre kleine Schwester Maria. Kurz zuvor hatten die Familie noch die erste Kommunion des Mädchens gefeiert. Heute liefert die Schulchronik, in der ein inzwischen nicht mehr bekannter Autor Stunde für Stunde die Ereignisse dieses Tages niederschrieb, Aufschluss. Das war passiert:

„16.45 Uhr. Alles war im Keller. Vom Lerchenberg her kamen die Amerikanischen Panzer mit aufgesessenen Schützen gegen unser Dorf. Fritz Wörle hisste auf dem Kirchturm die weiße Fahne. Von der Schmalwiesegrosskopf her wurde geschossen. Der Eiche bei Schirpfer wurde dabei der Gipfel abgeschossen.

Nun waren die Amerikaner da. Sie durchsuchten wiederholt die Häuser und nahmen Uhren, Fotoparate und Schmuck mit und was ihnen sonst nach in die Hände fiel.“

In den folgenden Tagen mussten, wie andernorts auch, einige Leute aus ihren Häusern ausziehen und sie den Amerikanern überlassen. Das Vieh durfte nur zwischen 18 und 19 Uhr ihr Vieh im Stall versorgt werden. Den Kindern gaben die Amerikaner Schokolade, sodass sie die ersten waren, die Vertrauen zeigten. Sie erzählten ihren Eltern von der Geste und so trauten sich die Erwachsenen allmählich aus den Schutzkellern. Zurück zum 26. April:

„Es war 17.30 Uhr. Zwei amerikanische Soldaten kamen auf der Hauptstraße von der Brauerei her und befanden sich gerade an der Straßenkreuzung zum heutigen Kapellenweg.

Die amerikanische Artellerie feuerte aus dem Raum Binswangen eine Granate ab, die unglücklich in den Nebenweg einschlug. Sie tötete ein Kind, fünf Frauen, einen Mann und die beiden amerikanischen Soldaten und verletzte einen 14-jährigen Jungen sehr schwer. Die Amerikaner überführten den Jungen (Ferdinand Fischer) sofort ins Lazarett nach Heidenheim. Ein halbes Jahr lang war er fort und lange wusste in der Gemeinde niemand etwas von ihm, da es keine Post gab.

Die beiden toten Amerikaner wurden sofort mit einem Lkw abtransportiert. Bei den deutschen Opfern handelte es sich um Maria Zingler, sowie um Kreszenz Lauter, Kreszenz Dieminger, ihre Schwester Hilde Dieminger, Kathi Dietrich, Wally Wirth und Franz Berger. Sie alle wurden am darauffolgenden Sonntag im großen Kriegergrab auf dem Friedhof beigesetzt.“

Erinnerung Am Samstag, 18. April, um 19 Uhr findet die Vereinsmesse mit anschließendem Gedenken der Granatopfer am Kriegergrab statt.

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