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Aystetten

05.12.2019

Die Wassergebühren in Aystetten erhitzen die Gemüter

Die Wassergebühren in Aystetten wurden überprüft. Trotz Zweifel im Gemeinderat verändert sich bis zum Folgejahr nichts. Erst ab 2021 wird neu kalkuliert.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Der Gemeinderat beschließt nach längerer Diskussion, die Gebühren für den Zeitraum bis 2020 nicht zu ändern.

Zahlen die Aystetter zu viel für ihr Wasser? Diese Frage beschäftigte die Räte und auch viele Bürger in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Auslöser war die Kalkulation der Gebühren für den Zeitraum von 2017 bis heute, die ein Fachbüro überprüft hatte. Das Ergebnis sorgte im Gemeinderat für Diskussionen: Alles soll so bleiben, wie es ist, schlug der Gutachter vor. Die Verwaltung stellte sich hinter das Ergebnis des Büros. Dem Gemeinderat hingegen waren die Gebühren zu hoch.

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Gutachter stellte trotz hoher Gebühren ein Defizit für Gemeinde fest

Wie Verwaltungschef Jürgen Schantin auf Nachfrage erklärte, reicht die Ursache für die aktuelle Diskussion bereits Jahre zurück: 2018 stiegen die Wassergebühren stark an. Grund war die Unterteilung des Abwassers in Schmutz- und seit dem Zeitpunkt auch in Niederschlagswasser. Durch diesen Mehraufwand entstanden Kosten, die zu einem Anstieg der Wassergebühren geführt hatten. Die überörtliche Rechnungsprüfung untersuchte diese für den Zeitraum von 2007 bis 2017 – und stellte trotz Erhöhung eine Unterdeckung für Aystetten fest. Bei der Wasserversorgung als kostendeckende Einrichtung darf eine Gemeinde jedoch weder Gewinn noch Verlust verzeichnen. Daher wurde das Fachbüro Schneider & Zajontz beauftragt, die Gebühren für den Zeitraum von 2017 bis 2020 zu untersuchen.

Andreas Pinkert präsentierte den Räten und anwesenden Bürgern seine Ergebnisse: Er empfahl der Gemeinde, den Kalkulationszeitraum bis 2020 – also auf vier Jahre – zu belassen und die Gebühren nicht zu verändern. Aktuell zahlen Aystetter für Wasser 2,41 Euro, für Abwasser 2,74 Euro pro Kubikmeter und für das Niederschlagswasser 0,48 Euro pro Quadratmeter. Eine Verkürzung des Zeitraums auf dieses Jahr empfiehlt Pinkert nicht, dadurch würden die Gebühren steigen. Für das Folgejahr könne dann neu berechnet werden. Demnach werden sich bis Ende 2020 die Wassergebühren in Aystetten nicht verändern. Erst ab 2021 wird neu kalkuliert. Nach der Prognose des Fachbüros würden dann Wasser teurer, und das Abwasser günstiger.

Die Wassergebühren in Aystetten erhitzen die Gemüter

Gemeinderäte können Entscheidung nicht nachvollziehen

Für Ulrike Steinbock (CSU) ist die Entscheidung des Fachbüros schwer nachvollziehbar. Für sie steht fest: Die Gemeinde erzielt durch die Gebühren einen Überschuss. Einen Vorwurf, den die Verwaltung so nicht stehen lassen wollte. Jürgen Schantin stellte klar: Auch durch eine Erhöhung der Wassergebühren verdiene die Gemeinde nichts. Als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnete er die Vorwürfe von Steinbock. Es dürften nicht nur die Betriebskosten mit den Ein- und Ausgaben verrechnet werden. Auch Investitionen, wie die Sanierung des Kanalsystems spielten eine wichtige Rolle. Diese werden auf 50 Jahre abgeschrieben – in kleineren Gemeinden wie Aystetten könnten solch hohe Kosten eben nicht so leicht umgelegt werden. Hinzu kämen Personalkosten, die in die Gebühren einfließen. Auch diese hatte das Fachbüro in seiner Untersuchung miteinbezogen.

Für Steinbock nicht nachvollziehbar. Sie bedauerte den „Spitzenpreis“, den Aystetter für ihr Wasser zahlen müssten. Als Vergleich nannte sie die Stadt Neusäß, die das gleiche Wasser wie Aystetten bekomme, aber weniger zahle. Sie wünschte, die Gemeinde könnte den Bürger „moderat entlasten“. Ähnlich sah dies auch Karin Pritsch (parteilos). Ihr falle es schwer, die Kalkulation der Gebühren nachzuvollziehen. Ebenso sieht es Roland Woppmann (CSU). Er zog den Vergleich zu anderen Gemeinden, die trotz Kläranlage geringere Gebühren hätten. Bürgermeister Peter Wendel stellte sich trotzdem hinter die Empfehlung des Fachbüros: Er wolle lieber in die Sanierung des Kanalsystems investieren, anstatt die Gebühren zu senken und womöglich Keime durch alte und Totleitungen zu riskieren.

Gemeinde will Keimen im Leitungssystem vorbeugen

Eine Chlorung – ähnlich wie in Diedorf, Dinkelscherben und Gersthofen aktuell der Fall – käme der Gemeinde am Ende noch teurer. Der Ansicht schloss sich Uli Brobeil (FW) an, er ziehe es vor, das Abwassersystem auf einem hohen Niveau zu halten. Selbst so kurz vor dem Wahlkampf stelle er sich hinter die bisherigen Wassergebühren. So sah es auch Walter Neu (FW): „Lieber zahle ich mehr“ – er wolle sich nicht vorwerfen lassen, etwas verpasst zu haben. Trotz längerer Diskussion entschloss der Gemeinderat mit 10:2 Stimmen, der Empfehlung des Fachbüros zu folgen. Dagegen stimmten weiterhin Ulrike Steinbock und Monika Nußbaumer von der CSU.

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