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Flüchtlinge

26.01.2019

Die Wohnungssuche ist das größte Problem

Bei einem Treffen in Gersthofen vermissten Flüchtlinge und Helfer die verstorbene Elfriede Wörle.
Bild: Renate Dumreicher

Beim Treffen in Gersthofen tauschen sich die Migranten aus. Eine Helferin wird schmerzlich vermisst

Sie haben sich schon oft getroffen und einen guten Kontakt zueinander aufgebaut: der Helferkreis Gersthofen und ihre „Schützlinge“ – Flüchtlinge, die seit vielen Monaten in Gersthofen untergebracht sind.

Doch in dieser Woche war das Winterfest im Trettenbachhaus von einem traurigen Ereignis überschattet. Die 16 Helfer und zehn Flüchtlinge nutzten das Treffen auch zu einem Gedenken an eine sehr engagierte Helferin der ersten Stunde: Elfriede Wörle, die Mutter des Bürgermeisters, starb nach Krankheit plötzlich Anfang der Woche. Neben der Unterstützung in den Deutschkursen hat sie einen Schwimmkurs für Asylsuchende ins Leben gerufen, bei der Jobsuche geholfen, war jeden Samstag beim Migrationstreff mit dabei und verfolgte mit großer Anteilnahme den Lebensweg der Asylsuchenden. Einige davon waren diese Woche bei dem Treffen. Zum Beispiel Mohammed Hadi aus Afghanistan. Er kam 2016 nach Deutschland. Von Anfang an war er sehr bemüht, die deutsche Sprache zu erlernen, um so schnell wie möglich seine Familie nachzuholen und hier eine Arbeit zu finden. Im Herbst 2018 war es endlich so weit, und seine Frau und seine zwei Kinder sind in Gersthofen angekommen. „Ich möchte demnächst eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen“, sagt er.

Das größte Problem der Familie ist jedoch die Wohnungssuche. Sie leben zurzeit in zwei Kellerräumen und hoffen, bald eine richtige Wohnung zu finden. So wie ihm geht es allerdings weiteren zehn Familien und 20 alleinstehenden Männern, die inzwischen anerkannt sind. „Die Regierung macht niemanden obdachlos. Solange sie keine Wohnung gefunden haben, dürfen die Menschen in den Unterkünften wohnen“, erzählt Ira Bodenmüller von der Asyl- und Flüchtlingsberatung in Gersthofen.

Aber nicht nur die Wohnungssuche beschäftigt die Anwesenden. Zum Teil Abgelehnte können nicht zurückgebracht werden, weil sie keinen gültigen Pass aus ihrem Heimatland besitzen und auch keinen ausgestellt bekommen, da sich die dortigen Botschaften weigern. Das bedeutet für die Flüchtlinge Stillstand. Sie haben hier keine Arbeitserlaubnis, dürfen keine Deutschkurse mehr besuchen und sind zum Nichtstun verbannt. Das ist eine belastende Situation und führt bei einigen, die Schlimmes erlebt haben, zu psychischen Problemen.

So geht es auch einem jungen Mann, der berichtet, dass er und seine Brüder abgelehnt worden seien (obwohl sie einen gültigen Pass besitzen), seine Mutter und seine beiden Schwestern dürften aber hier- bleiben, weil sie unter Abschiebeschutz stehen. Somit müsste er ohne seine Familie wieder zurück nach Afghanistan, kann hier nun nicht arbeiten und erhält keine Unterstützung. Zurzeit leben 168 Personen in drei Gemeinschaftsunterkünften in Gersthofen, davon sind 65 bereits anerkannt. Insgesamt stehen in Gersthofen 200 Plätze zur Verfügung. „Das Thema Asyl war in Gersthofen nie negativ behaftet. Es gab keine großen Probleme mit der Umgebung der Unterkünfte. Allerdings fehlt es an ehrenamtlichen Helfern“, berichtet Ann-Christin Joder, Pressesprecherin der Stadt Gersthofen. „Der harte Kern ist immer geblieben, aber freiwillige Unterstützer werden stets gesucht“, bestätigt Christine von Gropper von der Freiwilligenkoordination der Diakonie im Asylbereich für Gersthofen. Auch wenn der Zustrom weniger geworden ist: ob als Lesepaten, Nachhilfe- oder Deutschlehrer, zur Unterstützung bei der Job- oder Wohnungssuche – die Aufgaben in der Flüchtlingshilfe gehen so bald nicht aus.

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