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Uraufführung

29.01.2015

Die dunkle Schwester der Liebe

„Liebst du dich selbst?“ fragt der innere Begleiter (Giorgio Buraggi) Almira, die sich nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern völlig unverstanden fühlt und tieftraurig ist. Im neuesten Stück „Am Rande des Regenbogens“ zeigt das Diedorfer Eukitea-Ensemble Ansätze, wie Jugendliche Trauer und Depression entkommen können.
Bild: Marcus Merk

Diedorfer Eukitea schafft den Spagat, beim Thema Depression zu unterhalten und Auswege anzudeuten

Von Gerald Lindner

 Amira hat großen Knatsch mit ihren Eltern, weil diese dem Mädchen die eigene Lebensweise aufdrücken wollen – Amira aber ganz anders fühlt. Matteo wiederum versucht es, allen recht zu machen und wird doch nicht geliebt. Hoffnungslose Situationen? Mit Depressionen bei Kindern und Jugendlichen befasst sich das neueste Präventionsstück des Diedorfer Theaterensembles Eukitea, „Am Rande des Regenbogens“. Bei der Uraufführung zogen die beiden Schauspieler Kathrin Müller und Giorgio Buraggi 110 Schüler gut eine Stunde lang absolut in ihren Bann – und dies, ohne das Wort „Depression“ auszusprechen und damit bereits eine gewisse Denk- oder Empfindungsrichtung bei den Zuschauern festzulegen.

Wie Regisseur Stephan Eckl erklärt, haben laut Studien drei bis zehn Prozent der Jugendlichen Probleme mit Depressionen. Deswegen hatte er schon lange die Idee, dieses Thema in einem eigenen Stück aufzugreifen. In der Sparda-Bank Augsburg fand das Eukitea dann eine finanzielle Unterstützung.

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Matteo fühlt sich von allen ungeliebt. Da rückt ihm sein „Innerer Begleiter“ auf die Pelle, stupst ihn permanent an, bis er mit einem lauten „Stopp“-Schrei eine Grenze setzt. „Hast du deine Power gespürt“, fragt der Begleiter. Matteo hat den ersten Schritt getan, um dem schlechten Gefühl zu entkommen. Damit beendet er auch den Eindruck, dass Freunde, Verwandte Eltern, Lehrern und andere permanent an ihm ziehen und ihn so überfordern.

Verschiedene Szenen schließen sich an, in denen die Figuren weitere Ansätze finden, sich aus der Gefahr, in Depressionen zu verfallen, befreien. So gewinnt Amira Abstand von ihren Problemen, als sie sich eine Fahrt im Aufzug in den 100. Stock vorstellt und von dort auf die Welt herabschaut. Von dieser Position aus werden ihre Probleme plötzlich klein, sie gewinnt Selbstbewusstsein, diese Schwierigkeiten auch überwinden zu können.

Besonders bewegend war die Szene, in der Amira symbolisch von ihrer Freundin Sophie, mit der sie sich plötzlich nicht mehr verträgt, Abschied nimmt: Sie wirft Blätter in einen Fluss. Eines ist ein Dank für alle schönen Momente, eines Verzeihung für die weniger schönen Augenblicke, ein weiteres ein „Tschüs“ und mit einem lässt sie ihre Freundin los.

Dank, Verzeihung und Loslassen führen schließlich zur nächsten Stufe: Amira und Matteo erzählen sich beim Chatten im Internet, dass es ihnen besser geht: „Ich liebe mich so, wie ich bin und positive Gedanken ziehen andere Menschen an.“ Als Symbol dient der „Liebeslichtschalter“, mit dem Amira und Matteo bewusst ihre Liebe zu sich selbst in den Mittelpunkt rücken können als Schutz gegen Grenzverletzungen, aber auch Depression. Damit kann der Angst begegnet werden. Der innere Begleiter sagt einmal im Stück: „Die Angst ist die dunkle Schwester der Liebe.“

Wichtig ist dem Eukitea-Team auch, die Jugendlichen zu ermuntern, der Umwelt Grenzen zu setzen. Damit wird der Weg fortgesetzt, den das Theater mit früheren Präventionsstücken wie „Du bist unschlagbar“ oder „Mein Körper ist mein Freund“ eingeschlagen hat.

Dass sich die Schüler wiedererkannten, zeigte sich an der atemlosen Stille im Publikum während der Vorstellung. Dabei wird den jungen Zuschauern nicht vorgegaukelt, dass am Ende alles gut ist und künftig keine Schwierigkeiten und Probleme mehr zu befürchten seien. „Grundlage für unser Stück ist das Leben – da gehören gute wie schlechte Seiten dazu“, brachte Kathrin Müller in der anschließenden Diskussion die Absicht der Vorstellung auf den Punkt. Und Amira will nach der Schulzeit eine Tanzausbildung machen: „Meine Eltern freuen sich nicht, aber seit ich diese Entscheidung gefällt habe, bin ich ganz glücklich und ich weiß, ich bin auf meinem Weg.“

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