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Landkreis

07.06.2019

Die einen lernen am iPad, die anderen an der Tafel 

Mit dem Einsatz von Tablets und interaktiven Tafeln sollen Schüler schon in der Grundschule auf die digitale Zukunft vorbereitet werden. Doch nicht alle Schulen im Augsburger Land erfüllen die selben Standards. 
Bild: Marcus Merk

Schon in der Grundschule sollen Kinder den Umgang mit digitalen Medien lernen. Doch nicht alle Gemeinden im Augsburger Land setzten auf digitale Klassenzimmer.

Die Grundschüler in Gablingen sitzen seit gestern in digitalisierten Klassenzimmern. Vor ihnen liegen Tablets, der Lehrer steht vor einem Whiteboard. Ein völlig anderes Bild zeigt sich an der Grundschule in Kutzenhausen. Hier müssen sich Schüler und Lehrer mit Tafel und Kreide zufrieden geben.

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„Wir sollten uns da zurückhalten“, sagte Zweiter Bürgermeister Rupert Kugelbrey, als es im Gemeinderat um die Anschaffung von Tablets ging. Nicht alles Digitale sei gut für die Anwender. „Wir züchten uns hier Abhängige von Neuen Medien bereits im Grundschulbereich heran.“

2700 Computer und 770 Notebooks werden regelmäßig gewartet und ausgetauscht

Die beiden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Digitalisierung an den Schulen im Augsburger Land voranschreitet. Der Landkreis selbst hat in den vergangenen Jahren zwei Millionen Euro investiert, um seine 18 Schulen auf einen einheitlichen Standard zu bringen. Alle verfügen über Anschlüsse für schnelles Internet. Die 2700 Computer und 770 Notebooks werden regelmäßig gewartet und ausgetauscht. Insgesamt verfügen die Schulen über eine zeitgemäße IT-Versorgung, heißt es von Seiten des Landratsamtes.

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Anders sieht es an den von Städten oder Gemeinden getragenen Grund- und Mittelschulen aus. Hier herrscht oft noch Nachholbedarf. Denn nicht jede Kommune verfügt über die nötigen finanziellen Mittel, um ihre Schule digital auszustatten. Das weiß auch Jörg Faßnacht, Kreisvorsitzender des bayerischen Lehrerverbandes. Zwar komme mit den fünf Milliarden Euro, die der Bund im Rahmen des Digitalpaktes bereithält, Schwung an die Schulen. „Doch die Anschaffung und Wartung der Geräte ist teuer.“

Schulen müssen ein individuelles Medienkonzept erstellen

Um Fördermittel zu erhalten, müssen Schulen ein individuelles Medienkonzept erstellen. Aus diesem soll hervorgehen, auf welchem Stand sich die Schule aktuell befindet und wo die digitale Zukunft hingehen soll. „Wenn in der Vergangenheit wenig investiert wurde, lässt sich mit den Fördermitteln allein nicht alles nachholen“, sagt Faßnacht, der auch als stellvertretender Schulleiter an der Grund- und Mittelschule Fischach tätig ist.

Es gebe mittlerweile gewisse Standards, die jede Schule erfüllen sollte. Faßnacht denkt dabei an schnellen Internetzugang, gut ausgestattete Computerräume oder zusätzliche Laptops, die spontan im Unterricht zum Einsatz kommen. Auch mit der digitalen Lernplattform Mebis sollten Lehrer, Schüler und Eltern seiner Meinung nach umgehen können. Doch Faßnacht ist sich auch sicher: „Nur weil ein Klassenzimmer digital ausgestattet ist, wird der Unterricht nicht automatisch besser.“ Die Ausstattung müsse auch zum Konzept der Lehrer passen.

Schwierigkeiten beim Wechsel an weiterführende Schulen

Faßnacht sieht in den unterschiedlichen Standards, die die Grundschulen im Landkreis erfüllen, vor allem für Schüler ein Problem. Denn sie könnten beim Wechsel an weiterführende Schulen Schwierigkeiten bekommen, wenn sie zuvor bestimmte Standards im Umgang mit digitalen Medien nicht gelernt hätten.

Eine ähnliche Meinung vertritt die stellvertretende Landesvorsitzende des bayerischen Elternverbandes Henrike Paede. „Die Bildungschancen sollten für alle Schüler gleich seien“, sagt die Stadtbergerin. Die Schulen im Landkreis seien insgesamt gut aufgestellt. Zumindest habe es von Seiten der Elternnoch keine größeren Beschwerden beim Thema Digitalisierung gegeben. Reichere Kommunen könnten ihre Schulen besser ausstatten als kleinere Gemeinden. Diese Unterschiede sollten über Fördermittel des Bundes ausgeglichen werden können, ist Paede überzeugt. Doch es mangelt nicht nur an Geldern. „Auch viele Eltern haben Angst vor den Risiken und sind sich nicht bewusst, welche Chancen in den digitale Medien stecken.“

Bedenken über den Einsatz von Tablets im Unterricht

Um die Grundschule in Kutzenhausen mit Flachbildschirmen und Tablets auszustatten und den Unterricht dem Lehrplan entsprechend digitaler gestalten zu können, hatte Schulleiterin Hellen Stroh Gelder beantragt. Doch der Gemeinderat wollte das dafür nötige Geld nicht zur Verfügung stellen. Die Mitglieder äußerten nicht nur Bedenken über den Einsatz von Tablets im Unterricht, sondern forderten eine Aufstockung der Fördermittel seitens des Bundes. Diese allein reichen nach Angaben von Schulleiterin Stroh nicht aus, um die Grundschule medientechnisch aufzurüsten. Auch Jörg Faßnacht plädiert an die Politik, mehr Ressourcen zu schaffen – finanziell wie personell. In Fischach sei ein Lehrer für drei Stunden freigestellt, um 130 Computer zu warten. „Das ist wahnsinn, aber Standard an vielen Schulen“, sagt er. Solche Aufgaben gehöre eigentlich in Profi-Hand.

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